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21.10.2013

08:19 Uhr

Milliardeneinigung mit Behörden

„Jamie Dimon bleibt der Iron Man der Wall Street“

Die US-Großbank JP Morgan steht davor, eine Strafe in Höhe von 13 Milliarden Dollar zu zahlen, um eine Reihe von Verfahren im Heimatmarkt beizulegen. Vorstandschef Jamie Dimon wird dennoch viel gelobt.

Deal mit dem Staat

JP Morgan will 13 Milliarden Dollar zahlen

Deal mit dem Staat: JP Morgan will 13 Milliarden Dollar zahlen

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New YorkEs ist eine gigantische Summe: 13 Milliarden Dollar wird die von Jamie Dimon geführte Bank JP Morgan Chase zahlen, um allein zivilrechtliche Verfahren wegen umstrittener Vertriebspraktiken für Immobilienpapiere beizulegen. Die bevorstehende Einigung mit US-Behörden spricht das Unternehmen dabei nicht von strafrechtlicher Haftung frei.

Das Vertrauen einiger Investoren in JP-Morgan-Chef Dimon ist dennoch nicht zerrüttet. US-Milliardär Ken Langone, Gründer der Baumarktkette Home Depot, sieht die Einigung sogar als Kaufgelegenheit für die JP-Morgan-Aktie.

JP Morgan hatte im Jahr 2008 die Investmentbank Bear Stearns und die Finanzgruppe Washington Mutual gekauft. Die jetzt beigelegten Verfahren beziehen sich vor allem auf die Praktiken dieser beiden Firmen, die bei der Vergabe von Immobilienkrediten und deren Vermarktung in Form gebündelter Wertpapiere Kunden nicht angemessen informiert und über Risiken aufgeklärt haben.

„Der größte Teil des Fehlverhaltens ist vor Jamie passiert oder hat etwas mit den beiden Firmen zu tun“, sagt Langone. „Ich fühle mich sehr, sehr wohl als JP-Morgan-Investor.“ Dimon hatte die Einigung in einem Telefonat mit US-Staatsanwalt Eric Holder am Freitagabend (Ortszeit) in einem Telefongespräch erzielt. Die Bank hat in diesem Jahr bereits 23 Milliarden Dollar an Rückstellungen für juristische Streitigkeiten gebildet – auch wegen des jetzt beigelegten Streits.

Die größten außergerichtlichen Einigungen in den USA

246 Milliarden Dollar

Im Jahr 1998 einigten sich die größten US-Tabakunternehmen mit 50 Bundesstaaten über die Kosten der Behandlung von erkrankten Rauchern. Sie willigten ein, insgesamt 246 Milliarden Dollar zu zahlen, ihr Marketing zu beschränken und weniger stark um jugendliche Raucher zu buhlen.

67 Milliarden Dollar

Die Schweizer Großbank UBS und das US-Institut Citigroup willigten ein, spezielle Wertpapiere („Auction Rated Securities“) im Wert von 50 Milliarden Dollar von Investoren zurückzukaufen. Laut US-Börsenaufsicht brachte das Investoren letztlich 67 Milliarden Dollar ein. Wie hoch die Kosten letztlich für die Banken waren, ist nicht bekannt.

25 Milliarden Dollar

Im Februar 2012 einigte sich eine Reihe US-Banken – JP Morgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Ally Financial – mit Strafverfolgungsbehörden, gegenüber Immobilienkreditnehmern 25 Milliarden Dollar an Zahlungen und Forderungsverzichten zu leisten. Es ging um den Vorwurf, bei vielen Tausend Zwangsversteigerungen nicht korrekt vorgegangen zu sein.

13 Milliarden Dollar

Die US-Großbank JP Morgan hat im November 2013 eine Einigung mit US-Behörden erzielt, eine Reihe von Streitigkeiten rund um die Immobilien- und Finanzkrise durch Zahlungen und Forderungsverzichte in Höhe von 13 Milliarden Dollar beizulegen.

