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01.03.2012

10:00 Uhr

Nach der Geldschwemme

So nutzen Europas Banken die EZB-Spritze

VonYasmin Osman

800 europäische Banken haben sich ihr Stück vom 500-Milliarden-Kuchen der EZB abgeschnitten. Damit lösen die meisten Institute Anleihen ab. Nur wenige kaufen Staatsanleihen - und kaum eines fürchtet noch um seinen Ruf.

Euro-Symbol vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. dpa

Euro-Symbol vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

FrankfurtBeim billigen Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) haben 800 europäische Banken zugegriffen. Das waren deutlich mehr als die 523 Institute, die im Dezember mitmachten. Zwei Gründe dürften dafür verantwortlich sein. Zum einen ist die Furcht vieler Banken kleiner geworden, einen Rufschaden zu erleiden, wenn ihre Teilnahme am Tender publik würde. Solche Bedenken hatten im vergangenen Jahr zum Beispiel die Aareal Bank und Barclays geäußert.

Der zweite Grund für die regere Teilnahme war organisatorischer Natur: Viele Banken mussten sich erst einmal Vermögenswerte beschaffen, die die EZB als Sicherheit akzeptiert. Viele italienische Banken haben dazu Anleihen mit Staatsgarantien platziert. Andere Institute mussten erst ihre Kredite in eine Form bringen, in der sie als Sicherheiten anerkannt werden.

Trotz der hohen Nachfrage ist unklar, ob die Institute den Kreditsegen wie gewünscht dazu nutzen, um die Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder zu kaufen. Die Société Générale glaubt, dass etwa 116 Milliarden Euro des Tenders so genutzt werden könnten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch ist das nur für mittelgroße Banken aus Spanien und Italien interessant. So sagt die italienische Mediobanca, dass sie das Geld zum Kauf italienischer Staatsanleihen genutzt hat und nutzen wird.

Zwar zeigten die sinkenden Renditen von Staatsanleihen nach dem Dezember-Tender, dass einige Banken solche Geschäfte getätigt haben. „Doch die Nachfrage der Banken nach Staatsanleihen dürfte sich in den kommenden Monaten umkehren, da die Banken das neue EZB-Geld eher dazu nutzen werden, um fällig werdende Anleihen zu ersetzen“, schreibt die Commerzbank.

Tatsächlich äußern sich viele Institute in genau diese Richtung. Die spanische Banco Popular ersetzte mit dem EZB-Kredit teure, unbesicherte Bankanleihen und will das Geld aus dem zweiten Tender nutzen, um alle Anleihen zu ersetzen, die 2012 fällig werden. Ähnliche Strategien verfolgen auch Banco Sabadell, Bankia und Caixa Bank.

Die Eurohypo ersetzte Kredite ihrer Mutter Commerzbank durch günstiges EZB-Geld. Sie refinanzierte damit Vermögenswerte, die in den nächsten drei Jahren auslaufen. Einige Banken wie Santander nehmen das Geld auch nur, um es hinterher als Reserve bei der EZB zu parken.

Insgesamt könnten die Erträge der Banken dank der EZB-Kredite für 2013 um zwei Prozent höher ausfallen, glaubt die Credit Suisse; bei italienischen Banken könnte der Ertragseffekt sogar dreimal höher sein. Doch diese Aussichten lockt nicht jede Bank. So meint die Svenska Handelsbank, dass es für ihren Ruf und damit für ihre langfristigen Refinanzierungskosten besser sei, auf das EZB-Geld zu verzichten.

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