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30.05.2014

15:39 Uhr

Milliardenstrafe gegen BNP Paribas

Europas Angst vor den US-Behörden

VonThomas Hanke

Die US-Regierung hat Banken den Kampf angesagt, die gegen Sanktionen verstoßen haben. Die französische BNP Paribas muss mit einer drakonischen Strafe rechnen – und könnte weitere Probleme bekommen.

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BNP Paribas droht Rekordstrafe

Handelsblatt in 99 Sekunden: BNP Paribas droht Rekordstrafe

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ParisUnter Europas Banken wächst die Furcht vor der US-Regierung, die derzeit mit aller Härte gegen Institute vorgeht, die gegen Geldwäschevorschriften und US-Sanktionen verstoßen haben. Jüngstes Ziel des US-Justizministeriums ist die französische Großbank BNP Paribas, die laut Medienberichten eine drakonische Strafe von zehn Milliarden Dollar zu erwarten hat. Die Aktie ging nach Bekanntwerden zeitweilig um sechs Prozent in die Knie.

Während die Bank selber nach wie vor nicht zu der Angelegenheit Stellung nimmt, kommen Ratingagenturen, Analysten und Berater langsam aus der Reserve. Die amerikanische Agentur Moody’s schrieb, der Rechtsstreit beeinträchtige nicht das Rating von BNP. Doch könne die Bank einen Vertrauensverlust bei den Kunden erleiden, bestimmte Geschäftsbeziehungen verlieren und sogar Finanzierungsprobleme in den USA bekommen, wenn sie wie von den US-Behörden verlangt in einem Strafverfahren auf „schuldig“ plädiere. Vor allem institutionelle Investoren könnten aufgrund ihrer internen Regularien gezwungen sein, dann die Beziehungen zu BNP abzubrechen.

Frankreichs Zentralbankgouverneur Christian Noyer hatte vor einigen Tagen hervorgehoben, dass weder nach europäischem noch nach UN-Recht von einem Delikt die Rede sein könne. In Bankenkreisen in Paris heißt es, es sei „Zeit für eine europäische Antwort“, da es bei weitem nicht allein um BNP Paribas gehe, sondern auch andere europäische Institute ins Visier der Amerikaner gerieten.

Die höchsten Strafen wegen Geldwäsche

Platz 10

Clearstream Banking - 152 Millionen Dollar (2014)

Platz 9

Bank of Tokyo-Mitsubishi - 259 Millionen Dollar (2012/2013)

Platz 8

Barclays - 298 Millionen Dollar (2010)

Platz 7

Lloyds - 350 Millionen Dollar (2009)

Platz 6

ABN Amro - 500 Millionen Dollar (2010)

Platz 5

Credit Suisse - 536 Millionen Dollar (2009)

Platz 4

ING Bank - 619 Millionen Dollar (2012)

Platz 3

Standard Chartered - 667 Millionen Dollar (2012)

Platz 2

HSBC - 1,92 Milliarden Dollar (2012)

Platz 1

BNP Paribas - 8,83 Milliarden Dollar (2014)

„Selbst wenn BNP nur zeitweilig die Lizenz für den Handel mit US-Dollar verlieren würde, hätte das enorme Konsequenzen“, sagte Eric Delannoy von der auf Banken und Versicherungen spezialisierten Strategieberatung Weave in Paris dem Handelsblatt. „Zwei Drittel der internationalen Finanzierungen laufen in Dollar, wenn BNP davon auch nur vorübergehend abgeschnitten wäre, würde aus einer globalen eine lokale Bank“.

Kommentare (6)

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30.05.2014, 16:24 Uhr

Die Iran Sanktionen sind m.M. noch in Kraft und der Iran hat sich auch noch nicht vom Atomprogramm verabschiedet. Bis die Sanktionen endgültig weg sind, dürfte das noch dauern. Die Franzosen sind einfach vor den Anpfiff losgestürmt. Bei der Gurke Hollande aber kein Wunder. Die Amis fanden das weniger lustig.

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30.05.2014, 16:27 Uhr

Und aus lauter Angst vor den US Behoerden fuehren unsere Politiker das "geheime Freihandelsabkommen" mitden USA ein, damit das Abkassieren zu US-Gunsten schneller und rationeller erfolgen kann. Schoene Zeiten,die da auf uns zukommen.

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30.05.2014, 16:59 Uhr

Es scheint us-amerikanische Politik zu werden, lästige Konkurrenten mit Hilfe von Justizangriffen zu schwächen. Es werden immer höhere Strafen verlangt, immer mit der Drohung verbunden, erhebliche Sanktionen zu verhängen. Dabei ignorieren die US-Behörden gleichzeitig internationale Gerichte oder Schiedsgerichte. Der Grund dafür dürfte klar sein, die Aussichten zu gewinnen wären gering. Somit erklärt sich das Verhalten nur mit einem Wirtschaftskrieg, den die USA gegen ihre Konkurrenten führt. Warum soll Europa solches Verhalten durch ein Freihandelsabkommen belohnen. Die Verlierer sind in jedem Fall die Europäer, da sich die USA nur an ihren eigenen Interessen orientieren und internationales Recht ignorieren. Die NAS lässt grüßen.

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