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01.07.2012

21:45 Uhr

Möglicher Zinsskandal

Britische Regierung zieht erste Konsequenzen

Großbritannien ergreift im Skandal um Zinsmanipulationen erste Maßnahmen. Die Regierung kündigt eine unabhängige Untersuchung an. Ein Chairman der britischen Bank Barclays soll Kreisen zufolge am Montag zurücktreten.

Die britische Barclays muss 290 Millionen Pfund an Strafzahlungen leisten. AFP

Die britische Barclays muss 290 Millionen Pfund an Strafzahlungen leisten.

LondonDer Skandal um mutmaßliche Zinsmanipulationen bei mehreren Großbanken hat in Großbritannien ein erstes Nachspiel. Die Regierung lässt einen der Chefs seiner Skandalbanken vor einem Ausschuss des Parlaments auftreten. Unter anderem soll Barclays-Chef Bob Diamond in der kommenden Woche vor dem Komitee Rede und Antwort stehen, wie mehrere Medien am Wochenende übereinstimmend berichteten. Themen sollen neben dem sogenannten Liborzinssatz etwa mögliche strafrechtliche Sanktionen sein, hieß es.

Der Chairman der britischen Bank Barclays, Marcus Agius, soll außerdem wegen des Skandals am Montag seinen Rücktritt verkünden, wie eine mit der Angelegenheit Vertraute Person am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Zuvor hatten die BBC und die Zeitung "Guardian" berichtet, ein Rücktritt Agius' werde erwartet. Barclays lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Mehrere Banken sollen versucht haben, den Liborsatz zu beeinflussen. Dieser legt unter anderem fest, zu welchem Zinssatz sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er wird auch als Benchmark für den Derivatehandel verwendet.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die britische Barclays an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das US-Justizministerium eine Strafe in Höhe der Rekordsumme von 290 Millionen Pfund (rund 345 Mio Euro) zahlen muss. In einer Mitteilung auf der Internetseite der britischen Aufsicht FSA war unter anderem von Fällen in den Jahren 2005 bis 2008 die Rede.

Auch die Royal Bank of Scotland (RBS), die größtenteils verstaatlich ist, steht unter Verdacht. Am Sonntag berichteten Medien, bei RBS seien bereits Ende 2011 vier Händler wegen Verwicklung in den Fall entlassen worden. Im Visier der Ermittler stehen zudem mehrere Großbanken in Europa und den USA.

Kommentare (2)

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milo

02.07.2012, 02:53 Uhr

Eigentlich ist die Manipulation des Libors ein Riesending, man kann schon fragen, warum es nicht als die Schlagzeile in einer Wirtschaftszeitung wie dem Handelsblatt ganz oben steht. Ist Fussball wichtiger oder hat hier die Finanzlobby schon ihre Finger drin. Sie wird es ja wohl auch diesmal schaffen, nicht zuviel Dampf aus dem Kessel zu entlassen, es wird wohl kaum zu Strafverfahren kommen, man wird sich freikaufen, egal mit welcher Summe, zumal die europaeischen Banken das ja aus dem Bankenrettungsfond begleichen koennen. Die Deustche Bank soll ja auch verwickelt sein. Man stelle sich vor, Ackermaennchen vor Gericht, das ist doch Majestaetsbeleidugung, dann koennte man ja auch gleich ein Verfahren gegen Mappus anstrengen, wo kaemen wir denn dahin, wenn das moeglich waere. Immerhin sind wir keine richtige Demokratie.

Mazi

02.07.2012, 09:50 Uhr

Auch in Deutschland werden Geschäfte auf LIBOR-Basis abgerechnet. Es wäre doch interessant von der BAFin zu erfahren, wie hoch deren Volumen und der Schaden aus dieser Manipulation sind.

Eine Antwort, man wisse es dort nicht, wäre das Eingeständnis von dortiger Ahnungslosig- und Unfähigkeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die BAFin mit dieser simplen Fragestellung - wie mit anderen Themen der Finanzmarktaufsicht - überfordert ist. Die Finanzminister werden sich fragen lassen müssen, was sie denn dann für einen Papiertiger aufgeblasen haben. Wir reden hier nicht von Schäuble allein, wir gehen in Reihe auch dessen Vorgänger bevor diese sich mit lauten, dürren Worten zu Wort melden.

Der heutige Finanzmarkt ist nicht nur das Ergebnis krimineller Individuen sondern auch ein Spiegelbild der staatlich etablierten Aufsicht. Dessen müssen wir uns bewusst sein.

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