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08.03.2017

16:50 Uhr

Milliardengewinn für 2016

Sparkassen stemmen sich gegen Minizinsen

Während viele Privatbanken Einbußen melden, liefern die Sparkassen gute Zahlen: Der Überschuss der rund 400 Institute beträgt zwei Milliarden Euro. Kunden müssen sich auf höhere Gebühren und weniger Filialen einstellen.

Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben ein gutes Jahr hinter sich. dpa

Deutsche Sparkassen

Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben ein gutes Jahr hinter sich.

FrankfurtDeutschlands Sparkassen haben trotz der Belastungen aus dem Zinstief 2016 ihren Überschuss stabil bei 2,0 Milliarden Euro gehalten. Der Vorsteuergewinn lag mit 4,8 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert. Im Vorjahr hatten die Sparkassen noch 4,9 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern erzielt, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Mittwoch in Frankfurt bilanzierte.

Und das, obwohl die Niedrigzinsen, so Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon, „zum ersten Mal deutlich sichtbar“ waren. In der Tat sank der für die Sparkassen entscheidende Zinsüberschuss um rund 800 Millionen Euro auf 22,2 Milliarden Euro – das sind drei Viertel der Erträge. Die Sparkassen verdienen vor allem, indem sie Kredite vergeben und Eigenmittel möglichst sicher anlegen. Fahrenschon geht auch für die Zukunft von „stark negativen Einschlägen beim Zinsergebnis“ aus.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Besonders teuer kommt die Sparkassen der Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) zu stehen. Die EZB verlangt 0,4 Prozent, wenn Geschäftsbanken bei ihr über Nacht überschüssige Liquidität unterbringen. Sie will so die Kreditvergabe in der Euro-Zone ankurbeln. Die Sparkassen hat das im vergangenen Jahr 560 Millionen Euro gekostet – allein mit Blick auf die Mittel auf Girokonten und beim Tagesgeld, also der täglich fälligen Gelder.

An Firmenkunden und Kommunen mit hohen Einlagen reichen die Sparkassen den Negativzins von 0,4 Prozent bereits weiter – wie auch viele private und genossenschaftliche Banken. Von Minuszinsen für privat Kunden aber wollen sie absehen. „Negativzinsen für Sparer sehen wir weiterhin nicht“, sagte Fahrenschon, der eine neue Amtszeit ab Frühjahr 2018 anstrebt und auf eine Wiederwahl hofft. Die Sparkassen würden sich mit „ganzer Kraft“ dagegen stemmen, auch zu Lasten der eigenen Ertragslage.

Zugleich versuchen die Sparkassen, sich gegen die Folgen der Niedrigzinsen zu wappnen. Zum einen versuchen sie, mehr Geschäft zu machen – was ihnen im vergangenen Jahr bei Krediten an Unternehmen auch gelungen ist. Der Bestand an Firmenkrediten stieg, während sie an private Kunden etwas weniger neue Kredite vergaben. Zum anderen setzen die öffentlich-rechtlichen Häuser zusehends auf Einsparungen. Die Kosten würden vor allem da steigen, wo die Sparkassen sie nicht beeinflussen könnten, so Fahrenschon. Das gilt etwa für die stärkere Regulierung. Daher stünden „alle anderen Sachkostenbereiche umso stärker unter Sparzwang“, sagte Fahrenschon.

Kommentare (23)

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Herr Chris B.

08.03.2017, 13:02 Uhr

Kann mal bitte jemand diesen Herr Löwensteiner sperren!? Meine Güte! Ich bin Kundenberater bei einer Sparkasse: Mein Vorschlag von gestern: wir Filialbanken machen alle dicht! Liebe Sparkassen und Volksbanken: Schließt eure Filialen. Soll Herr Löwensteiner sich sein Geld selbst drucken! Uns braucht doch eh niemand und Abzocker sind wir doch auch alle! Ich kanns nicht mehr hören!!!!
Herr Löwensteiner, wir stellen Sie dann als mobilen Berater ein. Sie dürfen den älteren Kunden dann als Kurier das Geld nach Hause bringen. Wie diese Leute Ihre Geldversorgen bewerkstelligen scheint Ihnen wohl komplett egal zu sein!

Herr Chris B.

08.03.2017, 13:14 Uhr

Und noch eins: Ich bin Angstellter im öffentlichen Dienst und werde nach TvöD bezahlt, verdiene also keine Unsummen. Unserer Vorstände auch nicht! Sie sagen, dass die "kleinen Leute" abgezockt werden. Genau für diese Kunden sind wir mit unseren Filialen vor Ort! Wer bezahlt das? Natürlich wird das über Gebühren und Margen gedeckt. Was wollen Sie nun eigentlich? Sollen wir nun für die kleinen Leute da sein oder nicht? Vielleicht sollte man auch nicht alle Banken pauschalisieren.

Herr Hans-Jörg Griesinger

08.03.2017, 13:14 Uhr

@ Cris B.
Belasten Sie mit Gebühren die Reichen und Vermögenden mit hohen Geldeinkünften und hohen Sparquoten, aber lassen Sie die kleinen Leute damit zufrieden!

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