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29.01.2013

10:14 Uhr

Monte dei Paschi di Siena

Italiens Traditionsbank kehrt Skandale aus

VonKatharina Kort

Problemkredite, Konjunkturflaute und ein Skandal um vertuschte Millionenverluste belasten die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena. Der neue Chef räumt nun auf. Dabei gerät auch EZB-Präsident Draghi in die Kritik.

Fabrizio Viola, der neue Chef der Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, will aufräumen. Reuters

Fabrizio Viola, der neue Chef der Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, will aufräumen.

MailandDie Monte dei Paschi di Siena (MPS) gilt als die älteste Bank der Welt und zählt zu den größten Geldhäusern Italiens. Und das Institut ist in einen handfesten Skandal verwickelt. Der Fall um vertuschte Millionenverluste bei der Bank hat alles, was ein guter Finanzkrimi braucht: Derivate, Bilanzfälschung, Geheimdokumente im Tresor, Konten im Ausland, Schmiergelder und sogar ein bisschen Opus Dei.

Nun drohte der Vorstandsvorsitzende Fabrizio Viola auch noch seinen Vorgängern: "Sollte sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft als wahr herausstellen, dann sind wir als Bank die Geschädigte und werden von den Verantwortlichen, die profitiert haben, das Geld zurückfordern", sagt Viola bei einem Treffen mit der Auslandspresse in Mailand. Er führt seit dem Frühjahr gemeinsam mit dem Ex-Unicredit-Chef Alessandro Profumo als Präsident die Bank.

Das sind die größten Banken Europas

Platz 9

Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 9

Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 8

Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

Platz 7

UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

Platz 6

BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

Platz 5

Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

Platz 4

Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

Platz 2

Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

"Wir wollten uns nicht als Polizeikontrolle aufspielen", sagt Viola fast entschuldigend über die vergangenen Monate, in denen sich das neue Management das Portfolio der Bank genau angeschaut hat und dabei auf mehr als eine unerfreuliche Überraschung gestoßen ist. So kam ans Licht, dass die Bank mit verschiedenen Derivaten von Deutscher Bank, Nomura und JP Morgan Verluste von 720 Millionen Euro zu verstecken versucht hat. Die Transaktionen trugen die Namen "Santorini", "Alexandria" und "Nota Italiana".

Der Vertrag zu "Alexandria" lag verschlossen in einem Tresor, ohne dass ihn der damalige Verwaltungsrat, die Bilanzprüfer oder die Bankenaufsicht je zu Gesicht bekommen hätten. Als Konsequenz daraus hat der ehemalige MPS-Präsident Giuseppe Mussari vergangene Woche bereits seinen Posten als Vorsitzender des Bankenverbands Abi räumen müssen.

Viola stellt derzeit das gesamte Portfolio auf weniger spekulative Investitionen um und stellte dabei klar: "Mein Konzept, wie das Investmentportfolio einer Geschäftsbank aussehen sollte, unterscheidet sich deutlich von dem meiner Vorgänger." Ein Portfolio müsste in erster Linie dem klassischen Kreditgeschäft dienen, sagte er.

Mehr traditionelles Bankgeschäft und weniger Investment-Banking lautet die Formel von Viola. Das gilt auch für die Investmentbanken als Berater. "Wir verzichten derzeit komplett auf Investmentbanken", sagt er. Nach all den Problemprodukten, die diese ihnen in der Vergangenheit angedient haben, scheint das die sichere Variante.

Kommentare (1)

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Mazi

29.01.2013, 17:23 Uhr

Das Vokabular im Zusammenhang mit dem Namen "Draghi" zu gebrauchen, ist bemerkenswert und sicherlich sauber recherchiert. Das wird schwierig wieder unter den Teppich zu bringen.

Wenn auch nur ein Hauch Wahrheit an den Aussagen ist, dann muss Merkel gewaltiges Geschütz zur Verteidigung Draghis auffahren. Solche Leuten "Schusswaffen" in de Hand zu geben, ist wohl unverantwortlich, würde aber erklären, weshalb er auf geschlossene Verträge keine Rücksicht nimmt.

Es wäre ein weiterer Tropfen zu viel.

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