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24.05.2012

10:41 Uhr

Nach Börsen-Debakel

Morgan Stanley in der Facebook-Falle

VonAstrid Dörner, Robert Landgraf

Nach dem misslungenen Börsen-Start von Facebook gerät die betreuende Bank Morgan Stanley in die Kritik. Sie wollte mit einer erfolgreichen Großemission glänzen. Nun droht der Investmentbank massiver Image-Schaden.

Das Morgan Stanley-Gebäude in New York. dpa

Das Morgan Stanley-Gebäude in New York.

New York/FrankfurtEs hätte die große Show werden sollen für Morgan Stanleys Investmentbanker Michael Grimes. Nach langer Flaute gab es endlich wieder einen Börsengang, der die Euphorie zurück an die Wall Street bringen sollte: Facebook, das weltgrößte soziale Netzwerk, gab den ausgehungerten Anlegern und Banken neue Fantasie. Für Morgan Stanley war es die Chance, sich als die führende Bank für Technologie-Börsengänge zu profilieren. Gemeinsam mit Facebooks Finanzchef David Ebersman zog Grimes die Fäden. So einen Auftrag wollte er sich nicht aus der Hand nehmen lassen.

Doch wenige Tage nach dem größten Börsengang eines Technologieunternehmens steht die Bank vor einem Scherbenhaufen: Gestern reichten Aktionäre in New York Klage ein gegen die Bank, das soziale Netzwerk, seinen Gründer Mark Zuckerberg und weitere am Börsengang beteiligte Institute. Bereits am Dienstagabend ist eine Gruppe anderer Aktionäre in Kalifornien vor Gericht gezogen. Die beiden mächtigsten Finanzaufseher der USA haben angekündigt, sich die Vorgänge genau anzusehen, ebenso wie führende Politiker in Washington. "Der Ruf von Morgan Stanley ist beschädigt, und das wird eine ganze Weile so bleiben", sagt Jeff Sica, der US-Börsengänge seit Jahren beobachtet und die Vermögensverwaltung Sica Wealth Management gegründet hat. Doch der verpatzte Börsengang könnte noch weitere Auswirkungen haben: Marktbeobachter gehen davon aus, dass anderen Unternehmen aus dem Silicon Valley die Lust auf Börsengänge vorerst vergangen ist.

Die Aktionäre werfen dem Facebook-Management und den zuständigen Banken vor, bestimmte Investoren bevorzugt behandelt zu haben. So soll den Aktionären in den Tagen vor dem Handelsbeginn "eine ernst zu nehmende und deutliche Korrektur" in den Umsatzerwartungen der Analysten verschwiegen worden sein, heißt es in der Klageschrift. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Dienstag berichtet, dass die Analysten von Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan Chase wenige Tage vor dem Gang an die Börse ihre Einschätzungen für den Umsatz nach unten korrigiert hatten. Die Analysten sollen von Facebook-Managern zu diesem Schritt angewiesen worden sein, berichteten US-Medien gestern. Den Banken wird vorgeworfen, dass sie diese Information nur bestimmten Kunden mitgeteilt habe. Sie gelten als die führenden Institute rund um den Börsengang, wobei Morgan Stanley die wichtigste Rolle spielte.

Sowohl Morgan Stanley als auch Facebook wiesen die Vorwürfe zurück. Die Facebook-Aktie war am Tag des Börsengangs nur knapp über den Ausgabepreis von 38 Dollar gestiegen und in den Tagen darauf stark eingebrochen. Trotz der Warnungen hatte Morgan Stanley kurz vor dem Börsengang die Zahl der Aktien und die Preisspanne erhöht - was von Investoren heftig kritisiert wird. Gestern eröffnete das Papier zum ersten Mal in dieser Woche im Plus. Die Aktie stieg um über drei Prozent, kostete mit gut 32 Dollar jedoch immer noch deutlich weniger als beim Börsenstart.

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