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22.05.2013

19:55 Uhr

Mögliche Übernahme

Indische Srei-Gruppe bietet für Hypo Österreich

Die österreichischen Banken zeigten der kriselnden Hypo Alpe Adria die kalte Schulter: Nun aber scheint sich ein Käufer gefunden zu haben. Einem Medienbericht zufolge bietet die indische Srei-Gruppe 65,5 Millionen Euro.

Endlich scheint es einen Käufer für die Hypo Alpe Adria zu geben: Die Indische Srei-Gruppe. Reuters

Endlich scheint es einen Käufer für die Hypo Alpe Adria zu geben: Die Indische Srei-Gruppe.

WienDie krisengeschüttelte Kerntner Bank Hypo Alpe Adria hat einem Zeitungsbericht zufolge einen Käufer für ihr Österreich-Geschäft gefunden. Die indische Srei-Gruppe lege für die Tochter mit 450 Mitarbeitern und 14 Filialen 65,5 Millionen Euro auf den Tisch, berichtete die Tageszeitung „Die Presse“ vorab aus ihrer Donnerstagausgabe ohne Angabe von Quellen. Zuvor hatte der indische Konzern, der Infrastrukturprojekte finanziert, jegliches Interesse an Österreich dementiert.

Srei wolle mit der Hypo-Tochter von Österreich aus ein Geschäft in Europa aufbauen, berichtete das Blatt. Die entsprechenden Kaufverträge könnten Ende Mai oder Anfang Juni unterzeichnet werden.

Die Hypo selbst wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ein Sprecher betonte jedoch, die Aufsichtsgremien des Instituts hätten noch keine Entscheidung getroffen. Die Bank hatte angekündigt, ihr Österreich-Geschäft möglichst noch im ersten Halbjahr verkaufen zu wollen.

Die Chronologie des Hypo Alpe Adria-/BayernLB-Dramas

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Ein wochenlanger Poker zwischen Österreich und Bayern geht zu Ende: Die HGAA geht an Österreich zurück und soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

4. Januar 2010

Der Freistaat hofft auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

13. Oktober 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt. Das Gericht zweifelt an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag.

19. Juni 2012

BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Die BayernLB wirft allen acht ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der HGAA vor.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legt Berufung ein.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst auf einen Prozess.

14. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

19. Dezember 2012

Ministerpräsident Seehofer fordert die HGAA zur Rückzahlung der Kredite auf.

20. Dezember 2012

Eine fällige Zinszahlung von zwei Millionen Euro an die BayernLB wird nicht überwiesen.

Die Hypo Alpe Adria muss sich im Gegenzug für milliardenschwere Staatshilfen von ihren drei operativen Töchtern in Österreich, Südosteuropa und Italien trennen. Damit gibt das Institut sein gesamtes operatives Geschäft auf. Mit einem erfolgreichen Deal will die Bank auch EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia von Fortschritten bei ihrer Sanierung überzeugen und eine finale Zustimmung für die bisher geflossenen Staatshilfen von über zwei Milliarden Euro erhalten.

Neben den Indern hätten sich dem Zeitungsbericht zufolge auch noch zwei österreichische Investoren für die Hypo-Tochter interessiert - allerdings deutlich weniger geboten als Srei. Die indische Firma hat nach eigenen Angaben über 30.000 Kunden und zuletzt ihre Präsenz in Europa ausgebaut. Srei verfügt bereits über zwei Niederlassungen in Russland und eine Geschäftsstelle in Deutschland.

Von

rtr

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