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09.11.2016

12:01 Uhr

Mobiles Bezahlen

Der Geldbote bleibt zu Hause

VonElisabeth Atzler

Eigentlich sollte der Geldbote, das Handy-zu-Handy-Zahlsystem von Sparkassen und Volksbanken, längst gestartet sein. Jetzt aber kommt alles anders: Die Sparkassen beginnen mit einer eigenen Zahlfunktion namens Kwitt.

Bei den Sparkassen sind bald Handy-zu-Handy-Zahlungen möglich. 4,5 Millionen Kunden nutzen die Banking-App bereits. dpa

Sparkassen-Rot

Bei den Sparkassen sind bald Handy-zu-Handy-Zahlungen möglich. 4,5 Millionen Kunden nutzen die Banking-App bereits.

Frankfurt Was in einigen anderen Ländern schon üblich ist, steckt in Deutschland noch in den Anfängen: das Bezahlen mit Smartphone. Bei Handy-zu-Handy-Zahlungen wollten die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken gemeinsam aufholen und zusammen die Bezahlfunktion „Geldbote“ starten. Nun aber gehen Sparkassen und Volksbanken doch nicht gemeinsam an den Start.

Die Sparkassen haben angekündigt an, dass mit dem nächsten Update ihrer Banking-App am 28. November die Zahlfunktion „Kwitt“ kommt. Sparkassenkunden, die die Banking-App nutzen, können dann Geld über Smartphone versenden. Bei Beträgen bis zu 30 Euro funktioniert das sogar ohne Transaktionsnummer (Tan).

Dem Vernehmen nach gab es aus Sicht von Sparkassen und Genossenschaftsbanken noch kartellrechtliche Fragen, die wider Erwarten nicht endgültig geklärt wurden. Ein Sprecher des Kartellamts bestätigte, dass beide in Sachen Geldbote vorgefühlt hätten, und die Behörde noch Nachfragen gehabt habe. Das hat Sparkassen und Genossenschaftsbanken offenbar von dem geplanten Gemeinschaftsprojekt abgebracht.

Die Genossenschaftsbanken basteln ihrerseits an einer Geldtransferfunktion in ihrer Banking-App und testen diese derzeit. Spätestens im ersten Quartal 2017 solle sie allen Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken verfügbar sein, sagte eine Sprecherin des genossenschaftlichen IT-Dienstleisters Fiducia & GAD. Mittelfristig solle es auch eine Verbindung zu anderen Handy-zu-Handy-Bezahlverfahren geben.

Daran halten auch die Sparkassen fest: „Wir wollen dieses System auch für andere Finanzdienstleister und deren Kunden öffnen und damit zum allgemeinen Marktstandard machen, nachdem eine Kooperation mit den Genossenschaftsbanken rechtlich zurzeit nicht möglich scheint“, sagte Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Auf dem Markt für Handy-zu-Handy-Zahlungen tummeln sich bereits mehrere Finanz-Start-ups, auch Fintechs genannt. Wie schwierig es aber ist, sich hier zu behaupten, zeigt das Beispiel Cookies. Das Berliner Fintech, das mit seinem Angebot erst im August gestartet war, hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Neben Cookies gibt es mit Cringle, Avuba und Lendstar weitere Fintechs, über deren Apps man an Handykontakte Geld senden kann. Auch der Online-Bezahldienst Paypal hat eine entsprechende Funktion.

An der Ladenkasse wird in Deutschland bisher noch fast gar nicht mit dem Smartphone gezahlt, es geht in vielen Geschäften auch gar nicht. Ein Grund dafür, dass Handy-Zahlungen so wenig populär sind und es auch kaum Angebote gibt, ist die Bargeldliebe der Deutschen. Mehr als die Hälfte aller Umsätze im Einzelhandel werden mit Scheinen und Münzen beglichen. Zudem kann man relativ bequem mit der EC-Karte zahlen.

Kommentare (1)

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Herr Matthias Moser

09.11.2016, 15:20 Uhr

Total sinnvoll wieder ein neues Bezahlsystem starten zu wollen. Beim Bezahlen geht es um Einheitlichkeit und Einfachheit - nicht um viele verschiedene Systeme. Die bekommen nie die kritische Masse.
Wenn die deutschen Banken nicht aufpassen, macht Apple Pay oder Google Pay das Rennen. ! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich !

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