Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2014

20:44 Uhr

Mord an Banker

Wildwest in Liechtenstein

Ein Liechtensteiner Banker wird in einer Tiefgarage erschossen, der Tatverdächtige ist auf der Flucht. Die Polizei im Fürstentum hat eine Großfahndung nach dem selbsternannten „Staatsfeind Nummer Eins“ ausgerufen.

Die Polizei sucht am Tatort, der Tiefgarage der Liechtensteiner Bank Frick, nach Spuren. dpa

Die Polizei sucht am Tatort, der Tiefgarage der Liechtensteiner Bank Frick, nach Spuren.

BalzersEin Mord erschüttert den Kleinstaat Liechtenstein. Am Montagmorgen wurde ein 48-Jähriger ermordet in der Tiefgarage der Liechtensteiner Bank Frick in Balzers aufgefunden. Nach Informationen des Schweizer Nachrichtensenders Swiss Radio 1 soll es sich dabei um den Geschäftsführer der Bank, Jürgen Frick, handeln.

Den Angaben zufolge wurde der Chef einer Vermögensverwaltungsbank kurz nach 07:00 Uhr in der Tiefgarage des Geldhauses im Ort Balzers unweit von Vaduz erschossen. Der Täter ist auf der Flucht. Tatverdächtig ist nach polizeilichen Erkenntnissen Jürgen H., der frühere Fondsmanager der Bank. Nach dem Scheitern seines Anlagefonds hatte dieser zuletzt eine Millionenklage gegen das Fürstentum, die Bank Frick und seine Verwaltungsräte angestrengt. Allein von Liechtenstein fordert der selbsternannte „Robin Hood von Liechtenstein“ einen Schadenersatz von 200 Millionen Franken.

Kurz nach der Gründung der Fondsgesellschaft hatte die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht die aggressive Werbung seines Fonds moniert. 2003 wurde von der Behörde ein Monitoring-Verfahren gegen den Anlagefonds eingeleitet, was diesen nach Ansicht von H. am Ende ruiniert habe.

Auf seiner Homepage bezeichnet sich der Tatverdächtige als „Staatsfeind Nummer Eins“, er habe „hat dem Gauner- und Schmarotzerstaat Liechtenstein den Kampf angesagt“. Offenbar nun auch mit der Waffe.

Beim Liechtensteinischen Bankenverband ist man erschüttert. „Mit grosser Bestürzung und Betroffenheit haben wir heute erfahren, dass der CEO unserer Mitgliedsbank Frick, Jürgen Frick, gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde“, kondolierte der Verbandspräsident Adolf Real in einer ersten Reaktion. „Wir sind zutiefst erschüttert, unsere Gedanken gelten der Familie des Verstorbenen.“

Die Fahndung der Landespolizei lief zunächst auf Hochtouren, wurde aber um kurz nach 15 Uhr ergebnislos unterbrochen. Alle abkömmlichen Polizisten seien an der Fahndung beteiligt gewesen, erklärte Polizeisprecherin Tina Enz. Das Fluchtfahrzeug, ein weiß-grauer „Smart“ mit Liechtensteiner Kennzeichen wurde bereits in Ruggell (FL) aufgefunden. Das Gebiet wurde derzeit großflächig von Polizisten, Suchhunden sowie Helikoptern nach dem Tatverdächtigen abgesucht. Dabei wurde auch die Jacke des mutmaßlichen Täters mit passendem Autoschlüssel für das Fluchtfahrzeug sichergestellt. Nach polizeilichen Erkenntnissen gilt der Verdächtige als bewaffnet und gefährlich.

Die Polizei ging daher zunächst davon aus, dass der Mann sich in den Rhein gestürzt hat. Es sei ein Abschiedsbrief aufgetaucht, in dem der Ex-Fondsmanager dies angekündigt habe, teilte die Polizei mit. Später hieß es, der Mann sei möglicherweise weiterhin auf der Flucht.

In der Tiefgarage der Bank Frick in Balzers, Liechtenstein wurde der Bankchef heute morgen erschossen aufgefunden. dpa

In der Tiefgarage der Bank Frick in Balzers, Liechtenstein wurde der Bankchef heute morgen erschossen aufgefunden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×