Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.11.2011

06:04 Uhr

Muhammad Yunus

„Banken sind schuld an der Euro-Krise“

VonStefan Menzel

ExklusivGeht es um die Euro-Krise, so hat Muhammad Yunus, Nobelpreisträger und Erfinder der Mikrokredite, die Schuldigen bereits gefunden - die Banken. Er findet: Die Institute hätten früher auf die Bremse treten sollen.

Muhammad Yunus ist der Erfinder der Mikrokredite. AFP

Muhammad Yunus ist der Erfinder der Mikrokredite.

WienHerr Yunus, die Regierung in Ihrem Heimatland Bangladesh hat Sie aus der Grameen Bank hinausgedrängt. Sind Sie seitdem arbeitslos geworden?

Ganz im Gegenteil: Ich habe immer noch genug zu tun. Ich engagiere mich intensiv bei den Social-Business-Projekten. Wir gründen weiterhin neue Unternehmen, außerdem werbe ich für neue Projekte. Dazu gehört auch, dass man die Grundprinzipien dieser Art des Wirtschaftens immer wieder erklärt – wie etwa jetzt bei meiner Reise nach Europa.

Und während Sie jetzt hier in Wien sitzen, geht es mit der Grameen Bank zu Hause in Bangladesh zu Ende?

Sie sprechen ein echtes Problem an. Die Zukunft unserer Mikrofinanz-Bank macht mir echte Sorgen. Die Regierung hat sich in die Bank hineingedrängt, weil sie behauptet, es sei ein staatliches Institut. Dabei halten private Anteilseigner mehr als 90 Prozent, nur ein kleiner Rest wird vom Staat gehalten.

Wenn Sie noch dabei wären, gäbe es keine Probleme mit der Bank?

Auch ohne die Einflussnahme der Regierung würde ich jetzt nicht mehr an der Spitze der Bank sein, weil man mit 70 Jahren dann doch den Schlussstrich ziehen muss. Aber ohne die Einflussnahme der Regierung wäre die Unabhängigkeit der Bank viel eher gewährleistet.

Weshalb interessiert sich Ihre Regierung so stark für die Grameen Bank?

Es ist einfach ein interessantes Institut, das eine große Bedeutung in meinem Land hat. Die Grameen Bank hat Millionen von Kunden, das lockt den Staat an.

Sie werben jetzt in Europa für Social Business. Kann man hier am ehesten Unternehmen für diese Projekte gewinnen?

Frankreich war das erste Land, das sich dafür eingesetzt hat. Dann hat es nicht lange gedauert und Deutschland kam dazu. Die Otto-Gruppe, BASF und Adidas sind die bekanntesten Beispiele aus der Bundesrepublik. Man kann hier also einiges erreichen. Aber auch in anderen Teilen der Welt wie Japan sind Unternehmen sehr aktiv in dieser Sache.

Aus Schwellenländern wie etwa Indien kommt weniger für das Social Business?

Sie zielen mit Ihrer Frage auf die Einkommensverhältnisse ab. Aber ganz ehrlich, Geld spielt bei den Social-Business-Projekten eine untergeordnete Rolle. Es geht viel mehr darum, dass man eine Idee hat, dass es Klick macht. Und dann muss man diese Idee einfach nach ökonomischen Prinzipien umsetzen. Der Ein-Euro-Schuh von Adidas etwa war so eine Idee, die in die ärmeren Länder passt. Außerdem muss ich Ihnen widersprechen: Es sind viele große indische Konzerne dabei. Diese Unternehmen sind in Europa aber einfach nicht bekannt. Eines, das man hier auch kennt, ist ArcelorMittal, der große Stahlkonzern.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.11.2011, 06:44 Uhr

Da wir alle mal gelegentlich Fernsehen, wissen wir wer in den Finanzausschüssen des Bundestages, wo man Gesetze gegen die Willfährigkeiten der Banker auf den Weg bringen sollte sitzt.Na, Banker natürlich, Die können nicht alleine Schuld sein wenn sie mit Schäuble und Kollegen an den selben Tisch eingeladen werden. Man möchte sich gar nicht überlegen warum die Politiker das tun.

Lupo

15.11.2011, 07:23 Uhr

Die Banken haben einfach nur die Möglichkeiten genutzt, die die Politik ihnen geboten hat. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb hat diese auch die Verantwortung dafür, dass alles so weit gekommen ist. Die Staatsschulden in unverantwortbare Höhen treiben, die Finanzregulierungen abschaffen, den Euro einführen und damit die Schuldenspirale in den Südländern immer weiter anheizen; alles Werke der Politik und der sogenannten "Visionäre".

In deren Reihen sind auch die Verantwortlichen zu suchen, nicht primär bei den "bösen Banken".

Account gelöscht!

15.11.2011, 08:31 Uhr

@Lupo ... soweit so gut! Böse wurden die Banken erst als Sie Staat und Bürger erpresst haben um weiter Fette gewinne einfahren zu können!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×