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22.06.2012

14:37 Uhr

Morgan-Stanley-Chef

Bankenaufsicht soll Tauglichkeit von Notheis prüfen

In einem Brief fordern die Grünen im Stuttgarter Landtag die Bankenaufsicht dazu auf, die Zuverlässigkeit von Dirk Notheis zu überprüfen. Der Deutschland-Chef von Morgan Stanley gerät immer weiter in die Kritik.

Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis, gerät immer weiter in die Kritik. dpa

Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis, gerät immer weiter in die Kritik.

StuttgartBei der Aufarbeitung des Kaufs von Anteilen des Energieversorgers EnBW durch das Land Baden-Württemberg wächst die Kritik am Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis. Die Grünen im Stuttgarter Landtag baten die Bankenaufsicht BaFin in einem Brief, Notheis' Tauglichkeit als Banker zu überprüfen, wie die Partei am Freitag mitteilte. Es gebe „hinreichend“ öffentliche Informationen, „welche den Verdacht nahelegen, dass Herr Dr. Dirk Notheis nicht mehr die erforderliche Zuverlässigkeit zur Führung eines Finanzinstitutes besitzt“, hieß es in dem Schreiben.

Morgan Stanley hatte das Land bei dem Geschäft beraten, bei dem es im Dezember 2010 für 4,7 Milliarden Euro 45 Prozent der EnBW-Anteile vom französischen Konzern EdF erworben hatte. Notheis ist ein Jugendfreund des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU). Zuletzt waren E-Mails bekannt geworden, in denen Notheis dem Regierungschef dezidierte Handlungsanweisungen für das mittlerweile umstrittene Geschäft gibt, das Mappus damals ohne Zustimmung des Landtags abgeschlossen hatte.

Unter anderem drängte Notheis den Ministerpräsidenten per Mail dazu, Mandatsangebote anderer Banken zurückzuweisen und einen renommierten Volkswirt zu suchen, der das Geschäft mit EdF als positiv bewerte. In die Kritik geriet Notheis außerdem wegen einer E-Mail an den Chef von Morgan Stanley in Frankreich, René Proglio, den Zwillingsbruder von EdF-Chef Henri Proglio: Dort soll Notheis den Kaufpreis, den das Land - sein Mandant - bereit war zu zahlen, als „mehr als üppig“ bezeichnet haben.

Morgan Stanley wollte die Vorwürfe an den Deutschland-Chef nicht kommentieren. Reuters

Morgan Stanley wollte die Vorwürfe an den Deutschland-Chef nicht kommentieren.

Nach der Enthüllung der E-Mails und harscher Kritik des renommierten ehemaligen Bankers Ludwig Poullain hätten sich die Grünen zu ihrem Schreiben an die BaFin entschieden, teilten diese mit. Poullain, einst Chef der WestLB und Ex-Präsident der Deutschen Sparkassen, hatte im „Handelsblatt“ vom Donnerstag Notheis' Verhalten als „dreist, ungehobelt, schamlos, in Diktion und Wortgebrauch“, bezeichnet und gefragt, ob es die BaFin erlauben könne, „dass ein solcher Mensch, ausgestattet mit einem höchstinstanzlichen Permit, auch künftig noch auf unbedarfte Klienten losgelassen wird“.

Morgan-Stanley-Chef: Kritik an Notheis reißt nicht ab

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FDP- und CDU-Politiker halten sein Verhalten für nicht akzeptabel.

Die BaFin nahm am Freitag nicht Stellung zur Frage, ob sie die Tauglichkeit des Investmentbankers unter die Lupe nimmt. Über Einzelfälle gebe die Behörde generell keine Auskunft, sagte ein Sprecher. Der BaFin fällt die Aufgabe zu, Banker in Führungspositionen zu überprüfen, wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass ihre Zuverlässigkeit und fachliche Eignung nicht mehr gegeben ist. Morgan Stanley wollte die Kritik am Deutschland-Chef und dessen E-Mail-Verkehr mit Mappus am Freitag nicht kommentieren.

Von

afp

Kommentare (2)

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h.morun

23.06.2012, 08:58 Uhr

Interessant ist auch die Frage:

Warum bleibt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft weiter untätig? Strafvereitelung durch CDU Amígos?

Hat Mappus einen Teil der Millionen als Bestechung angenommen?

Account gelöscht!

25.06.2012, 09:11 Uhr

Wenn Dirk Notheis an die EdF schreibt „der Preis sei mehr als üppig“ so könnte er damit gemeint haben, ein höherer Preis wäre nicht zu erzielen und man sollte sich jetzt schnell entscheiden. Zumindest könnte er sich so rechtfertigen

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