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09.10.2014

10:38 Uhr

Milliardenkosten

US-Strafen ziehen Banken in den Keller

Die Behörden machen im Jahr 2014 ernst und fordern von Banken bei Vergehen wie Beihilfe zur Steuerhinterziehung satte Strafen. Den Instituten geht es also an den Kragen – was sich auch in ihren Bilanzen niederschlägt.

Sie trifft die Strafe für Vergehen aus den Jahren 2005 bis 2007 empfindlich: Die Bank of America muss für zweifelhafte Geschäfte mit Hypothekenkrediten bluten. dapd

Sie trifft die Strafe für Vergehen aus den Jahren 2005 bis 2007 empfindlich: Die Bank of America muss für zweifelhafte Geschäfte mit Hypothekenkrediten bluten.

FrankfurtStrafzahlungen drücken die Gewinne der Banken in Europa und den USA empfindlich. Insgesamt knapp 19 Milliarden Euro Strafen brummten die Behörden nach einer EY-Analyse den jeweils zehn nach Bilanzsumme größten Banken auf beiden Seiten des Atlantiks im ersten Halbjahr 2014 auf. Dabei ging es um Verstöße gegen Börsenregularien oder staatliche Wirtschaftssanktionen, um Goldpreismanipulationen oder umstrittene Hypothekengeschäfte.

„Insbesondere die US-Behörden legen zurzeit eine härtere Gangart ein und verhängen zum Teil drakonische Strafen“, erklärte der Bankenexperte des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young), Dirk Müller-Tronnier, am Donnerstag in einer Mitteilung.

So musste die Bank of America wegen strittiger Hypothekengeschäfte aus den Jahren 2005 bis 2007 umgerechnet 6,9 Milliarden Euro zahlen. Der BNP Paribas brummten US-Behörden Geldstrafen über umgerechnet fast 6,6 Milliarden Euro auf, weil die französische Großbank nach ihrer Einschätzung bei Geschäften mit dem Iran, Kuba und dem Sudan amerikanische Handelssanktionen verletzt hatte.

Welche Finanzfirmen für US-Sanktionsverstöße büßen mussten

Verstoß kann teuer werden

Vor BNP Paribas hat die US-Justiz schon eine ganze Reihe an Finanzkonzernen wegen Verstößen gegen Sanktionen gegen Staaten wie den Iran zur Kasse gebeten. Eine Übersicht.

Deutsche Börse (November 2013)

Die Deutsche Börse zahlt 152 Millionen Dollar, weil ihre Tochter Clearstream bei Wertpapierübertragungen eingefrorenes Geld illegalerweise in den Iran überwiesen haben soll.

Standard Chartered (2012)

Mehrere US-Behörden verdonnern die britische Bank Standard Chartered im Jahresverlauf zur Zahlung von insgesamt 667 Millionen Dollar wegen unerlaubter Geschäfte mit dem Iran.

ING (Juni 2012)

Der niederländische Finanzkonzern ING zahlt 619 Millionen Dollar wegen Geschäften mit Iran und Kuba.

RBS (Mai 2010)

Die Royal Bank of Scotland zahlt 500 Millionen Dollar für Geschäfte der übernommenen niederländischen ABN Amro mit dem Iran, Libyen, dem Sudan, Kuba und anderen sanktionierten Staaten.

Credit Suisse (Dezember 2009)

Die Schweizer Credit Suisse büßt mit 536 Millionen Dollar für Geschäfte mit dem Iran und anderen Staaten.

Lloyds (Januar 2009)

Die britische Bank Lloyds zahlt 350 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen Iran- und Sudan-Sanktionen.

Zudem machte den Banken in den ersten sechs Monaten des Jahres das extrem niedrige Zinsniveau zu schaffen. Die Nettogewinne der zehn größten europäischen Banken sanken nach der EY-Analyse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf insgesamt 14,7 Milliarden Euro. Die US-Konkurrenz musste Gewinneinbußen von insgesamt 32 Prozent hinnehmen, dennoch verdienten die zehn größten US-Banken zusammen mit umgerechnet 40,2 Milliarden Euro deutlich mehr.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Frau Ellis Müller

09.10.2014, 17:28 Uhr

Ein Vorgeschmack auf das Freihandelsabkommen: das neue "Geschäftsmodell" der USA. Klagen und verurteilen zur Zahlung exhorbitanter Summen. Damit kann die USA ganze Länder in den Ruin treiben. Auch Europa, auch Deutschland.

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