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21.10.2013

17:12 Uhr

Mutmaßlicher Steuerbetrug

Polizei nimmt Schweizer Ex-Bankmanager fest

Er hielt sich in einem Luxus-Hotel in Italien auf, als die Polizei ihn festnahm: Der 54-jährige Schweizer Ex-Bankmanager soll Kunden aus den USA geholfen haben, Steuern in Milliardenhöhe zu hinterziehen.

Die USA hat den Ex-Bankmanager aus der Schweiz bereits seit Jahren mit internationalem Haftbefehl gesucht. ZB

Die USA hat den Ex-Bankmanager aus der Schweiz bereits seit Jahren mit internationalem Haftbefehl gesucht.

RomDie italienische Polizei hat einen seit Jahren gesuchten früheren Schweizer Bankmanager festgenommen. Die Beamten spürten den 54-Jährigen in einem Luxus-Hotel in der Innenstadt von Bologna auf, wie italienische Medien berichteten. Der frühere Chef der Vermögensverwaltung der Schweizer Bank UBS soll rund 20.000 wohlhabenden amerikanischen Kunden dabei geholfen haben, mit Konten in der Schweiz Steuerzahlungen in ihrem Heimatland zu umgehen.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Der Ex-Manager dementierte die Vorwürfe über seinen Anwalt. Insgesamt soll es bei dem mutmaßlichen Steuerbetrug um eine Summe von 20 Milliarden US-Dollar (etwa 14,6 Milliarden Euro) gehen. Der Schweizer wurde von den USA bereits seit Jahren mit internationalem Haftbefehl gesucht, weshalb nun über eine Auslieferung des Bankers entschieden werden soll.

Von

dpa

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