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18.09.2013

00:01 Uhr

Milliardenübernahmen

Deutsche Firmen beteiligen sich öfter an Megadeals

Investmentbanker reiben sich die Hände: Immer mehr deutsche Unternehmen sind an Fusionen und Übernahmen in Millionenhöhe beteiligt. Doch die spektakulären Deals verdecken ein Problem.

Haben Geschäfte wie die Offerte von Vodafone für Kabel Deutschland eine Signalwirkung auf dem Markt? Reuters

Haben Geschäfte wie die Offerte von Vodafone für Kabel Deutschland eine Signalwirkung auf dem Markt?

FrankfurtEine Milliardenübernahme jagt die nächste - inzwischen auch in Deutschland. Nach mehreren Jahren Flaute freuen sich die hiesigen Investmentbanker über florierende Geschäfte, die ihnen üppige Boni sichern. Viele hoffen auf einen Jahresendspurt.

Das Volumen der angekündigten Fusionen und Übernahmen (M&A) mit deutscher Beteiligung beläuft sich 2013 bislang auf 91,8 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahr und zugleich der stärkste Jahresverlauf seit dem Krisenjahr 2008, wie der Datenanbieter Thomson Reuters errechnet hat, der am Mittwoch die jüngsten Zahlen zum Fusionsgeschehen veröffentlicht. Zum Vergleich: Weltweit stagniert das M&A-Volumen im bisherigen Jahresverlauf bei rund 1,64 Billionen Dollar.

Größte Investmentbanken im globalen Fusionsgeschäft

Rang 10

Deutsche Bank

41 Milliarden Dollar*

(-61 Prozent gg. Vorjahr)

*alle Zahlen: Betreutes Übernahmevolumen weltweit im 1. Quartal 2013 / Quelle: Merger Market

Rang 9

Centerview Partners

48 Milliarden Dollar

(+631 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 8

Citi

52 Milliarden Dollar

(-49 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 7

Barclays

55 Milliarden Dollar

(-51 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 6

Morgan Stanley

57 Milliarden Dollar

(-41 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 5

Credit Suisse

69 Milliarden Dollar

(-27 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 4

Lazard

70 Milliarden Dollar

(+132 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 3

Bank of America Merrill Lynch

90 Milliarden Dollar*

(+43 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 2

Goldman Sachs

104 Milliarden Dollar

(-14,5 Prozent gg. Vorjahr)

Rang 1

JPMorgan

124 Milliarden Dollar*

(+6,5 Prozent gg. Vorjahr)

*alle Zahlen: Betreutes Übernahmevolumen weltweit im 1. Quartal 2013 / Quelle: Merger Market

Vor allem Transaktionen wie die 13,5 Milliarden Dollar schwere Offerte von Vodafone für Kabel Deutschland oder das 11,4 Milliarden Dollar schwere Gebot der deutschen Telefonica-Tochter o2 für E-Plus polstern die Bilanz für den deutschen Markt auf. "Diese Deals kaschieren allerdings einen eigentlich schwächelnden M&A-Markt: Die Aktivität im Mittelstandssegment ist im Jahresvergleich stark zurückgegangen", sagt Thomson-Reuters-Experte Leon Saunders Calvert.

Ein Grund für die Stagnation bei mittelgroßen Übernahmen ist nach Ansicht von Macquarie-Deutschland-Chef Rainer Langel, dass Ende 2012/Anfang 2013 etliche Transaktionen nicht geklappt haben. Das habe einige Firmen verunsichert. "Ich erwarte aber, dass sich auch der Mid-Market ab Ende 2013 deutlich belebt."

Auch andere Banker räumen ein, dass viele Unternehmenschefs wegen der unsicheren Wirtschaftslage in Europa noch an der Seitenlinie stehen und abwarten. "Deutsche Unternehmen werden aber weiterhin Zugang zu Wachstumsmärkten durch gezielte Akquisitionen suchen beziehungsweise bestehende Positionen ausbauen", ist sich Wolfgang Fink sicher, der bei Goldman Sachs das Investmentbanking in Deutschland und Österreich verantwortet. "Viele Unternehmen verfügen über hohe Cashbestände und starke Bilanzen, aus denen heraus sie investieren können. Die Finanzierungsmärkte sind offen und auch niedrige Zinsen unterstützen Unternehmen bei ihren Expansionsplänen."

Ähnlich zuversichtlich ist sein Kollege Alexander Gehrt von der UBS: "Wir erwarten und hoffen, dass diese größeren Deals Signalwirkung haben und anderen Unternehmen frischen Mut geben, ebenfalls wieder mehr anzustoßen", sagt er.

Fink und Gehrt haben Grund zum Optimismus. Ihre Häuser nehmen die Spitzenplätze in den aktuellen "League Tables" im deutschen M&A-Geschäft ein, den jedes Quartal mit Spannung erwarteten Ranglisten jener Investmentbanken, die am besten im Geschäft sind: Goldman schaffte es mit der Beratung bei 15 Deals und einem Transaktionsvolumen von 45,9 Milliarden Dollar auf Platz eins und stieß den hiesigen Branchenprimus Deutsche Bank vom Thron. UBS folgt mit gut 37 Milliarden Dollar auf Platz zwei. Die Deutsche Bank muss sich dieses Mal in der Heimat mit dem dritten Platz zufriedengeben.

Von

rtr

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