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19.12.2016

15:07 Uhr

Monte dei Paschi

Rettung durch Privatinvestoren hängt am seidenen Faden

Ob die italienische Krisenbank durch Privatinvestoren saniert werden kann, ist ungewiss. Der Bankenrettungsfonds Atlante äußerte zuletzt Bedenken gegen einen wichtigen Teil des Rettungsplans.

Die Krisenbank braucht bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro frisches Kapital. dpa

Monte dei Paschi di Siena

Die Krisenbank braucht bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro frisches Kapital.

MailandDie Sanierung der italienischen Bank Monte dei Paschi durch private Investoren hängt am seidenen Faden. Der Bankenrettungsfonds Atlante habe per Schreiben vom Samstag „tiefgreifende Vorbehalte” gegen einen wichtigen Teil des Vorhabens vorgebracht, teilte Monte Paschi am Montag mit.

Dabei geht es um die Bedingungen eines Brückendarlehens. Es steht in Zusammenhang mit Plänen, faule Kredite im Volumen von 28 Milliarden Euro abzustoßen. Falls die von der Verwaltung des Fonds, Quaestio, vorgebrachten Bedenken nicht ausgeräumt werden könnten, werde das Rettungsmanöver nicht mehr rechtzeitig gelingen.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Das Geldhaus ächzt wie die gesamte Branche in Italien unter einem Berg fauler Kredite, der sich im Zuge einer hartnäckigen Konjunkturflaute angehäuft hat. Die Krisenbank braucht bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro frisches Kapital. Dazu sollen Anleger neue Aktien kaufen. Institutionelle Investoren, die mit 65 Prozent den Großteil der Kapitalerhöhung übernehmen sollen, haben dafür Zeit bis Donnerstag.

Für Altaktionäre und Kleinanleger endet die Zeichnungsfrist bereits am Mittwoch. Parallel zur Kapitalerhöhung bietet die Bank Investoren, die ihre Anleihen halten, einen Umtausch in Aktien an. Das Angebot läuft noch bis Mittwoch. Je besser es angenommen wird, desto geringer kann das Volumen der Kapitalerhöhung ausfallen. Die Rettungsaktion soll insgesamt 558 Millionen Euro kosten. Der größte Batzen sind 200 Millionen Euro, die Atlante dafür erhalten soll, dass er MPS einen großen Teil der faulen Kredite abnimmt. Die Mehrheit des Rettungsfonds liegt bei privaten Investoren.

Monte dei Paschi: Krisenbank bricht um elf Prozent ein

Monte dei Paschi

Krisenbank bricht um elf Prozent ein

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi hat ihre milliardenschwere Kapitalerhöhung gestartet. Das setzt der Aktie stark zu. Die Papiere stürzen um bis zu elf Prozent ab.

Die Regierung in Rom hat bereits Unterstützung signalisiert, falls das ins Taumeln geratene Institut aus der Toskana nicht genügend Kapital einsammeln kann. Allerdings müssten nach den EU-Regularien auch Privatanleger Verluste tragen, wenn der Staat einem Geldhaus zur Seite springt. Das wäre in diesem Fall politisch sehr brisant. Der Wirtschaftsweise Christoph M. Schmidt warnte, Staatshilfen würden den Glauben an die neuen Regeln zur Bankenrettung in Europa untergraben.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.12.2016, 15:49 Uhr

Ein Privater Investor schaut sich erst einmal an, ob etwas noch Substanz hat oder ob etwas schon so ausgezehrt ist, dass es einfach nur noch Hohl ist.
Diese Bank scheint mir schon so entkernt zu sein, dass sich noch schwer irgendwelche Privaten Investoren finden werden. Trotz der Draghi-EUR Druckmaschine = deutschen Steuerzahler, Rentner und Sparer im Hintergrund.
Im Umkehrschluss lässt dies auch einen Einblick zu, wie weit wir in Deutschland schon unsere Renten, Ersparnisse und Steuergelder durch eine Grün-Sozialistische Merkel Regierung verspielt haben.

Marian-Soreia Mey

19.12.2016, 17:38 Uhr

Etwas Schwargeld zum Waschen kann man doch geben, immerhin geht es um die Ehre der Mafia.

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