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19.12.2012

13:10 Uhr

Milliardenstrafe im Libor-Skandal

UBS zahlte sogar Schmiergelder

Die Schweizer UBS muss für ihre Rolle im Libor-Skandal mit der zweithöchsten Geldstrafe der Banken-Geschichte büßen. Die Ermittlungsergebnisse zeichnen ein geradezu erschütterndes Bild vom Kontrollsystem des Instituts.

UBS-Chef Sergio Ermotti. dapd

UBS-Chef Sergio Ermotti.

ZürichDie Verstrickung in den Libor-Skandal kommt die UBS teuer zu stehen. Die größte Schweizer Bank muss mit insgesamt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) die zweithöchste Geldstrafe berappen, zu der eine Bank jemals verdonnert wurde. Dutzende von Händlern und Mitarbeitern der Bank waren nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden in die Manipulationen des Referenzzinses verwickelt. Sogar Schmiergeld wurde gezahlt, wie es im am Mittwoch veröffentlichten Untersuchungsbericht der britischen Aufsichtsbehörde FSA hieß. UBS habe in "schwerer Weise gegen Schweizerische Finanzmarktgesetze verstoßen", urteilte die Schweizer Bankenaufsicht FINMA, die die Libor-Aktivitäten der Bank von 2006 bis 2010 untersuchte. Das Kontrollsystem der Bank habe erhebliche Mängel aufgewiesen.

"Ein Kapitel, das sicher nicht positiv ist," sagte Konzernchef Sergio Ermotti, der die Bank seit Herbst des vergangenen Jahres führt. "Wir bedauern dieses unangemessene und unethische Verhalten zutiefst", erklärte er und verkündete zugleich disziplinarische Maßnahmen: 30 bis 40 Mitarbeiter haben oder sollen die Bank verlassen. Ihnen sei bei internen Untersuchungen Fehlverhalten nachgewiesen worden, das „weder den Werten von UBS noch den hohen ethischen Standards“ entspreche. Er wolle durchsetzen, dass solche Fälle nicht mehr vorkommen, sagte Ermotti.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

UBS habe von sich aus bei den Behörden Meldung erstattet, nachdem sie das Fehlverhalten festgestellt habe. „Das Unternehmen hat den Aufsichtsbehörden vollumfängliche und dauerhafte Kooperation angeboten und die bestehenden internen Abklärungen zu einer umfassenden Untersuchung ausgeweitet.“ Es ist der zweite große Skandal für die Bank, nachdem der inzwischen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilte frühere UBS-Händler Kweku Adoboli vor mehr als einem Jahr gut 2,3 Milliarden Dollar in den Sand setzte. Auch in diesem Fall machte die Bankenaufsicht schwere Mängel der bankinternen Kontrolle aus.

Die Behörden fassten UBS erheblich härter an als die britische Großbank Barclays Bank, die ebenfalls wegen des Libor-Skandals rund 290 Millionen Pfund (357 Millionen Euro) Buße an Finanzbehörden mehrerer Länder auf den Tisch legen musste. Barclays-Chef Bob Diamond musste den Hut nehmen. Mehr als die Schweizer zahlte kürzlich lediglich die britische Großbank HSBC, die wegen Geldwäsche zu 1,9 Milliarden Dollar verdonnert wurde. Die Deutsche Bank, die sich wegen ihrer Verstrickung in den Libor-Skandal seit Monaten mit einer Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin konfrontiert sieht, steht Kreisen zufolge noch nicht in Vergleichsverhandlungen. In eigenen Untersuchung konnte die Bank bislang keine Hinweise darauf entdecken, dass der Vorstand von Händler-Tricksereien wusste. Auch bei der UBS fand die Schweizer Aufsicht keine Hinweise, dass das damalige Top-Management Kenntnisse davon hatte, was an der Libor-Front lief.

Kommentare (11)

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Glaskugel

19.12.2012, 13:30 Uhr

Die übliche Leier...
Wir bedauern dieses unangemessene und unethische Verhalten zutiefst Ich kanns echt nicht mehr hören. Privat Equity und Investmentbanking ist fast wieder auf dem selben Stand wie vor 2008!
Diese Schw... lernen nichts, nur eins - wenn es ernst wird, zahlt der Steuerbürger.

Die entlassenen 30-40 Mitarbeiter, was passiert mit dennen, gibt es Anklagen oder einen goldenen Rettungsschirm plus Boni, sie dürfen raten.

Glaskugel

19.12.2012, 13:37 Uhr

Noch eine Frage wozu braucht es ein Top-Management, wenn es keine Kenntnisse davon hatte, was an der Libor-Front lief?

Diese Säcke kassieren 7 stellige Summen, weil sie ja die master of the finance world sind. Eigentlich könnte dann theoretisch jeder dressierte Affe diesen Job für ein paar Nüsse machen, oder?

Account gelöscht!

19.12.2012, 15:25 Uhr

Wie bei den kriminellen Rockerclubs (Bandidos, etc.) - es sind immer bedauerliche Einzefälle, nie der Club an sich.

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