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30.12.2016

11:01 Uhr

Monte dei Paschi

Rettung der Krisenbank kostet Italien 6,6 Milliarden Euro

An der Rettung der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi fällt gemäß den Vorschriften auch auf den Steuerzahler zurück. Die Notenbank in Rom schätzt den Kapitalbedarf auf 6,6 Milliarden Euro, die EZB auf mehr.

Die italienische Krisenbank hatte ihren Kapitalbedarf auf fünf Milliarden Euro geschätzt, die EZB geht von 8,8 Milliarden Euro aus. Reuters

Monte dei Paschi

Die italienische Krisenbank hatte ihren Kapitalbedarf auf fünf Milliarden Euro geschätzt, die EZB geht von 8,8 Milliarden Euro aus.

Brüssel/Rom/FrankfurtDie Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena kostet den italienischen Staat nach Schätzungen der Notenbank rund 6,6 Milliarden Euro. Die Banca d'Italia bezifferte am Donnerstagabend erstmals offiziell den Aufwand. 4,6 Milliarden davon müsse der Staat unmittelbar in die Bank einschießen, zwei Milliarden Euro werde später die Entschädigung der rund 40.000 Privatanleger kosten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Kapitalbedarf der drittgrößten Bank des Landes auf rund 8,8 Milliarden Euro taxiert - mehr als Monte dei Paschi selbst geschätzt hatte. Wie von der EU vorgeschrieben, müssen an der Rettung auch die Anleger beteiligt werden – mit 2,2 Milliarden Euro. Etwa so viel hatte der Tausch von Anleihen in neue Aktien des Instituts gebracht.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Nach italienischen Zeitungsberichten vom Freitag will Monte dei Paschi im nächsten Jahr rund 15 Milliarden Euro Fremdkapital aufnehmen, um wieder flüssig zu sein und das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen. Laut „La Repubblica“ sollen Anleihen und Geldmarktpapiere emittiert werden, ein Drittel Kürzläufer, der Rest dreijährige Papiere. Der italienische Staat werde dafür Garantien geben. Die EU-Kommission hatte die Genehmigung für staatliche Liquiditätshilfen für Monte dei Paschi und andere Banken am Donnerstag um sechs Monate gebilligt. Sie stünden im Einklang mit den EU-Regularien, hieß es in der Mitteilung. Die geplante Kapitalspritze für die älteste Bank der Welt muss aber davon getrennt geprüft werden.

Die EU verlangt, dass Staatshilfen für Banken nicht gegeben werden dürfen, ohne dass zuvor die privaten Gläubiger zur Kasse gebeten werden. Monte dei Paschi hatte diese aufgefordert, ihre Nachranganleihen in neue Aktien zu tauschen – ein Risiko. Dabei kamen 2,3 Milliarden Euro herein. Kleinanleger, denen die Bank massenhaft Anleihen verkauft hatte, sollen aber vom Staat entschädigt werden. Er will ihnen die Aktien wieder abkaufen und dafür erstrangige Anleihen ausgeben.

Monte dei Paschi: Einmal abwickeln, bitte!

Monte dei Paschi

Premium Einmal abwickeln, bitte!

Ist es wirklich unausweichlich, dass der italienische Staat das älteste Geldhaus der Welt vor dem Untergang bewahrt? Nein! Warum die desolate Bank Monte dei Paschi besser zerschlagen werden sollte. Eine Analyse.

Die Regierung in Rom hat einen 20 Milliarden Euro schweren Fonds zur Stabilisierung des Bankensektors eingerichtet. Dieser soll zunächst zur Rettung von Monte dei Paschi verwendet werden. Angesichts der Probleme des Bankhauses aus Siena sind Zweifel aufgekommen, ob die Summe noch für andere angeschlagene Häuser reichen wird. Italien hatte die Sanierung der Branche über Jahre verschleppt. So türmte sich ein mehrere hundert Milliarden Euro schwerer Berg fauler Kredite in den Büchern auf.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

29.12.2016, 17:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Novi Prinz

30.12.2016, 10:54 Uhr

6,6 Milliarden ! .. zum Ersten , zum Zweiten , zum ????
wer bietet 19,9 Milliarden ?

Herr Leo Löwenstein

30.12.2016, 11:31 Uhr

Das wird auch erst der Anfang sein.

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