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25.11.2016

13:26 Uhr

Monte Paschi

Neue Sorgen um Krisenbank

Obwohl die Aktionäre einer Kapitelerhöhung zugestimmt haben, gibt es bisher keine verbindlichen Zusagen von Investoren. Die Aktien sackten daraufhin um sechs Prozent ab – die weltälteste Bank kämpft weiter ums Überleben.

Investoren haben noch keine verbindlichen Zusagen für eine Kapitalerhöhung gegeben. Auch das anstehende Verfassungsreferendum in Italien sorgt für Unsicherheit. AP

Zentrale der Bank Monte Dei Paschi

Investoren haben noch keine verbindlichen Zusagen für eine Kapitalerhöhung gegeben. Auch das anstehende Verfassungsreferendum in Italien sorgt für Unsicherheit.

MailandAuch nach dem grünen Licht der Aktionäre für eine Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe halten sich Zweifel an der Rettung der italienischen Krisenbank Monte Paschi. Die Aktien der ältesten Bank der Welt fielen an der Mailänder Börse am Freitag um rund sechs Prozent auf knapp 22 Cent.

Der neue Vorstandschef Marco Morelli hatte am Donnerstag auf der Hauptversammlung eingeräumt, er habe bei Gesprächen mit rund 250 Investoren keine festen Zusagen für eine Teilnahme an der fünf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung bekommen. Für Unsicherheit sorgt das Verfassungsreferendum in Italien am kommenden Sonntag, an das Ministerpräsident Matteo Renzi seine Zukunft geknüpft hat.

Die mehr als 550-jährige Geschichte von Monte Paschi

1472 bis 1624: Gründung

Gegründet wurde das älteste heute noch existierende Bankhaus aus der Not heraus. Nachdem die Pest nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Siena ausgerottet hatte, gründeten mehrere franziskanische Mönche Pfandhäuser, um den Armen auf die Beine zu helfen. Daraus entstand 1472 die Monte Pio. Nahezu 200 Jahre behielt sie diesen Namen, bis sie ihn 1624 in Monte dei Paschi änderte. Das sollte ihren Fokus auf Landwirtschaftskredite betonen.

1936: In Zeiten des Faschismus

Unter dem faschistischen Führer Benito Mussolini wird die Bank unter die Kontrolle lokaler Politiker gestellt. Einige ihrer Gewinne werden zu der Zeit abgezweigt, um zivile Aktivtäten zu fördern, so etwa das Palio-Pferderennen in Siena.

1995: Aufspaltung

Im Jahr 1995 dann wird das ehemalige Pfandhaus eine Aktiengesellschaft. Fortan operiert sie unter ihrem heutigen Namen: Banca Monte dei Paschi di Siena SpA. Gleichzeitig teilt sich das Bankhaus in zwei Teile. Die Banca Monte dei Paschi Siena SpA und die Fondazione Monte dei Paschi di Siena, eine Non-Profit-Stiftung. Letztere übernimmt eine Kontrollfunktion und nutzt die ausgeschütteten Dividenden, um zivile Projekte zu unterstützen.

1999: Börsengang

Kurz vor der Jahrtausendwende, 1999, geht die Bank an die Börse. Wird sie am Anfang noch für einem Aktienpreis von 3,85 Euro gelistet, ist sie dank riesiger Nachfrage schon bald das zehnfache Wert.

2007: Aufstieg

Nach dem Börsengang geht es steil bergauf für das alteingesessene Geldhaus. Nachdem Monte Paschi 2007 den Rivalen Antonveneta gekauft hatte, wurde die Bank zum drittgrößten Kreditgeber Italiens. Der Wert des Deals wurde damals auf über neun Milliarden Euro taxiert.

2008 bis 2011: Verluste und Finanzspritze

Zwischen 2008 und 2011 nutzt der damalige Chef von Monte Paschi, Giuseppe Mussari, insbesondere Derivate, um Verluste in Höhe von mehr als 925 Millionen US-Dollar wieder auszugleichen. Dafür zahlt die italienische Bank mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren an Merrill Lynch, JPMorgan Chase & Co und die Deutsche Bank. 2009, inmitten der europäischen Finanzkrise, muss die italienische Regierung die Bank mit 1,9 Milliarden Euro unterstützen.

2012 bis 2013: Bailout

Zu Beginn des Jahres 2012 tritt Giuseppe Mussari, damaliger Chef der Bank, zurück. Kurz darauf erregen zwei Mitteilungen der Bank die italienischen Gemüter: Um Verluste zu verdecken, hatte sich die Bank je zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank und Nomura Holding geliehen – doch vergebens. Nur einen Monat später muss die italienische Regierung die Bank mit 4,07 Milliarden Euro unterstützen. Die EU segnet daraufhin einen Sanierungsplan für die Bank ab. Dieser sieht mehr als 8.000 Kündigungen und einem Verkauf von 3 Milliarden Euro in Dividenden vor.