4,53 Milliarden Dollar

Ebenfalls im Jahr 2012 einige sich der britische Ölkonzern BP mit US-Behörden in einem Verfahren. Es ging um die Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko im April 2010. Der Konzern stimmte der Zahlung von 4,53 Milliarden Dollar zu wegen der Ölkatastrophe, die ausgelöst worden war. Darüber hinaus legte BP aber einen Entschädigungsfonds mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar auf und verbuchte insgesamt mehr als 42 Milliarden Dollar an Rückstellungen wegen des Vorfalls.

3 Milliarden Dollar

Der Pharmakonzern Glaxo Smith Kline legte ein Verfahren durch die Zahlung von drei Milliarden Dollar bei, um zivil- und strafrechtliche Vorwürfe auszuräumen, verschreibungspflichtige Medikamente auf unzulässige Weise angepriesen zu haben. Bei dem im Juli 2012 erzielten Vergleich handelte es sich um die höchste Summe in einem Fall der Gesundheits- und Pharmabranche.

2,3 Milliarden Dollar

Der Pharmakonzern Pfizer zahlte 2,3 Milliarden Dollar im Jahr 2009 wegen des Vorwurfs, ein Medikament beworben zu haben, das aus Sicherheitsgründen von der Gesundheitsaufsicht nicht zugelassen worden war.

1,9 Milliarden Dollar

Wegen des Vorwurfs, Drogenkartelle bei der Geldwäsche unterstützt zu haben, willigte die britisch-asiatische Großbank HSBC in den USA ein, 1,9 Milliarden Dollar an die US-Behörden zu zahlen.

1,2 Milliarden Dollar

Wegen Vorwürfen, den bedeuten Zinsatz Libor manipuliert zu haben, einigte sich die Schweizer Großbank UBS im Jahr 2013 mit US-Behörden auf eine Zahlung in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar. Darüber hinaus zahlte die Bank mehr als 300 Millionen Dollar für Einigungen in derselben Sache mit den Aufsichtsbehörden in Großbritannien und der Schweiz.

„Es steht außer Frage, dass Jamie Dimon und JP Morgan die juristischen Risiken im Zusammenhang mit den beiden Käufen unterschätzt haben“, so Mike Mayo, Bankanalyst bei CLSA. „Dimon hat die Übernahme von Bear Stearns vermasselt.“ Dennoch dürften ihm die Aktionäre nicht die Unterstützung entziehen. Im Jahr 2012 erzielte die Bank einen Gewinn von 21,3 Milliarden Dollar, seit Ende 2008 kletterte die Aktie um 72 Prozent und damit stärker als die vieler anderer Banken. „Jamie Dimon wird der Iron Man der Wall Street bleiben“, so Mayo.

Die Einigung mit den US-Behörden ist die mit Abstand höchste direkte Zahlung, der eine Bank zugestimmt hat. Über das Verhandlungsergebnis berichteten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach sollen vier Milliarden Dollar in Form von Erleichterungen für Darlehensnehmer gewährt werden und neun Milliarden als Strafe und andere Zahlungen. Vier Milliarden gehen davon an die US-Immobilienbehörde FHFA wegen des Verkaufs von Immobilienwertpapieren an die staatlichen Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

Im zurückliegenden Quartal hatte JP Morgan bereits eine Rückstellung in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar gebildet und dadurch einen Quartalsverlust von 380 Millionen Dollar verbucht. Ein Mitglied des JP-Morgans-Verwaltungsrats, Laban P. Jackson, sagte zwei Tage später über Dimon: „Er ist der beste Manager, den ich jemals gesehen habe – und ich bin alt.“

Kommentare (2)

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The_bravest_heart

21.10.2013, 09:25 Uhr

Mal wieder ein Praktikant am Werk:

"US-Staatsanwalt Eric Holder"

Der Attorney General ist der Justizminister der USA (wird ja auch gerne mit "Generalstaatsanwalt" übersetzt.

Beim Außenminister der USA ("Secretary of State", was KEIN Staatssekretär ist) wird in den sogenannten Qualitätsmedien ebenso gerne gepatzt.

Das geht besser!

Account gelöscht!

21.10.2013, 10:44 Uhr

Wohl knapp 1 Jahr umsonst gearbeitet. Shit happens, Jamie. Mund abputzen, und weitermachen.

Wo gehobelt wird fallen eben Späne. Collateralschäden gibt es überall. Die gehören zum Business. So einfach ist das. Punkt aus !

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