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16.01.2012

13:49 Uhr

Nach dem Downgrade

Banken blicken in den Abgrund

VonTino Andresen

Das Schicksal von Banken und Staaten ist eng miteinander verknüpft. Deshalb trifft die Herabstufung etlicher Euro-Staaten auch die Geldhäuser. Sie stecken in einer gefährlichen Klemme.

Unicredit-Zentrale in Mailand: Italiens größte Bank kann sich frisches Kapital nur zu ungünstigen Bedingungen beschaffen. AFP

Unicredit-Zentrale in Mailand: Italiens größte Bank kann sich frisches Kapital nur zu ungünstigen Bedingungen beschaffen.

DüsseldorfBanken halten viele Staatsanleihen, in der Regel vor allem die ihrer Heimatländer. Deshalb ist die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von neun Euro-Ländern Ende vergangener Woche durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) ein Problem für sie - auch weil der Schritt eine Reaktion auf die ausufernde Staatsverschuldung ist, die wiederum das Wirtschaftswachstum bremst und so zu umfangreicheren Kreditausfällen der Institute führt. Wenn sich, wie von S&P bereits angedroht, die Ratings der Banken verschlechtern, steigen ihre Refinanzierungskosten.

Und das in einer Situation, in der es für die Institute ohnehin immer schwieriger wird, sich Geld zu beschaffen – auch weil sie sich die untereinander immer weniger vertrauen. Das kommt darin zum Ausdruck, dass die rund 6000 bei der Europäischen Zentralbank (EZB) registrierten Banken über das Wochenende erneut eine Rekordsumme hinterlegt haben. Sie überwiesen am Freitagabend fast eine halbe Billion Euro, exakt 493,3 Milliarden Euro, um ihr Geld so zu sichern - mehr als je zuvor, wie die EZB am Montag mitteilte. 

Dieser sogenannte Angstbetrag stieg in den vergangenen Wochen kontinuierlich. Händler sehen das als Ausdruck für das Misstrauen, das die Banken gegeneinander hegen, weil sie ihre überschüssige Liquidität sonst aneinander verleihen würden. 

Zudem hatte die EZB im Dezember fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre an Geldhäuser verliehen. Damals hatten sich offenbar vor allem italienische Banken, darunter Marktführer Unicredit, mit Geld versorgt. Italiens größte Bank hatte allein im dritten Quartal einen Rekordverlust von zehn Milliarden Euro erlitten. Das Institut hat angekündigt, bis 2015 etwa 7300 Stellen zu streichen und damit auf jeden achten Beschäftigten zu verzichten. 

Welchen Banken Italien Geld schuldet

Commerzbank

11,7 Milliarden Euro

Die Summe wie auch die folgenden sind Bruttoforderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Die Daten stammen aus dem Stresstest des Europäischen Banken-Vereinigung (EBA). Stand: 31. Dezember 2010.

Deutsche Bank

7,7 Milliarden Euro (mit Postbank, keine Aufgliederung)

HRE-Konzern

7,1 Milliarden Euro

DZ Bank

2,7 Milliarden Euro

NordLB

1,9 Milliarden Euro

LBBW

1,4 Milliarden Euro

WGZ Bank

1,4 Milliarden Euro

West LB

1,1 Milliarden Euro

HSH Nordbank

700 Millionen Euro

BayernLB

485 Millionen Euro

LBB

300 Millionen Euro

Dekabank

300 Millionen Euro

Intesa Sanpaolo

Ungleich größer ist das Engagement bei den italienischen Banken. Intesa Sanpoalo hält gegenüber der öffentlichen Hand Brottuforderungen über 60 Milliarden Euro.

Unicredit

49,1 Milliarden Euro

Banca Monte del Paschi di Siera

32,5 Milliarden Euro

BNP Paribas

Viertgrößter Gläubiger ist eine französische Bank: Die BNP Paribas ist mit 28 Milliarden Euro in Italien engagiert.

Dexia

Die sich in Auflösung befindende Bank Dexia hält 15,8 Milliarden Euro.

Banco Populare

11,8 Milliarden Euro

Crédit Agricole

10,8 Milliarden Euro

Ubi Banca

10,5 Milliarden Euro

HSBC

9,9 Milliarden Euro

Barclays

9,4 Milliarden Euro

Societe Generale

8,8 Milliarden Euro

ING Bank

7,7 Milliarden Euro

Royal Bank of Scotland

7,0 Milliarden Euro

Die ohnehin schlechte Lage der Bank spitzt sich dadurch zu, dass S&P am Freitag auch die Kreditwürdigkeit Italiens abermals herabgestuft hat. Unicredit muss Risiken aus fast 40 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen in ihren Büchern auffangen.

Schon Anfang Januar war bekannt geworden, dass die Mutter der Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) eine notwendige Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe nur mit schmerzhaften Zugeständnissen an die Investoren gestemmt bekommt. Sie muss die neuen Aktien mit einem Abschlag von rund 43 Prozent zuteilen. In der Folge stürzte die Unicredit-Aktie drastisch ab.

Die HVB steht wegen Unicredits Problemen unter verschärfter Beobachtung der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Sowohl beim Eigenkapital als auch bei der Liquidität der Bank hat die Aufsichtsbehörde Restriktionen erlassen. Ziel ist die Abschirmung gegen Zugriffe von Unicredit, wie das „Manager Magazin“ Ende Dezember berichtet hatte.

Kommentare (2)

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cashca

16.01.2012, 17:41 Uhr

Banken blicken nach dem Downgrade in den Abgrund
Sie stecken in einer gefährlichen Klemme.
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Sie stecken doch schon seit Jahren in der Klemme-- die erste "heimliche" Badbank gab es doch 2003,aber bis jetzt hat sie noch niemand abgeklemmt.
Schäuble machts möglich, meerkel genehmigt es, die EZB erledigt es, Milch und Honig fließen für die Banken weiter. Dafür zapft man die kleinen Steuerzahler an- sie sind die Melkkühe der Nation- und die Nation ist die Melkkuh der EU.
Die Kuh wird gemolken solange sie Milch gibt- oder am Ende tot umfällt.
Merkt eigentlich überhaupt noch einer, wie irre das ganze Theater ist? Ist da noch ein "Normler" darunter?
Doch wie in jedem Theater, irgenwann fällt der Vorhang- die Vorstellung ist zu Ende. Und das Puplikum jubelt klatscht Beifall- dieser gilt den hervorragenden Schauspielern.
Haben sie uns doch eine wunderbare Vorstellung bescheert.
Sie haben uns verschont vor der Wahrheit, es war immer alles gut, so konnten wir sorgenfrei in den Tag hineinleben.
Was für eine heile Welt.
Na dann, Bis zur nächsten Vorstellung.

Goldhamster

16.01.2012, 21:53 Uhr

Und ich gucke in den Abgrund dieses Verbrechersystems. Abschaffen!

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