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25.11.2016

08:38 Uhr

Monte dei Paschi

Milliarden nach Marathonsitzung

VonRegina Krieger

Nach neunstündigen Beratungen haben die Aktionäre der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi einer Kapitalerhöhung zugestimmt. Um die dünne Kapitaldecke zu stärken, soll es außerdem einen Schuldentausch geben.

Das kriselnde Geldinstitut hatte beim europäischen Banken-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten. Reuters

Monte Dei Paschi

Das kriselnde Geldinstitut hatte beim europäischen Banken-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten.

RomFünf Milliarden Euro einsammeln noch in diesem Jahr – diesen Auftrag gaben die Aktionäre der toskanischen Krisenbank Monte dei Paschi am Donnerstagabend an die Geschäftsführung. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung stimmten sie nach einer neunstündigen Marathonsitzung mit 96,13 Prozent der Stimmberechtigten für die Kapitalerhöhung. Die Versammlung war beschlussfähig, weil 22,3 Prozent des Kapitals und damit mehr als die gesetzlich geforderten 20 vertreten waren.

Die Bank hat für die Ausgabe neuer Aktien einen Höchstpreis von 24,90 Euro je Anteilsschein gesetzt. Das gab das älteste noch aktive Bankhaus der Welt am Freitag bekannt. Es wird die dritte Kapitalerhöhung des Geldhauses in drei Jahren.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Der neue CEO Marco Morelli hatte sie als Teil seines Sanierungsplans gefordert. „Ich bin kein Wahrsager, das ist aber eine Operation, die anders ist als alle bisherigen, denn sie löst auf radikale Art und Weise das Problem der faulen Kredite“, sagte er den Aktionären in Siena. Jetzt hänge es davon ab, wie sich die Bankenaufsicht verhalte. Die faulen Kredite belasten die Bank mit neun Milliarden Euro.

Vor dem Votum war der Versammlung eingebläut worden, dass im Fall eines Scheitern der Bank das Bail-In in Kraft treten werde, die seit Jahresbeginn in Europa eingeführte Haftung der Gläubiger und das in einem Volumen von 13 Milliarden Euro.
Um die dünne Kapitaldecke zu stärken – Monte dei Paschi verbuchte in den ersten neun Monaten des Jahres einen Nettoverlust von 4,5 Milliarden Euro – soll es außerdem einen Schuldentausch geben.

Die Bank rechnet damit, so rund 1,043 Milliarden Euro einzunehmen. Der Tausch soll am Montag starten. Je mehr Gläubiger dieses Angebot annehmen, desto weniger Geld muss sich die Bank über die Kapitalerhöhung besorgen. Monte dei Paschi hatte beim europäischen Banken-Stresstest 2014 und bei der Prüfung in diesem Sommer am schlechtesten abgeschnitten.

Verfassungs-Referendum: Monte dei Paschi plant Schuldentausch

Verfassungs-Referendum

Monte dei Paschi plant Schuldentausch

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi plant einen milliardenschweren Schuldentausch. Dieser soll kurz vor dem Verfassungsreferendum stattfinden. Der Tausch muss aber noch von der EU-Kommission genehmigt werden.

Zum Rettungsplan gehören neben der Kapitalerhöhung und dem Schuldentausch auch der Verkauf von Risikodarlehen von rund 27 Milliarden Euro. Doch erst im nächsten Jahr, im ersten Halbjahr 2017, rechnet Monte dei Paschi mit den Ergebnissen der Prüfung seiner Bücher durch die Bankwächter der Europäischen Zentralbank.

Ein Tag vor dem Stresstest, Ende Juli, hatte die Bank einen Rettungsplan veröffentlicht, um sich wie von der Europäischen Zentralbank verlangt mit privaten Mitteln und ohne Staatshilfe ihrer nicht bedienbaren Kredite zu entledigen. Die Börse in Mailand quittierte das Votum der Aktionäre schon vorher mit einem Sprung nach oben. Die Entscheidung zur Kapitalerhöhung fiel erst nach Börsenschluss. Wenn die Kapitalerhöhung und das Abstoßen der faulen Kredite nicht gelinge, gebe es keinen „Plan B“, hatte die Bank am Tag zuvor mitgeteilt.

CEO Morelli erklärte, die Entscheidungen der Bank seien abgekoppelt vom Referendum über die Verfassungsänderung, das am 4. Dezember stattfindet. Ein „Nein“ könnte Italien in eine Phase der politischen Instabilität stürzen. Und eine weitere italienische Bank, die HVB-Mutter Unicredit, will erst nach dem Referendum ihren Sanierungsplan bekannt geben, zu dem eine noch höhere Kapitalerhöhung gehören soll.

Kommentare (4)

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Frau Pia Paff

25.11.2016, 09:48 Uhr

Italien ist pleite ... pleiter geht nicht. Die Lachnummer Renzi gehört weg.

Herr Peter Delli

25.11.2016, 09:53 Uhr

EZB warnt überraschend deutlich vor dem Crash..
Es geht dem Ende zu, Geld abholen Leute und umtauschen in Fränkli oder Dollar.

Frau Pia Paff

25.11.2016, 09:59 Uhr

@ Peter Delli
In Fränkli???? Kennst den Kurs wohl nicht ... oder hast etwas geraucht? Die Kohle legt man natürlich in VW Aktien an. Langfristige Rendite 20%!!!!!

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