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29.12.2014

15:55 Uhr

Millionenkosten

Banken fürchten das Aus für Kundenkreditkarten

Kreditkartengebühren werden künftig gedeckelt. Damit bricht den Banken der Umsatz weg. Einige Kreditkartenkooperationen mit Unternehmen dürften sich nach der neuen Vorgaben nicht mehr rechnen.

Für Kreditkarten fallen in Europa künftig niedrigere Gebühren an. dpa

Für Kreditkarten fallen in Europa künftig niedrigere Gebühren an.

BrüsselDie Europäische Union will die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen deckeln und hofft auf sinkende Kosten für die Verbraucher. Die Banken, die Mastercard - oder Visa -Kreditkarten herausgeben und die Zahlung für den Händler und den Kunden abwickeln, sollen sich gegenseitig maximal noch 0,3 Prozent des Rechnungsbetrags abzweigen dürfen. Für Zahlungen mit Debitkarten - etwa der deutschen Bank- oder EC-Karte - dürfen sie maximal 0,2 Prozent verlangen. Bisher liegen die Interbanken-Entgelte bei Kreditkarten-Zahlungen in Deutschland nach Branchenangaben im Schnitt bei 0,9 Prozent. Europaweit unterscheiden sich die Kartengebühren stark.

Für die Banken könnte die Entscheidung trotzdem negative Folgen haben. Zum einen sind da die entgangenen Umsätze, die sich nach Schätzungen der Unternehmensberatung PPI allein in Deutschland auf 250 Millionen Euro im Jahr belaufen. Das ließe sich noch verkraften. Schlimmer dürfen die Folgen für Kreditkarten sein, die gemeinsam mit Unternehmen herausgegeben werden. Mit ihren Kreditkarten sind die Banken an einigen Treuesystemen im Handel beteiligt. Doch mit den sinkenden Gebühren lohnt sich das für beide Seiten immer weniger. „Gebührenausfälle von mehr als 75 Prozent sprechen dafür, diese Kooperationen in Frage zu stellen“, sagt Hubertus von Poser, Experte für Zahlungsverkehr bei PPI.

Oliver Hommel zu Apple Pay: „Die Banken müssen aufpassen“

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„Die Banken müssen aufpassen“

Apple Pay wird es in Europa deutlich schwerer haben als in den USA, meint Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei Accenture. Die deutschen Banken werden durch das neue Angebot herausgefordert.

Auch für mobile Bezahlsysteme wie Apple Pay dürfte die Verordnung negative Folgen haben. In den USA verlangt Apple von den kartenausgebenden Banken 0,15 Prozent des Umsatzes für einen Zahlvorgang. Gelten die gleichen Bedingungen in Europa, müssten die europäische Banken also die Hälfte ihres Umsatzes an Apple abgeben. „Darum dürfte es den meisten Instituten schwerfallen, bei Apple Pay mitzumachen und gleichzeitig in der Gewinnzone für diese Transaktionen zu bleiben“, sagt Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei Accenture.

Wettbewerbs-Kommissarin Margrethe Vestager ist dagegen voller Lob für die neuen Vorgaben: „Dieses Gesetz ist gut für die Verbraucher, gut für das Geschäft und gut für Europa“. Die Gebühren blockierten derzeit Innovationen. Doch Kreditkartenfirmen und Banken zweifeln daran, dass die EU den erwünschten Effekt erzielt. „Wir befürchten, dass die sinkenden Preise vom Handel nicht an die Kunden weitergegeben werden“, sagte Ralf-Christoph Arnoldt, Leiter Zahlungsverkehr beim Genossenschaftsbankenverband BVR im Namen der Deutschen Kreditwirtschaft, der Spitzenorganisation der deutschen Bankenverbände.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Mit der Gebühr übernehmen die Banken die Garantie dafür, dass der Händler sein Geld auch tatsächlich bekommt, und geben dem Kunden praktisch einen Kredit, bis das Geld seinem Konto belastet wird. Visa warnte vor Konsequenzen für die Verbraucher, die die EU nicht gewollt habe. „Diese Regulierung wird tiefgreifende Auswirkungen auf die Branche haben und deutliche Anpassungen nach sich ziehen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die EU verhindere damit Innovationen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

29.12.2014, 16:43 Uhr

Den freien Wettbewerb nun auch bei Kreditkartenkosten einschränken zu wollen, ist nur eine dieser hirnlosen Beschäftigungstherapien für untätige Europa- Beschäftigte.

Sie bringen nichts als zusätzliche Arbeit, weniger Handel, unnötige Kosten und Einschränkungen fast jeden Geschäftes.

Was soll das? Schließlich vermag doch jeder selbst zu entscheiden, ob und welche Karten er in Anspruch nehmen will - bis hin zu gar keiner.

Herr Roland Hegglin

29.12.2014, 17:14 Uhr

@Herr Cal Andersen

was sie vielleicht nicht wissen, das sie bis Heute die Gebühren für die Kreditkarten immer mit bezahlt haben, wenn sie Cash bezahlt haben. Das haben nämlich die Händler schon im Preis mit einkalkuliert.

Account gelöscht!

29.12.2014, 17:41 Uhr

@ hegglin:

Über normale Kalkulationen müssen Sie mich nicht aufklären.
Das ändert auch nichts an meiner Aussage.

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