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25.10.2016

11:26 Uhr

Monte dei Paschi

Italiens Krisenbank will bald Milliarde verdienen

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Dieses Jahr wird das Geldhaus Monte dei Paschi einen Milliardenverlust machen. Doch statt staatlicher Stützung soll eine Sanierung aus der Krise helfen – ein Happy End ist geplant.

Monte Dei Paschi Di Siena gilt als älteste noch existierende Bank der Welt. Reuters

Bank mit jahrhundertelanger Tradition

Monte Dei Paschi Di Siena gilt als älteste noch existierende Bank der Welt.

SienaDie angeschlagene italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) stellt sich nach der im Sommer geglückten Rettung neu auf. Im Zuge der Sanierung sollen rund 2.600 Stellen gestrichen (zehn Prozent der Arbeitsplätze) und etwa 500 Zweigstellen geschlossen werden, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Zudem sollen Geschäftsteile verkauft werden.

In diesem Jahr erwartet das Institut wegen höherer Kreditabschreibungen einen Verlust von 4,83 Milliarden Euro. Hintergrund seien auch die Kosten für den Sanierungsplan, in dessen Zuge zudem die Kapitalausstattung um fünf Milliarden Euro gestärkt werden soll, so das drittgrößte italienische Geldinstitut. Insgesamt hat die Bank seit 2011 rund 20 Milliarden Euro Minus gemacht. Eine Ausnahme bildete das vergangene Jahr, in dem die Bank dank Sondererträgen einen Gewinn einfuhr.

Im Sommer hatte Monte dei Paschi mit einem Rettungsplan einen großen Schritt aus der Krise gemacht, eine immer wieder diskutierte staatliche Rettung wurde vermieden. Faule Kredite im Volumen von 28 Milliarden Euro sollen an eine Sondergesellschaft abgegeben werden.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Im September war dann der Chef der Bank ausgewechselt worden, Ex-Finanzvorstand Marco Morelli hat jetzt das Sagen. Ende November sollen die Aktionäre der 1472 gegründeten ältesten Bank der Welt der Kapitalerhöhung zustimmen. Beim europäischen Banken-Stresstest 2014 und in diesem Sommer hatte das Geldhaus aus der Toskana jeweils am schlechtesten abgeschnitten. Auch andere Institute in Italien ächzen unter einer Milliardenlast an ausfallgefährdeten Krediten. Insgesamt ist die Rückzahlung von Darlehen über 360 Milliarden Euro fraglich.

An der Börse in Mailand stieß der Sanierungsplan auf Wohlwollen. Die Papiere der Bank schossen um über 20 Prozent in die Höhe. Bereits in der vergangenen Woche waren die Aktien von Monte dei Paschi bei Anlegern wieder gefragt gewesen. Trotz des jüngsten Kursplus haben sie in diesem Jahr aber mehr als 70 Prozent an Wert verloren.

Die Bank gibt sich ein ehrgeiziges Ziel: 2019 soll ein Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro erzielt werden.

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