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04.08.2013

11:53 Uhr

Medienbericht

Die Vertragsdetails der KfW-Vorstände

VonMartin Dowideit

Im Geschäftsbericht legt die staatliche Förderbank KfW die Gehälter ihrer Vorstände offen. Doch einige Details sind jetzt erstmals in einem Papier für das Wirtschaftsministerium bekannt geworden.

KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder: 1,03 Millionen Euro Jahressalär. dpa

KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder: 1,03 Millionen Euro Jahressalär.

DüsseldorfIm Jahr 2011 haben in Deutschland 170 Bankmitarbeiter eine Million Euro oder mehr verdient. Die Vorstände der staatlichen Förderbank KfW gehörten bis auf Vorstandschef Ulrich Schröder zwar nicht dazu. Doch sie haben dafür andere großzügige Komponenten in ihren Verträgen, wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf ein für das Wirtschaftsministerium erstelltes Papier berichtet. Die Bestandteile der Vergütung sind aber auch größtenteils im Geschäftsbericht der Bank aufgeführt.

Die Bezahlung des Vorstands hat schon öfter zu politischen Diskussionen geführt. Der amtierende Chef, Ulrich Schröder, hatte schon bei seinem Amtsantritt im Herbst 2008 für Verwunderung gesorgt. Denn er pochte darauf, mindestens so viel Gehalt zu bekommen, wie bei seinem alten Arbeitgeber, der NRW-Bank. Er konnte sich durchsetzen und bekam die Zusage, mehr als 800.000 Euro im Jahr zu erhalten. Das war ein dickes Plus gegenüber den Vorgängern im Amt.

Später pochte Schröder darauf, einen Bonus ausgezahlt zu bekommen, als Extra-Lohn für gute Arbeit. Tatsächlich hat er die KfW zu Rekordgewinnen geführt – doch die sind nicht zuletzt auch dem Zinsumfeld geschuldet. Da sich Deutschland seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise als Fels in der Brandung auf den Anleihemärkten erweist, kann sich auch die staatliche KfW zu Traumkonditionen refinanzieren und meldet quasi automatisch sprudelnde Gewinne. Einen Bonus in Höhe von 80.000 Euro bekam Schröder etwa für das Jahr 2011 – zusätzlich zum Mindestbonus in Höhe von 160.000 Euro. Im Jahr 2012 bekam er 90.000 Euro Sonderbonus und kam so auf ein Gesamtgehalt in Höhe von 1,03 Millionen Euro.

Die jetzt veröffentlichten Details der Anstellungsverträge werden im Geschäftsbericht der Bank größtenteils unter dem Punkt „Sonstiges“ zusammengefasst. Bei KfW-Chef Schröder beliefen sich die sonstigen Bezüge im vergangenen Jahr auf fast 100.000 Euro. Dazu zählt die Bereitstellung eines Dienstwagens (Audi A8, BMW 7er oder Mercedes S-Klasse) mit Fahrer. Der steuerliche Vorteil daraus für dienstliche Fahrten wird von der KfW versteuert, bei privaten Fahrten von den Vorständen.

Weitere Zusagen: Fällt ein Vorstand krankheitsbedingt aus, zahlt die KfW die vollen Bezüge bis zum Vertragsende. Die Verträge haben üblicherweise eine Laufzeit von fünf Jahren. Die Bank zahlt in der Regel außerdem die Hälfte der Beiträge für eine private Kranken- und Pflegeversicherung für die Vorstände und deren Familie. Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung müssen die Vorstände nicht zahlen.

Eine Versicherung für Management-Fehler ist für alle Vorstände abgeschlossen – ohne einen Selbstbehalt im Versicherungsfall. Bei Großkonzernen müssen die Vorstände in der Regel aber auch in die eigene Tasche greifen, sollte die sogenannte D&O-Versicherung einspringen müssen. Die Deckungssumme bei der KfW beträgt maximal 25 Millionen Euro.

Im Geschäftsbericht schreibt die Bank zum Vergütungspaket: „Das Vergütungssystem für den Vorstand der KfW zielt darauf ab, die Vorstandsmitglieder entsprechend ihren Aufgaben- und Verantwortungsbereichen angemessen zu vergüten.“

Kommentare (1)

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TorstenBergmann

04.08.2013, 16:26 Uhr

Warum diese Aufregung bei der KfW? Bei der Landesbanken verdienen ein Johannes Evers (LBB), ein Hans-Jörg Vetter (LBBW) und weitere Sparkassen-Landesbankvorstände bei schwacher Performance weitaus mehr Geld als ein KfW-Vorstand. Doch da fragt niemand nach, seitdem ein Sparkassenpräsident Fahrenschon im Amt ist und die Besitzstände der Sparkassenorganisation zementiert. Hier sollten die Sparkasseneigner (Städte/Gemeinden und der Bund) endlich mal Zeichen setzen und angemessene Vergütungen durchsetzen. Für so wenig Performance soviel Geld wie im Sparkassenlager, das gibt es nicht einmal bei der KfW.

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