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02.01.2009

15:25 Uhr

Monaco muss sparen

Fürst Albert und die Finanzkrise

VonTanja Kuchenbecker

Es sollte das Venedig der Moderne werden, das Dubai am Mittelmeer. Monaco, das Steuerparadies der Reichen, in dem sich die Ferraris und Porsches auf dem Platz vor dem Kasino drängen, wollte dem Meer noch ein großes Stück Land abgewinnen. Doch die Finanzkrise legt das geplante Projekt auf Eis.

Die ökologischen Bedenken haben das teure Projekt scheitern lassen - für Fürst Albert eine persönliche Niederlage. Foto: dpa dpa

Die ökologischen Bedenken haben das teure Projekt scheitern lassen - für Fürst Albert eine persönliche Niederlage. Foto: dpa

PARIS. Es war ein gigantisches Projekt - doch der Traum ist erstmal geplatzt. Die Wirtschaftskrise verschont das Fürstentum mit seinen 45 Banken und Einlagen von rund 60 Mrd. Euro nicht.

In Zeiten der Finanzkrise muss auch Monaco sparen. "Im gegenwärtigen Klima wäre es unverantwortlich, ein Projekt von diesen Dimensionen in Angriff zu nehmen", sagte Fürst Albert II. Die internationale Krise habe Monaco gezwungen, bessere finanzielle Garantien zu finden.

Tatsächlich war es gigantisch, was der 50jährige Landesfürst und Sohn der verstorbenen Hollywooddiva Grace Kelly plante. Bis 2015 sollten auf einer künstlichen Landzunge vor dem nur zwei Quadratkilometer großen Fürstentum Monaco 15 Hektar zusätzlich entstehen, das entspricht rund einem Achtel Fläche mehr. Der Baubeginn war für das Jahr 2011 vorgesehen.

Das ehrgeizige Projekt wurde schon mit Dubai und Venedig verglichen. Hotels, Museen, Bürogebäude und Wohnungen waren geplant, die 2000 zusätzliche Reiche ins Fürstentum mit derzeit rund 32 000 Einwohnern locken sollten. Doch welcher Milliardär würde heute schon noch bis zu 50 000 Euro pro Quadratmeter ausgeben, um sich eine Luxuswohnung zu leisten.

Monaco ist der am dichtesten besiedelte Staat der Welt und wächst seit Jahren immer weiter in die Höhe. Es sollte deshalb eine riesige Plattform im Meer entstehen. Zwei Konkurrenzfirmen, Monte-Carlo und Monte Carlo Sea Land mit den Stararchitekten Norman Foster und Daniel Libeskind, arbeiten seit Jahren an dem Projekt. Der französische Bauriese Bouygues, eines der beteiligten Unternehmen, hatte schon fünf Mio. Euro in die Forschung investiert. Denn der umweltbewusste Landesfürst hatte ökologische Zweifel. Doch die Kosten dieser überdimensionalen Baustelle waren schlecht abzuschätzen. Sie schwankten zwischen 4,5 Mrd. und 9,5 Mrd. Euro. Die ökologischen Bedenken versetzen dem Projekt aber dann letztlich den Todesstoß.

Fürst Albert hat sich übernommen. Für ihn ist es nicht nur ein wirtschaftlicher Rückschlag, sondern auch eine persönliche Niederlage. Er wollte seinem legendären Vater nacheifern. Fürst Rainier III hatte Monaco zu Reichtum geführt und zusätzliches Land geschaffen. Er wurde deshalb der Wirtschaftsboss oder der Bauherr von Monaco genannt. Ob allerdings das Bauvorhaben seines Sohnes irgendwann doch noch realisiert wird, kann in der derzeitigen Krise niemand absehen.

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