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15.07.2016

15:04 Uhr

Mini-Zinsen

US-Banken kämpfen mit Gegenwind

VonFrank Wiebe

Wells Fargo hält das Ergebnis stabil, Citigroup verzeichnet Einbußen im zweiten Quartal. Die US-Banken können die niedrigen Zinsen durch ein anderes Geschäft fast ausgleichen. Doch die Analysten überzeugen die Zahlen nicht.

Die Fotomontage zeigt die Logos von vier verschiedenen US-Banken. Wells Fargo und Citibank haben heute Geschäftszahlen vorgelegt. AP

Bankenlogos

Die Fotomontage zeigt die Logos von vier verschiedenen US-Banken. Wells Fargo und Citibank haben heute Geschäftszahlen vorgelegt.

Nachdem JP Morgan am Donnerstag einen gelungen Auftakt zur Berichtssaison hingelegt hat, gibt der große Konkurrent Wells Fargo ein ähnliches Bild ab. Der Gewinn nach Steuern sank im zweiten Quartal verglichen zum Vorjahreszeitraum nur geringfügig von 5,7 auf 5,6 Milliarden Dollar. Die Erlöse stiegen um vier Prozent, was aber leicht unter den Erwartungen blieb.

Der Druck auf die Gewinnmarge wurde zum großen Teil wettgemacht durch ein deutliches Wachstum der Darlehen und Kundeneinlagen. Der Aufwand für faule Kredit wuchs dagegen etwas – hier zeigt sich, dass der Kreditzyklus seinen besten Punkt überschritten hat.

Die größten Investmentbanken der Welt

Zur Analyse

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen im ersten Halbjahr 2016 laut Thomson Reuters die Umsätze von Investmentbanken mit Börsengängen, M&A-Beratung sowie neu begebenen Anleihen und Krediten um mehr als 23 Prozent zurück.

Platz 10

RBC Capital Markets

Einnahmen: 757 Millionen Dollar

Rückgang: 32,6 Prozent

Platz 9

Wells Fargo

Einnahmen: 891 Millionen US-Dollar

Rückgang: 28,9 Prozent

Platz 8

Deutsche Bank

Einnahmen: 1,269 Milliarden Dollar

Rückgang: 34,4 Prozent

Platz 7

Credit Suisse

Einnahmen: 1,309 Milliarden Dollar

Rückgang: 25,0 Prozent

Platz 6

Barclays

Einnahmen: 1,420 Milliarden Dollar

Rückgang: 22,0 Prozent

Platz 5

Citibank

Einnahmen: 1,420 Milliarden Dollar

Rückgang: 20,3 Prozent

Platz 4

Morgan Stanley

Einnahmen: 2,058 Milliarden Dollar

Rückgang: 26,8 Prozent

Platz 3

Bank of America Merrill Lynch

Einnahmen: 2,127 Milliarden Dollar

Rückgang: 23,8 Prozent

Platz 2

Goldman Sachs

Einnahmen: 2,396 Milliarden Dollar

Rückgang: 30,3 Prozent

Platz 1

JP Morgan

Einnahmen: 2,598 Milliarden Dollar

Rückgang: 22,6 Prozent

Wie zu erwarten spielte hier auch die angeschlagene Öl- und Gasbranche eine Rolle mit einer Belastung von knapp 300 Millionen. Die Bank spricht aber nach wie vor von einer „insgesamt soliden Kreditqualität“. Die Bank hat die Kosten gesenkt, zum Teil auch durch niedrigere Boni für die Mitarbeiter. In diesen Punkten ähnelt das Zahlenwerk dem von JP Morgan. Bei JP Morgan kam noch ein gutes Ergebnis im Kapitalmarktgeschäft hinzu. Dieser Bereich spielt bei Wells Fargo nur eine untergeordnete Rolle, die Bank mit Sitz in San Francisco ist vom Geschäftsmodell her eher eine Art eine Riesensparkasse.

Citigroup hingegen zeigt deutlicher den Gegenwind, den die Branche durch sehr niedrige Zinsen und eine Menge Unsicherheit in allen Märkten erfährt. Das Ergebnis nach Steuern im zweiten Quartal lag mit 4,0 Milliarden Dollar deutlich unter den 4,8 Milliarden des Vorjahreszeitraums, aber immer noch über den Erwartungen der Analysten.

Bei Citigroup gingen aber auch die Erlöse zurück – um zehn Prozent auf 17,5 Milliarden. Dabei spielte der starke Dollar eine Rolle. Ohne Wechselkursverschiebungen hätte der Rückgang nur sechs Prozent bei gelegen. Und diese Prozente lagen allein an dem Sonderbereich Citi Holding, in dem der Konzern schwache Kredite gebündelt hat, die als Altlasten der Vergangenheit gelten.

Klammert man das auch aus, blieben die Erlöse wenigstens stabil. Etwas überraschend ist, dass die Vorsorge für faule Kredite insgesamt entgegen dem Branchentrend leicht zurückging. Dieser Trend wurde vom Geschäft mit Privatkunden bestimmt, wo das Volumen der faulen Kredite deutlich sank, während es im Firmenkundengeschäft, vor allem in der Energiebranche, anstieg.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

JP Morgan hatte am ein Donnerstag ein Quartalsergebnis von 6,2 Milliarden Dollar veröffentlicht, was zu einer freundlichen Börsenreaktion führte. Die Bank erweist sich damit erneut als ertragsstärker im Vergleich zu Wells Fargo. Sie wird trotzdem an der Börse traditionell niedriger bewertet, weil ihr Ergebnis stärker vom Kapitalmarkt abhängig ist und damit als anfälliger für Schwankungen gilt.

David George vom Analysehaus Baird kommentierte gab am Freitag zu JP Morgan den Rat: „bei starken Kursen verkaufen.“ Seiner Meinung nach sind die Aussichten der Branche für das kommende Jahr durch die voraussichtlich langfristig sehr niedrigen Zinsen getrübt.

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