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24.01.2011

06:00 Uhr

Mehr Transparenz

Die Konkurrenz lässt die Allianz hängen

VonThomas Schmitt

Der Branchenführer Allianz Leben will gegenüber seinen Kunden durchsichtiger werden. Das ist im Sinne von Verbraucherschützern. Doch die Konkurrenz ziert sich, ebenfalls ihre Kosten offen zu legen. Kritiker fürchten, dass die Täuschung der Kunden bei den Lebensversicherungen weiter geht.

Maximilian Zimmerer, Chef der Allianz Leben: auf dem Weg zu mehr Transparenz. dpa

Maximilian Zimmerer, Chef der Allianz Leben: auf dem Weg zu mehr Transparenz.

HB FRANKFURT. Maximilian Zimmerer lebt Transparenz nun auch persönlich vor. Der wichtigste Mann in der deutschen Lebensversicherung und der zweitwichtigste in der deutschen Allianz, der ADAG, zählte bisher zu den Managern, die sich gern rar machten. Um so ungewöhnlicher ist eine rasche, persönliche Antwort auf eine kritische Anfrage des Handelsblatts zur großen "Transparenzinitiative von Allianz Leben" in der vergangenen Woche.

"Ich bin doch überrascht über Ihre erste negative Reaktion, die ich zumindest von den Teilnehmern am Pressegespräch so nicht verspürt habe", schrieb Zimmerer dem Handelsblatt. In Berlin, auf dem glatten politischen Parkett, hatte der Manager - flankiert vom Branchenverband GDV - "ein Zeichen im Sinne der Transparenz" gesetzt.

Sein Ziel: Auf diese Weise den Kritikern der Branche, insbesondere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, den Wind aus den Segeln nehmen. Gelungen ist es nur teilweise. Denn richtig durchsichtig wird die Allianz noch nicht, monieren die ersten Kritiker.

Allianz-Manager Zimmerer sieht das naturgemäß anders. In der Vergangenheit sei verschiedentlich gerade gefordert worden, dass die Branche mit einer neuen Kennzahl, der so genannten Renditeminderung oder auf englisch "Reduction in Yield", die Kostentransparenz erhöhen könne. "Ich würde mich freuen, wenn auch Sie diese Aktivitäten positiv begleiten würden, denn je mehr sich diese Kennzahl im Wettbewerb durchsetzt, desto schneller wird sich die Kostentransparenz erhöhen", schrieb Zimmerer weiter.

Das Problem des Allianz-Managers, der gleichzeitig auch Branchensprecher der Sparte ist: Viele der rund 100 deutschen Lebensversicherer wollen eigentlich nicht transparenter werden, vor allem nicht schnell. Die Vermittler der Branche machen mit der Unwissenheit der Kunden gute Geschäfte, und die Unternehmen haben mit der Vorbereitung auf das neue EU-Regelwerk Solvency II ohnehin alle Hände voll zu tun.

Kommentare (2)

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Mickey Mouse

24.01.2011, 11:41 Uhr

Wenn eine Versicherung versucht den Eindruck von Transparenz zu vermitteln, wittere ich dabei höchstens etwas Schlechtes.
bisher konnten alle Versicherer, wie der Autor schon schreibt, mit der Unwissenheit der Kunden glänzende Geschäfte machen.
Hat ein Kunde z.b. vor 25 Jahren Allianzaktien gekauft haben die sich deutlich besser verzinst als eine Lebensversicherung bei der Allianz.
Die beobachtung trifft auf beinnahe alle Versicherer zu.
Also ist es doch viel interessanter in den Versicherer direkt als in seine Produkte zu investieren.
Ein Kunde der Einblicke ins Geschäftsgebahren der Gesellschaft bekommt? ich glaube kaum, das das den Versicheren ein ernsthaftes Anliegen ist.

Sven Pohl

24.01.2011, 11:42 Uhr

Hätte mich auch gewundert? Die Transparenzinitiative der Allianz als Marketing-Schlagzeile - da freut sich der Vertrieb.
Also weiter nur wolkige und garantiert unverbindliche Prognosen. Das Kerngeschäft der Kapitallebensversicherer war bislang immer die intransparenz. Daher glaubte ich auch nicht an die neue Offenheit und hielt sie zweitens auch für überflüssig, da ich mir heute schon die nötige Transparenz mit entsprechender Analyse-Software wie KLV-Check selbst verschaffen kann. Mauscheln - nicht mit mir!

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