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11.10.2013

16:39 Uhr

Milliarden-Rückstellungen

JP Morgan rutscht in die roten Zahlen

Der „Wal von London“ lässt grüßen: Die erfolgsverwöhnte US-Großbank JP Morgan verbucht im dritten Quartal ein Minus. Die Milliarden-Rückstellungen rund um den Händler-Skandal schlagen auf das Ergebnis durch.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Die Bank fuhr den ersten Quartalsverlust in seiner Ägide ein. Reuters

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Die Bank fuhr den ersten Quartalsverlust in seiner Ägide ein.

New YorkDie US-Großbank JP Morgan schreibt zum ersten Mal seit knapp zehn Jahren in einem Quartal Verluste. Grund sind Kosten von 9,2 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten. Umstrittene Wertpapier-Geschäfte holen das erfolgsverwöhnte Institut fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise ein. „Ich wünschte, wir könnten die Unsicherheit für Investoren verringern, aber das können wir nicht“, sagte Bankchef Jamie Dimon, der seit dem Handelsskandal um den sogenannten „Wal von London“ unter Druck steht. Der Top-Banker sprach von schmerzhaften Sonderlasten, mit denen die größte US-Bank nun aber eine Fülle von Klagen und Vorwürfen aus der Welt schaffen könnte.

JP Morgan wies am Freitag für das abgelaufene Vierteljahr einen Nettoverlust von 380 Millionen Dollar aus. Im Jahr zuvor hatte die Bank noch mit einem Gewinn von 5,71 Milliarden Dollar geglänzt. Ohnehin ist das Institut eines der finanzstärksten der Welt und konnte in der Vergangenheit Sonderlasten immer wieder mit satten Gewinnen im Kerngeschäft - etwa im Investmentbanking - mehr als ausgleichen. Es ist der erste Quartalsverlust seit dem Frühjahr 2004. Unter der Ägide von Dimon hat es die Bank in der gesamten Finanzkrise geschafft, ohne rote Zahlen durch den Sturm zu kommen.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

JP Morgan führte zuletzt Vergleichsgespräche mit dem Justizministerium, dem Bauministerium, der US-Börsenaufsicht sowie der New Yorker Staatsanwaltschaft. Dabei war Insidern zufolge von elf Milliarden Dollar die Rede, um die Rechtsstreitigkeiten auf einen Schlag auszuräumen. Unter anderem im Zuge der Haushaltskrise, wegen der viele US-Behörden geschlossen sind oder nur im Notbetrieb arbeiten, komme es nun aber zu Verzögerungen, erklärte Dimon.

Der Bank werden Gesetzesverstöße beim Verkauf von Wertpapieren und Immobilienkrediten im Zeitraum 2005 bis 2007 zur Last gelegt. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt wurden die meisten mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos und brockten ihren Besitzern hohe Verluste ein. Viele Investoren kamen in Schwierigkeiten und dringen jetzt auf Schadenersatz.

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