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23.12.2016

14:31 Uhr

Monte dei Paschi

Die heikle Rettung

Ein 20 Millionen Euro schwerer Staatsfonds soll die schwer angeschlagene Traditionsbank Monte dei Paschi vorerst retten. Eine Gefahr für die Stabilität der Branche? Anleger jedenfalls reagieren erleichtert.

Monte dei Paschi

Per Notfallverordnung – So soll die älteste Bank gerettet werden

Monte dei Paschi: Per Notfallverordnung  – So soll die älteste Bank gerettet werden

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RomItalien entschärft die Bankenkrise mit einer milliardenschweren Rettungsaktion und bewahrt das Institut Monte Paschi mit Steuergeld vor dem Aus. Nachdem das akut gefährdete drittgrößte Geldhaus des Landes die zur Sanierung benötigten fünf Milliarden Euro bei Anlegern nicht zusammenbekam, zog der Staat die Reißleine: Per Dekret rief das Kabinett von Ministerpräsident Paolo Gentiloni am Freitag einen 20 Milliarden Euro schweren Fonds zur Stabilisierung des Bankensektors ins Leben.

Der Regierungschef sprach von einem „wichtigen Tag für die Bank und die Anleger“. Mit der Stützung des ältesten Geldhauses der Welt zieht er eine Brandmauer hoch, die eine Ausbreitung der Krise verhindern und die Sparer schützen soll. Allerdings wächst mit Milliardenhilfen der ohnehin hohe Schuldenberg Italiens.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Die Ratingagentur Moody's begrüßte den Schritt und sprach davon, dass die Gefahr einer Ansteckung größerer Banken damit gemindert worden sei. Die Branche ächzt in Italien unter einer Last fauler Kredite in Höhe von 356 Milliarden Euro. Ein Drittel aller Problemdarlehen in den Staaten der Währungsgemeinschaft stecken damit in den Büchern italienischer Geldhäuser. Mit dem von der Regierung geschnürten Milliardenpaket soll die Liquidität im Finanzsystem gesichert und die teils dünne Kapitaldecke der Institute aufgepolstert werden. Dafür kämen auch die Probleminstitute Banca Popolare di Vicenza, Veneto Banca und Banca Carige infrage.

Die Sanierung Monte Paschis ist besonders heikel, da nach EU-Regularien in diesem Fall auch rund 40.000 Kleinanleger ihren Teil zur Rettung des Instituts beitragen müssen. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem pocht dabei auf die als Lehre aus der globalen Finanzkrise geschaffenen Vorschriften, die Steuerzahler bei Rettungsaktionen dieser Art nach Möglichkeit schonen sollen: „So sind nun mal die Regeln“, sagte sein Sprecher. Sie sehen vor, dass zunächst Anteilseigner bluten, damit die Steuerzahler nicht die ganze Last stemmen müssen. Laut Kommission ist zudem ein stabiler Sanierungsplan nötig.

Monte dei Paschi: Italienische Bankenrettung – etwas für Wohlhabende

Monte dei Paschi

Italienische Bankenrettung – etwas für Wohlhabende

Die italienische Regierung hat beschlossen, der Krisenbank Monte dei Paschi mit Milliarden beizuspringen. Kleinanleger mit Bankanleihen sollen keine Verluste erleiden. Doch ganz so arm sind die geschützten Sparer nicht.

Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan hatte den Kleinanlegern jüngst versichert, dass der Staat sie schützen werde: „Falls es zu einem Eingriff der Regierung kommen sollte, wird es keine oder nur minimale Auswirkungen für die Sparer geben.“

Nach Angaben der Regierung müssen viele Details der Rettung noch ausgearbeitet werden. Kleinanleger sollen aber im Vergleich mit Profi-Investoren bevorzugt werden. Am Ende der Rettungsaktion werde das in der Krise ausgebremste Institut wieder „Vollgas“ geben können, sagte Padoan.

Kommentare (4)

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Herr Alexander Simmel

23.12.2016, 09:43 Uhr

Konkursverschleppung ist ein Straftatbestand!!!
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
 

Lothar dM

23.12.2016, 10:52 Uhr

Die politischen Verantwortlichen haben Konkursverschleppung bei Monte Paschi zugelassen und somit einen Abfluss von Geldern aus der Bank iHv von sage und schreibe 5 Mrd EUR aus der Konkursmasse ermöglicht. Wer hat da wem geholfen? Dieses Geld muss nun vom Steuerzahler aufgebracht werden ... und es signalisiert anderen Anlegern bei anderen italienischen Instituten es gleich zu tun, also auch einen massiven Kapitalabfluss einzuleiten, der am Ende an den Steuerzahlern, ja auch an den deutschen via die sog. "EUR-Rettungsfonds", hängenbleibt.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
 

Herr Walter Schwede

23.12.2016, 17:16 Uhr

Im Titel steht: 20 Millionen. Das reicht ja wohl höchstens für die Gehälter der Manager. Milliarden müssen's wohl schon sein. Googeln Sie doch mal: "Monti fordert Aufklärung rund um Monte dei Paschi". Schönen Tag noch...

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