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21.08.2012

16:35 Uhr

Mittelständler und Bürger klagen

Eine Prozesswelle überrollt die Banken

Fehlberatung und Manipulation lassen die Zahl der Klagen gegen Banken explodieren. Mittelständler und Bürger fordern ihr Recht ein. Und die Banken klagen sogar untereinander. Doch es fehlen Richter und Staatsanwälte.

Justitia: Die Aufarbeitung der Finanzkrise hat erst begonnen. dpa

Justitia: Die Aufarbeitung der Finanzkrise hat erst begonnen.

FrankfurtDie Banken sorgen für Turbowachstum: nicht in ihrer Domäne, dem Geldgeschäft, sondern beim Anstieg der Gerichtsverfahren. Allein die Zahl der neuen Verfahren, die Anleger wegen möglicher Beratungsfehler der Banken anstrengten, hat sich in den vergangenen zwei Jahren beim Frankfurter Landgericht auf 2284 knapp verdoppelt.

Gerichtspräsident Klaus Scheuer berichtet: „Nur am Silvestertag 2011 erreichten uns zehn Pakete mit insgesamt mehr als 200 Klageschriften.“ Die Bürger und ihre Anwälte fürchteten die Verjährung. Das Landgericht Frankfurt hat drei neue Bankenkammern mit jeweils drei Richtern eingesetzt. Die bereits bestehenden sieben Kammern konnten die dramatisch steigende Zahl von Zivilklagen gegen Banken nicht mehr bewältigen.

Der Trend zur gerichtlichen Aufarbeitung von Finanzkrise und Bankerexzessen überlastet nicht nur die Justiz in der Finanzmetropole Frankfurt. Alle großen Gerichte in Deutschland hätten ihre Kapazitäten massiv ausgeweitet, weil die Zahl der Klagen von Anlegern sprunghaft ansteige, sagt Wolf Bussian von der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. „Die Zahl der Verfahren hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 vervielfacht“, sagte er.

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Auf der Anklagebank sitzen fast alle namhaften Banken. Die Deutsche Bank etwa hat es mit Klagen von Kommunen und Mittelständlern wie der Ille Papierservice GmbH zu tun, die bei Zinswetten Millionen verloren haben und sich fehlberaten fühlen.

Kommentare (29)

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Claus

21.08.2012, 16:42 Uhr

Ich hoffe Sie werden auch mal empfindlich bestraft ohne das der Steuerzahler die Zeche zahlen muss.

whisky

21.08.2012, 16:49 Uhr

"Doch es fehlen Richter und Staatsanwälte."
Tja, dazu braucht man Steuereinnahmen.

aruba

21.08.2012, 17:41 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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