2014 bis 2015: Verurteilung und faule Kredite

Nur ein Jahr nach der Absegnung des Sanierungsplans fällt die Bank durch den Stresstest der EZB. Mehr als 2,5 Milliarden Euro würden dem Geldhaus im Ernstfall fehlen, so die Kalkulation. Im selben Monat werden drei ehemaliger Mitarbeiter, darunter Ex-Chef Mussari, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie legten Berufung ein. Ende des Jahres dann der nächste Schock: Die Bank besitzt mehr als 52 Milliarden an faulen Krediten. Nur die Hälfte davon ist gedeckt.

2016: Versagen beim Stresstest

Doch die Bank kommt einfach nicht zur Ruhe. Zu Beginn des Jahres stürzt die Aktie von Monte Paschi um 61 Prozent ab. Nur wenige Monate später starten Gespräche zwischen Italien und der EU-Kommission, um einen Plan zu entwickeln, Monte Paschi zu rekapitalisieren. Im Juli dann fällt die Bank durch den Stresstest für Kreditgeber: Unter Annahme des härtesten Szenarios wäre von Monte Paschis Kapital nichts mehr übrig. Die Bank plant nun, faule Kredite in Höhe von 27,7 Milliarden Euro für einen Gesamtpreis von 9,2 Milliarden Euro zu veräußern.

Ende 2016: Verstaatlichung

Kurz vor Weihnachten beschließt die italienische Regierung ein Bankenrettungspaket. Monte dei Paschi beantragt eine staatliche Rekapitalisierung. Die drittgrößte Bank des Landes steht unmittelbar vor der Verstaatlichung.

Scheitert Renzi, sehen Investoren auch die Kapitalerhöhung bei der drittgrößten Bank des Landes in Gefahr. Die Emission soll am 7. oder 8. Dezember - also nach der Abstimmung - starten und vor Weihnachten abgeschlossen sein. Doch die italienische Notenbank hat bereits vor Marktturbulenzen nach dem Referendum gewarnt.

Den maximalen Preis für die neuen Aktien setzte das Geldhaus nun auf 24,90 Euro fest. Vorher plant es einen Kapitalschnitt, bei dem je 100 Monte-Paschi-Aktien zu einer zusammengelegt werden sollen. Im Zuge dessen ist ein Tausch von bis zu 5,3 Milliarden Euro Verbindlichkeiten in Eigenkapital vorgesehen, mit dem die Traditionsbank aus der Toskana ihren Kapitalbedarf senken will. Die Anleihegläubiger müssen sich also vor der Abstimmung entscheiden - ein großer Unsicherheitsfaktor, wie Analyst Luca Comi von ICBPI sagt.

Prüfungsergebnisse der EZB: Monte Paschi will bis Sommer Klarheit

Prüfungsergebnisse der EZB

Monte Paschi will bis Sommer Klarheit

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi rechnet im ersten Halbjahr 2017 mit den Ergebnissen der Prüfung seiner Kreditbücher durch die Bankwächter der Europäischen Zentralbank. Vorher steht eine Kapitalerhöhung an.

Die Bank braucht frisches Kapital, um die Verluste aus dem Verkauf fauler Kredite im Volumen von 28 Milliarden Euro auszugleichen. Wenn das nicht klappt, braucht sie Staatshilfe - doch dann müssten nach den neuen Vorschriften der EU zunächst die Anleger bluten. Ein sensibles Thema - denn 55 Prozent an Monte Paschi halten rund 150.000 Kleinanleger. Ihr größter Anteilseigner ist der Staat mit vier Prozent, seit er der Bank in der Finanzkrise Geld geliehen hatte.

Ihr einstiger Großaktionär, die Monte-Paschi-Stiftung, die noch 0,7 Prozent besitzt, hält sich nach eigenen Angaben offen, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitziehen wird. Gleiches gilt für den neuen Verwaltungsratschef Alessandro Falciai, der knapp zwei Prozent hält. Der Versicherungsriese Generali hatte dagegen signalisiert, er wolle an einer Lösung mitwirken.

Nur mit Mühe hatte die Bank mehr als die nötigen 20 Prozent der Aktionäre zusammengebracht, um die Kapitalerhöhung auf der Hauptversammlung in Siena durchzuwinken. 22,4 Prozent des Kapitals waren am Ende vertreten 96,1 Prozent davon stimmten zu.

Es ist die dritte Kapitalerhöhung der Banca Monte dei Paschi di Siena in den vergangenen drei Jahren. Doch die bisher eingesammelten acht Milliarden Euro sind schon wieder weg. Allein in diesem Jahr ist der Aktienkurs um 80 Prozent eingebrochen.

Von

rtr

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