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21.06.2012

14:33 Uhr

Medienbericht

Jain und Fitschen sehen große Aufgaben

Im September wollen Jain und Fitschen Details zur langfristigen Strategie der Deutschen Bank bekanntgeben. Schon jetzt räumten sie ein, dass in vielen Bereichen Anpassungen nötig seien.

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank AG, Anshu Jain (l.) und Juergen Fitschen. dapd

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank AG, Anshu Jain (l.) und Juergen Fitschen.

Frankfurt/MainDie neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen das größte deutsche Geldhaus trotz enormer Herausforderungen in der Weltspitze etablieren. Die Bank werde um Anpassungen bei Geschäftsmodell, Kapitalausstattung und Kostenstruktur nicht herumkommen, erklärte die seit Juni amtierende Doppelspitze im Interview mit dem „Manager Magazin“. „Das Umfeld für Banken ändert sich dramatisch“, warnte Jain.
Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bekräftigten die seit Monatsbeginn amtierenden Vorstandschefs, sie seien auch angetreten, um langfristig den Wert der Bank zu steigern: „Wir werden das nicht auf eine Kennzahl reduzieren. Aber wir werden im Herbst klare Ansagen machen, wie wir die Leistungsfähigkeit und damit die Bewertung der Bank verbessern wollen.“ Im September will das Duo nach bisheriger Planung Details zur langfristigen Strategie des Dax-Konzerns nennen.

Das Investmentbanking werde auch in Zukunft einer der entscheidenden Bereiche der Bank bleiben, betonte der Investmentbanker Jain. Allerdings werde der Konzern darauf bedacht sein, das Geschäft nachhaltiger zu betreiben. Die Manager bekannten sich zur Verbindung von Privatkundengeschäft und Investmentbanking. Sie kündigten an, die Deutsche Bank solle in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu den fünf führenden Universalbanken weltweit zählen.

Anshu Jains Lebensstationen

Anshu Jain

Anshu Jain wird 1963 als Sohn des Beamten Ambuj Jain und seiner Frau Shashi in Jaipur geboren. Er hat einen jüngeren Bruder und wächst im Süden von Neu-Delhi auf.

1980

Bachelor-Studium der Wirtschaftswissenschaften am Shri Ram College of Commerce der Universität Delhi. 1985 absolviert er einen MBA an der Isenberg School of Management.

1985

Jain steigt als Analyst beim US-Broker Kidder Peabody & Co. ein.

1988

Jain wechselt zu Merrill Lynch nach New York, wo er unter Edson Mitchell branchenweit die erste Abteilung für Hedgefonds-Manager aufbaut.

1995

Jain heuert im Gefolge von Mitchell bei der Deutschen Bank an.

2002

Die Deutsche Bank beruft ihn in das Group Executive Committee, die zweite Führungsebene.

2009

Jain wird Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.

2011

Der Aufsichtsrat wählt ihn zusammen mit Jürgen Fitschen zum künftigen CEO der Bank.

Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit wollen die beiden Vorstandschefs in den nächsten Monaten auf den Umbau der Vermögensverwaltung legen. Die Bank hatte am Mittwoch den noch unter dem Vorgänger Josef Ackermann geplanten Verkauf eines Großteils der Sparte an den US-Finanzdienstleister Guggenheim Partners für gescheitert erklärt.

Bestehende Sorgen vor einer Kapitalerhöhung versuchten die neuen Chefs zu beseitigen. Die Kapitalausstattung sei gut. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Kapitalanforderungen, also vor allem Basel III, aus eigener Kraft erfüllen werden - und das nicht erst im Jahr 2018.“

In der Euro-Schuldenkrise stellten sich Jain und Fitschen hinter den Kurs der Bundesregierung. Eurobonds, also gemeinsame Anleihen aller Euroländer, seien kein geeigneter Weg: „Sie helfen nicht bei der Lösung der Probleme, die Europa derzeit in den Augen internationaler Investoren so schwach aussehen lassen und kurzfristig gelöst werden müssen“, sagten sie der „FAZ“.

Die Bankchefs räumten selbstkritisch Fehler im früheren Geschäftsgebaren ein und kündigten an, das Institut wieder zu einem vollakzeptierten Partner der Wirtschaft machen. „Die künstliche Trennung zwischen Bank und Realwirtschaft in der öffentlichen Diskussion muss wieder verschwinden“, erklärten sie in der „FAZ“.

Jain wies Befürchtungen zurück, dass er mit seinen Investmentbankern nun bei der Deutschen Bank die Macht übernehme. Es gebe nicht eine Entscheidung, über die zuvor nicht gemeinsam lange diskutiert worden sei und über die Fitschen und er zuvor nicht vollständiges Einvernehmen erzielt hätten. Entsprechende Sorgen waren im Frühjahr laut geworden, als viele Investmentbanker befördert wurden. Fitschen versicherte im „Manager Magazin“: „Wir beide stehen für eine gute Zusammenarbeit.“ In der „FAZ“ bekräftigte er: „Am Ende sprechen wir mit einer Stimme - in der Bank und außerhalb der Bank.“

Von

dpa

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