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15.07.2015

12:26 Uhr

Milliardengewinn 2014

Genossenschaftsbanken schlagen Deutsche Bank

VonElisabeth Atzler

Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat 2014 mehr als zehn Milliarden Euro verdient. Damit schlägt sie die größte deutsche Privatbank um Längen. Eine einheitliche europäische Einlagensicherung lehnt sie entschieden ab.

Das Spitzeninstitut der Volksbanken warnte im Mai vor massivem Filialsterben. Reuters

DZ Bank

Das Spitzeninstitut der Volksbanken warnte im Mai vor massivem Filialsterben.

FrankfurtEigentlich entscheidet jede Volksbank für sich selbst. Doch einmal im Jahr tut die genossenschaftliche Finanzgruppe so, als sei sie ein Konzern – und kalkuliert das Ergebnis für alle 1.047 Genossenschaftsbanken, für die Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank, für die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die R+V Versicherung und Fondsgesellschaft Union Investment.

Der Gewinn lässt sich sehen: 10,7 Milliarden Euro hat die Gruppe 2014 insgesamt vor Steuern verdient. Man blicke auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück, sagte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).
Damit schlagen die Genossen das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank, um Längen. Die Deutsche Bank verdiente im vergangenen Jahr gut 3,1 Milliarden Euro vor Steuern. Allerdings sei man sich bewusst, dass der Jahresüberschuss in einer Größenordnung liege, die in naher Zukunft kaum zu wiederholen sei, sagte BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin. Er verwies auf mehr Regulierung für die Banken und das gesamtwirtschaftliche Umfeld.
Den Grund für eine wachsende Unsicherheit sieht der BVR in den Problemen in Griechenland. Fröhlich stützte die Position der Bundesregierung in den Verhandlungen um ein weiteres Hilfspaket für das hoch verschuldete Land. Es sei richtig, dass die Bundesregierung „als vertrauensbildende Maßnahme auf legislative Vorleistungen Griechenlands und die Einrichtung des Privatisierungsfonds bestanden“ habe.

Er forderte die Politik auf, Lehren für die Zukunft des Euro-Raums zu ziehen. „Wenn sich Probleme so aufschaukeln wie im Fall Griechenlands, kommen bei den Rettungspaketen schnell astronomische Summen zusammen.“ Bei größeren Mitgliedsstaaten sei kaum vorstellbar, wie diese Summen gestemmt werden sollten. „Die europäische Solidarität wird spätestens dann an ihre Grenzen kommen.“

Dabei lehnen die Genossenschaftsbanken auch eine einheitliche europäische Einlagensicherung ab. Als Vertreter der regionalen Genossenschaftsbanken werde man „ein System der zwangsweisen Umverteilung von Mitteln der Einlagensicherungssystem in der Eurozone niemals gutheißen“, so BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann. Die Einlagensicherungssysteme dürften aber nicht für eine verfehlte Wirtschafts- und Steuerpolitik oder eine unzureichende Verwaltung anderer Länder haftbar gemacht werden, sagte Hofmann mit Blick auf Griechenland. „Das wäre ein Vermögenstransfer. Mit uns nicht“, stellte Fröhlich fest.

Filialsterben (ausgewählte Bank-Gruppen)

Sparkassen

Zahl der Filialen (Ende 2010): 13.025

Zahl der Filialen (Ende 2013): 12.323

Veränderung 2013 vs. 2010: -5,3 Prozent

Quelle: Bundesbank

Volksbanken/Raiffeisenbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 11.830

Zahl der Filialen (Ende 2013): 11.335

Veränderung 2013 vs. 2010: -4,2 Prozent

Großbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 8.132

Zahl der Filialen (Ende 2013): 7.610

Veränderung 2013 vs. 2010: -6,4 Prozent

Regional- und Kreditbanken

Zahl der Filialen (Ende 2010): 2.604

Zahl der Filialen (Ende 2013): 2.424

Veränderung 2013 vs. 2010: -6,9 Prozent

Derzeit wird in der EU erneut über einen paneuropäischen Einlagensicherungsfonds nachgedacht. Noch hat die EU-Kommission zwar offengelassen, ob und wann sie einen Gesetzentwurf für einen gemeinsamen EU-Einlagensicherungsfonds vorlegt. Aber im Juni war die Absicht im sogenannten Fünf-Präsidenten-Bericht zur Fortentwicklung der Währungsunion gelandet.

Verfasst wurde er unter Junckers Federführung unter anderem von Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Sie fordern ein europäisches Einlagensicherungssystem als „dritten Pfeiler einer vollendeten Bankenunion“. Der erste und zweite Pfeiler sind einheitliche Bankenaufsicht und -abwicklung. Ein gemeinsames System würde die Euro-Zone dem Bericht zufolge „widerstandsfähiger gegen künftige Krisen“ machen.

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