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01.02.2005

07:55 Uhr

MetLife zahlt 11,5 Milliarden Dollar für Travelers

Citigroup verkauft Versicherungstochter

Das US-Fusionskarussell dreht sich immer schneller. Citigroup, der größte Finanzkonzern der Welt, verkauft seine Lebensversicherung Travelers Life & Annuity und fast sein gesamtes internationales Versicherungsgeschäft an den US-Assekuranzriesen MetLife für rund 11,5 Mrd. Dollar. Das teilten beide Unternehmen gestern mit.

je PORTLAND. Mit der Transaktion, die im Sommer abgeschlossen sein soll, macht Citigroup nach eigenen Angaben einen Buchgewinn von rund zwei Mrd. Dollar. Die US-Bank will den Erlös aus dem Verkauf auch in Zukäufe investieren. Im Rahmen der Übernahme unterzeichneten beide Finanzdienstleister ein Abkommen für die nächsten zehn Jahre, nach dem MetLife Versicherungsprodukte über die Citigroup-Töchter Citibank, Smith Barney und Primerica in den USA und im Ausland anbieten wird.

Die Transaktion gibt nicht nur der Konsolidierung im Lebensversicherungsgeschäft neuen Schub, sondern sie markiert auch das Ende des allumfassenden Finanzkonglomerats. Als Citicorp 1998 mit Travelers fusionierte, glaubten viele Beobachter, dass die Zukunft der Sach- und Lebensversicherer unter dem Dach großer Geldhäuser liegen würde. Nachdem das in den USA seit Jahrzehnten geltende gesetzliche Verbot der Vermischung von Geld-, Wertpapier- und Versicherungsgeschäften aufgehoben worden war, sollte die Zukunft den Finanzsupermärkten gehören, die One-Stop-Shopping für Kredite, Aktien und Versicherungspolicen bieten würden.

Tatsächlich erwies es sich für die Versicherer als lukrativer, einen immer größeren Kundenkreis mit einer kaum wachsenden Verwaltungs- und Verkaufsorganisation zu bedienen. Statt der Verschmelzung mit anderen Finanzbranchen ist heute die Konsolidierung zu größeren Einheiten angesagt. Citigroup selbst erkannte diesen Trend frühzeitig und trennte sich bereits im August 2002 von ihrer Sachversicherungs-Tochter Travelers Property Casualty. Das entflochtene Unternehmen fusionierte im vergangenen Jahr mit St. Paul Cos. zu St. Paul Travelers Cos. Im Lebensversicherungsgeschäft stand Citigroup nunmehr vor der Alternative, durch Übernahme eines Konkurrenten zu wachsen oder den Bereich gewinnbringend zu verkaufen.

Der neue Citi-Chef Charles Prince, der dem Imperienbauer Sanford Weill nachfolgte, machte in den vergangenen Monaten wiederholt deutlich, dass er den Konzern auf Kerngeschäfte reduzieren will. Im vergangenen November verkaufte er bereits die LKW-Leasingtochter an General Electric für 4,4 Mrd. Dollar. Fünf Monate vorher hatte er das europäische Factoring and die CIT Group abgestoßen.

Travelers Life & Annuity trug im Jahr 2003 netto 751 Mill. Dollar zum Konzernergebnis bei; die Prämieneinnahmen betrugen 3,7 Mrd. Dollar. Der Versicherer bietet sowohl individuelle Policen sowie Gruppenversicherungen für Firmen an. MetLife, die auf eine 135-jährige Geschichte blickt, hat eine Marktkapitalisierung von rund 30 Mrd. Dollar. Im Jahr 2003 erwirtschaftete sie mit 35 Mrd. Dollar Umsatz einen Reingewinn von 2,2 Mrd. Dollar. Nach einer langen Geschichte als Versicherer auf Gegenseitigkeit wandelte sich das Unternehmen erst im April 2000 in eine Aktiengesellschaft um. MetLife ist in allen Versicherungsbereichen aktiv; in den Vereinigten Staaten gehören 13 Mill. Haushalte zu ihren Kunden. Darüber hinaus bedient der Konzern etwa acht Millionen Kunden in zehn verschiedenen Ländern.

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