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26.09.2011

09:18 Uhr

M&A-Geschäfte

Trübe Aussichten für Investmentbanken

VonPeter Köhler, Robert Landgraf, Christian Panster

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen zeigt sich zweigeteilt: Im Vergleich zum ersten Halbjahr, als das M&A-Geschäft durch große Übernahmen florierte, fiel das dritte Quartal mager aus. Das könnte so bleiben.

T-Mobile-Filiale in Manhattan: Große Übernahmen, wie der geplante Kauf von T-Mobile USA durch AT&T, bestimmten in den letzten drei Quartalen das M&A-Geschäft. ap

T-Mobile-Filiale in Manhattan: Große Übernahmen, wie der geplante Kauf von T-Mobile USA durch AT&T, bestimmten in den letzten drei Quartalen das M&A-Geschäft.

FrankfurtFür den Deutschland-Chef der Investmentbank Rothschild steht fest: Im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) gibt es krisenbedingt eine Zweiteilung. "Die Mehrheit der großen, global aufgestellten Konzerne steht ausgezeichnet da und besitzt starke Bilanzen", sagt Martin Reitz. Angesichts der beschleunigten Globalisierung kauften sie neue Unternehmen auch in Phasen von Unsicherheit. Anders bei Firmen, die nicht so gut dastehen und eine schlechte Bonitätsbewertung aufweisen. "Sie müssen verstärkt den Kapitalmarkt nutzen, da sich Banken bei der Kreditvergabe an diese Adressen tendenziell zurückhalten", ergänzt er.

Diese Zweiteilung zeigt sich deutlich im Ergebnis der deutschen M&A-Branche: In den ersten neun Monaten des Jahres bestimmten große Übernahmen wie der geplante Verkauf von T-Mobile USA an den amerikanischen Telekomkonzern AT&T das Geschäft. 39 Milliarden Dollar will die Deutsche Telekom dafür einnehmen. Ein großer Brocken ist auch die Fusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange im Wert von 12,2 Milliarden Dollar.

Top 10 Banken - Anleiheemissionen (1. bis 3. Quartal 2011)

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Anders als bei Fusionen und Übernahmen zeichnet sich die Rangliste für den Bereich Anleiheemissionen in erster Linie durch Beständigkeit aus. Lediglich ein Neueinsteiger hat den Sprung unter die besten Zehn geschafft, an der Spitze bietet sich dasselbe Bild wie im Jahr zuvor.

1. Platz

Deutsche Bank

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 41,51

Vorjahresplatzierung: 1

Die deutsche Nr. 1 zieht an der Spitze einsam ihre Kreise. Das Geschäft mit Anleiheemissionen brachte dem Konzern nahezu doppelt so viel ein wie dem Zweitplatzierten der Top 10.

2. Platz

Unicredit

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 23,02

Vorjahresplatzierung: 2

Wie der Spitzenreiter zeichnet sich auch die italienische Großbank durch Beständigkeit aus. Doch anders als die Deutsche Bank muss sich die Unicredit in diesem Jahr mit dieser einen Spitzenplatzierung zufrieden geben. In den Bereichen Gebühren für Investment-Banking, Aktienemissionen und Fusionen verpassten die Italiener jeweils den Sprung in die Top 10.

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Barclays Capital

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 19,27

Vorjahresplatzierung: 7

4. Platz

UBS

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 19,26

Vorjahresplatzierung: 9

5. Platz

HSBC Holdings

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 17,67

Vorjahresplatzierung: 5

6. Platz

JP Morgan

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 16,63

Vorjahresplatzierung: 4

7. Platz

Commerzbank

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 16,37

Vorjahresplatzierung: 8

8. Platz

Citigroup

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 14,62

Vorjahresplatzierung: 23

Der einzige Neueinsteiger im Ranking. Wie schon im Bereich Fusionen legte die US-Bank auch hier um 15 Plätze zu und gehört damit 2011 eindeutig zu den Gewinnern. Denn auch die Investment-Sparte bescherte dem Unternehmen in den ersten drei Quartalen hohe Gebühreneinnahmen, weswegen sich die Citigroup dort ebenfalls unter den Top 10 wiederfindet.

