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30.07.2014

15:35 Uhr

Nach EU-Sanktionen

Russlands Banken zeigen sich gelassen

Auch wenn die EU und USA schärfere Sanktionen gegen Russland beschlossen haben, zeigen sich Russlands Banken wenig besorgt. Die VTB hat schon Lösungsideen parat. Auch andere Banken sind zuversichtlich.

Dirk Müllers Cashkurs

Russland-Sanktionen: "Eigentlich macht keiner mit"

Dirk Müllers Cashkurs: Russland-Sanktionen: "Eigentlich macht keiner mit"

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MoskauDie russischen Banken zeigen sich nach den von der EU und den USA verhängten Wirtschaftssanktionen gelassen. Die zweitgrößte Bank des Landes VTB erklärte am Mittwoch in Moskau, sie sei zuversichtlich, sich im Bedarfsfall mit Kapital versorgen und in andere Währungen und Märkte ausweichen zu können. Die Bank of Moscow und die Landwirtschaftsbank Russian Agricultural äußerten sich ähnlich und erklärten, sie rechneten nicht mit negativen Auswirkungen. Die russische Notenbank teilte mit, sie werde die heimischen Geldhäuser bei Bedarf stützen.

Die großen US-Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard erklärten ebenfalls, sie erwarteten keine Beeinträchtigungen in ihrem Russland-Geschäft. Die EU-Sanktionen schließen große russische Banken unter staatlicher Kontrolle vom europäischen beziehungsweise US-Kapitalmarkt aus.

Westliche Staaten werfen Russland vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine in ihrem Kampf gegen die Führung in Kiew zu unterstützen. Die EU hatte sich am Dienstag erstmals auf weitreichende Exportverbote sowie Strafmaßnahmen gegen russische Banken verständigt. Die USA verboten die Ausfuhr bestimmter Güter und Technologien im Energiesektor, weitere Sanktionen betreffen Banken und Rüstungsunternehmen.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Die VTB mit Niederlassungen in New York und London erklärte daraufhin, sie sehe keine Bedrohung für die Entwicklung ihres internationalen Geschäfts. Die VTB-Tochter Bank of Moscow teilte mit, sie leide nicht unter den Sanktionen und plane nicht, sich an ausländischen Märkten Geld zu leihen. Bei der Russian Agricultural Bank hieß es, sie sei stabil und könne sich im Notfall an den russischen Staat wenden.

Der weltweit größte Kreditkartenanbieter Visa erklärte, die neuen Wirtschaftssanktionen zwängen ihn nicht zum Stop oder der Blockade von Geschäften mit russischen Finanzinstituten, die unter die Sanktionen fallen. Mastercard teilte mit, die Maßnahmen beträfen den Zugang bestimmter Banken zum US-Kapitalmarkt. „Sie haben keine Auswirkungen auf unser Geschäft.“

Von

rtr

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