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19.11.2013

15:40 Uhr

Medienbericht

Fahnder durchsuchen HSH Nordbank

Ein Windpark in Italien diente der Mafia zur Geldwäsche. Deutsche Geschäftsleute halfen dabei. Die HSH Nordbank finanzierte den Park. Nun durchsuchen Polizisten Geschäftsräume der Bank – und eines Windanlagenbauers.

Gebäude der HSH Nordbank: Ermittler durchsuchen Geschäftsräume des skandalgeplagten Instituts. dapd

Gebäude der HSH Nordbank: Ermittler durchsuchen Geschäftsräume des skandalgeplagten Instituts.

HamburgSeit den frühen Morgenstunden durchsuchen rund 200 Polizeibeamte die Geschäftsräume der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Beteiligt sind Beamte des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter Bayern und Niedersachsen sowie die Zentrale Polizeidirektion Hannover. Auch Wohnräume und Büros von drei verdächtigen Geschäftsleuten stehen im Visier der Fahnder. Geschäftsräume des Windanlagenherstellers Enercon in Aurich wurden ebenfalls durchsucht.

Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einem von der HSH Nordbank finanzierten Windparkprojekt in Italien, das die Mafia dem „Spiegel“-Bericht zufolge zur Geldwäsche genutzt haben soll. Der Windpark Capo Rizzuto in Kalabrien ist einer der größten Europas. Die Anlage dreier deutscher Geschäftsmänner soll laut dem Bericht vor allem dazu gedient haben, schmutzige Gelder aus Drogenhandel und Erpressung der süditalienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta zu waschen. Die angeschlagene Landesbank stellte eine Kreditsumme von 225 Millionen Euro bereit, deren Tilgung nebst Zinsen bis zur Beschlagnahme fristgerecht bedient worden sein soll.

Bei den Ermittlungen gehe es um den Verdacht der Geldwäsche und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, sagte der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Die HSH Nordbank Institut selbst oder Mitarbeiter seien nicht Ziel der Untersuchungen, sagte ein Sprecher der HSH Nordbank der Nachrichtenagentur Reuters. Die Landesbank kooperiere mit den Behörden.

Größte Landesbanken nach Bilanzsumme

Platz 8

SaarLB - Bilanzsumme: 19,63 Milliarden Euro

Quelle: Geschäftsberichte der Landesbanken 2011, VÖB

Platz 7

Bremer Landesbank - Bilanzsumme: 34,86 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Berlin - Bilanzsumme: 94,70 Milliarden Euro

Platz 5

HSH Nordbank - Bilanzsumme: 135,90 Milliarden Euro

Platz 4

Helaba - Bilanzsumme: 166,50 Milliarden Euro

Platz 3

NordLB - Bilanzsumme: 227,60 Milliarden Euro

Platz 2

BayernLB - Bilanzsumme: 309,10 Milliarden Euro

Platz 1

LBBW - Bilanzsumme: 373,10 Milliarden Euro

Die Durchsuchungen dienten der Beweissicherung. Betroffen waren 20 Objekte in Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Aufgrund der internationalen Verbindungen gebe es außerdem auch Razzien in Österreich. Die Ermittlungen gegen die Geschäftsleute liefen seit Februar. Die 'Ndrangheta ist eine der vier großen italienischen Mafiaorganisationen. Sie besteht aus verschworenen Familien-Clans, die vom süditalienischen Kalabrien aus operieren.

Einer der Beschuldigten ist ein Geschäftsmann und Anwalt aus dem bayerischen Rosenheim, der mit mutmaßlichen Mitgliedern eines der 'Ndrangheta-Clans in Kontakt stand. Er soll sich mit weiteren Partnern zusammengetan haben, um den Windpark mit einer eigenen Firma als Generalunternehmer zu bauen und zu verkaufen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück arbeite eng mit den italienischen Behörden zusammenarbeitet, sagte Retemeyer.

Vor über einem Jahr hatte die Staatsanwaltschaft im italienischen Catanzaro die Anlagen des Windparks beschlagnahmt. „Mit jeder Drehung der Rotoren, so der Verdacht, werde schmutziges Geld der Mafia in saubere Gewinne aus Öko-Energie verwandelt“, schreibt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuelle Ausgabe. Das Projekt sei nach den damaligen, für alle Institute verbindlichen Richtlinien geprüft worden, zitiert „Der Spiegel“ einen für Sanierung zuständigen HSH-Nordbank-Manager.

Kommentare (8)

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schmierMICH

19.11.2013, 13:27 Uhr

warum, kucken sich die damen und herren nicht gleich noch mal die geldflüsse zwischen der bank den werften und reedern und den damit verbundenen privatpersonen an

wär auch nicht schlecht

die überfinanzierte branche ,die die HSH in die knie zwingt hat mit willigen sehr perfekt ausgeräubert

Account gelöscht!

19.11.2013, 13:45 Uhr

Ausgerechnet die HSH. Die seriöse Bank hätte einen solchen Plunder mit diesen Figuren nie und nimmer finanziert. Also suchte und fand man die HSH.

Vor der Finanzmarktkrise 2009 war es ein offenes Geheimnis wen man über den Tisch ziehen konnte: "Silly German Landesbank" sagte man in Wall Street.
Wann wird dieses untragbare Pleiteinstitut denn endlich abgewickelt? Es ist doch unmöglich, mit diesen Figuren in einem hart umämpften Markt Geschäftsanteile bzw. Marktanteile zu erkämpfen und dabei auch noch Gewinn zu machen.

Die HSH hat fertig. Fix und fertig!

Aktionaer

19.11.2013, 13:50 Uhr

Was spricht dagegen, dass man auch die Politiker persönlich vor Gericht stellt. Und langsam frage ich mich echt, ob es eine Schweinerei der Bankster gibt, wo keine Politiker mitmischen?

Über Jahre war die HSH Nordbank der Stolz der Politiker, sie bedeutete weltweite Expansion und hohe Dividenden für die Staatskasse. Jetzt treibt die Bank die Länder ins finanzielle Desaster. All das geschah unter den Augen der Politik, unter der Kontrolle der Finanzminister im Aufsichtsrat.

Doch statt das Debakel jetzt endlich aufzuklären, wird getäuscht, getrickst, beschönigt. Die Politiker ducken sich weg, die drohende Staatspleite wird zum Staatsgeheimnis. Und niemand stellt sich seiner persönlichen Verantwortung.

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