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31.01.2017

11:27 Uhr

Nach dem Brexit

25 Banken denken über Umzug nach Deutschland nach

VonFelix Holtermann

Rund 25 Banken haben am Montag einen Brexit-Workshop der deutschen Finanzaufsicht besucht. Thema: Verlagerungen nach Deutschland. Das Interesse war größer als erwartet – vor allem aus Großbritannien.

Die deutsche Bankenhauptstadt bekommt durch den Brexit Standortvorteile. dpa

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Die deutsche Bankenhauptstadt bekommt durch den Brexit Standortvorteile.

FrankfurtUrsprünglich hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit 40 Teilnehmern gerechnet. Am Ende kamen rund 50 Vertreter von 25 Banken in die Frankfurter Dependance der BaFin. Sechs Stunden lang ging es um die Folgen des Brexit für Auslandsbanken, die ihr Geschäft nach Deutschland verlagern wollen und welche Vorgaben die Finanzaufsicht in diesem Fall macht.

Der Ansturm habe ihn überrascht, sagte der stellvertretende BaFin-Direktor für die Bankenaufsicht, Peter Lutz: „Als die Idee im November entstanden ist, hatte ich mir einen Workshop in kleiner Runde vorgestellt.“ Dann hätten sich immer mehr Banken angemeldet, auch noch nach Ablauf der Frist Mitte vergangener Woche.

Die Initiative für den Brexit-Workshop ging von BaFin-Präsident Felix Hufeld aus. In den vergangenen Wochen, insbesondere nach der Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May, einen „harten Brexit“ anzustreben, hatten sich viele ausländische Banken an die Aufsichtsbehörde gewandt, um mehr über den Finanzplatz Deutschland zu erfahren.

„Wir erleben einen hohen Gesprächsbedarf auf Seiten der Banken durch den anstehenden Brexit. Der ist ein herber Rückschlag für die Einigung Europas. Aber wir als BaFin können die Situation nicht ändern und müssen als Aufsicht pragmatisch damit umgehen. Die Situation für die Institute wird sich dramatisch verändern“, erklärte Lutz am Montag in Frankfurt.

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Europas Finanzplatz Nummer eins ist bislang London. 40.000 Mitarbeiter beschäftigen allein die fünf größten US-Banken in der City. Doch diese Dominanz könnte nun abnehmen: Mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union droht den Banken der Verlust der sogenannten Passporting-Rechte. Diese ermöglichen es Banken mit Sitz in einem Unionsland, Finanzprodukte innerhalb der ganzen EU anzubieten.

Die Zeit für Neugründungen und Umzüge ist knapp bemessen: Im März könnten die Austrittsverhandlungen starten, im April 2019 könnte Großbritannien die EU verlassen. Viele Großbanken wollen bereits bis zum zweiten Quartal 2017 über Verlagerungen entscheiden. Bis Neugründungen von der Aufsicht genehmigt sind, können 18 bis 24 Monate vergehen.

„Ausländische Banken sind willkommen. Wir erwarten allerdings auch, dass sie tatsächlich hierher kommen. Es reicht nicht, einen Briefkasten anzuschrauben und eine Vertriebseinheit zu stationieren“, stellte Bankenaufseher Lutz klar. Vielmehr müssten unter anderem das Management der deutschen Tochter und ein angemessenes Risikomanagement hierzulande angesiedelt werden.

Banken, die Geschäft nach Deutschland verlagern wollen, gebe die BaFin eine verlässliche Geschäftsgrundlage. Es müssten aber auch „Gefahren für den deutschen Finanzsektor“ verhindert werden, so Lutz weiter. Eine „Aufsichtsarbitrage“ werde es nicht geben, heißt: Die BaFin will laut eigener Aussage ihre Aufsicht nicht lax handhaben, um mehr Institute anzulocken.

Kommentare (1)

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Herr Tomas Maidan

30.01.2017, 17:19 Uhr

Wann wird es sich bei den Menschen endlich herumsprechen, dass der Zerfall der EU enorme Nachteile für alle Bürger bringen wird?

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