9. Platz

DZ Bank

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 13,78

Vorjahresplatzierung: 3

10. Platz

BNP Paribas

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 12,71

Vorjahresplatzierung: 6

Dank solcher Transaktionen lief das Geschäft mit Unternehmensübernahmen bislang gut. Das Volumen summiert sich deutschlandweit auf 114,9 Milliarden Dollar, hat Finanzdatenanbieter Thomson Reuters errechnet - ein Plus von 86 Prozent gegenüber den Vorjahreszahlen. Selbst im globalen Vergleich ein Spitzenwert: Weltweit stieg das Volumen um 17 Prozent auf 1,98 Billionen Dollar. Doch das gute erste Halbjahr verzerrt das Bild: Im dritten Quartal addierten sich die Deals auf magere 13,1 Milliarden Dollar.

Top 10 Banken - Fusionen und Übernahmen (1. bis 3. Quartal 2011)

Neue Gesichter und große Sprünge

In den ersten drei Quartalen 2011 gab es im Bereich Fusionen und Übernahmen viel Bewegung an der Spitze des Banken-Rankings. Gleich fünf Geldhäuser gelang der Sprung unter die ersten Zehn. Den größten Satz legte eine New Yorker Investmentbank hin, die sich von Platz 67 auf den sechsten Rang verbessern konnte.

1. Platz

Credit Suisse

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 68,67

Vorjahresplatzierung: 6

Signifikant zulegen konnten die Schweizer auch bei den Gebühren im Bereich Investment-Banking. Im Vorjahr noch nicht im Ranking vertreten, schob sich das eidgenössische Geldhaus mit 78,6 Millionen Dollar auf Rang sieben.

2. Platz

JP Morgan

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 65,68

Vorjahresplatzierung: 3

Einbußen musste die US-Bank auf dem Gebiet der Aktienemissionen hinnehmen. Dort verlor JP Morgan den Spitzenplatz an US-Konkurrent Goldman Sachs und landete im aktuellen Ranking nur auf Platz vier.

3. Platz

Deutsche Bank

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 65,19

Vorjahresplatzierung: 2

Der deutsche Marktführer kann auf allen Gebieten glänzen. Das Ranking zu den Gebühren im Investment-Banking führt das Unternehmen souverän an, bei den Aktienemissionen musste man lediglich dem US-Schwergewicht Goldman Sachs den Vortritt lassen.

4. Platz

Citigroup

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 59,93

Vorjahresplatzierung: 19

5. Platz

Morgan Stanley

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 55,13

Vorjahresplatzierung: 18

6. Platz

Greenhill & Co.

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 39,11

Vorjahresplatzierung: 67

Die New Yorker Investmentbank Greenhill konnte mit einem Sprung um 61 Plätze in die Top 10 den gewaltigsten Zuwachs verbuchen. In den Rankings zu Aktien- oder Anleihemissionen sucht man die Bank hingegen vergeblich.

7. Platz

Evercore Partners

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 39,00

Vorjahresplatzierung: 20

8. Platz

Goldman Sachs

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 29,22

Vorjahresplatzierung: 1

Im vergangenen Jahr noch Spitzenreiter im Bereich Fusionen, musste der US-Investmentriese im aktuellen Ranking sieben Plätze einbüßen. Besser läuft hingegen das Geschäft mit Aktienemissionen. Hier liegt Goldman Sachs mit einem Volumen von über 7,2 Mrd. US-Dollar souverän an der Spitze vor der Deutschen Bank (4,7 Mrd. US-Dollar).

9. Platz

Barclays Capital

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 15,62

Vorjahresplatzierung: 11

10. Platz

BNP Paribas

Volumen (in Mrd. US-Dollar): 14,13

Vorjahresplatzierung: 10

"Die gute Stimmung des Frühjahrs 2011 hat sich zweifellos verschlechtert", urteilt Wolfram Schmerl, Chef des Investment-Bankings bei Hauck & Aufhäuser. Das liege nicht nur daran, dass die Finanzierung von Übernahmen schwieriger geworden sei. Auch dauerten die Transaktionsprozesse länger und lägen bei sechs bis acht Monaten zwischen Projektstart und Abschluss der Kaufverträge.

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