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07.08.2013

12:36 Uhr

Nach Gewinnrückgang

ING sucht nach weiteren Sparmöglichkeiten

Nach einem Gewinnrückgang im zweiten Quartal will die Finanzgruppe ihre Kosten nach Einsparmöglichkeiten untersuchen. Gefährdet von den Kürzungen ist unter anderem die ING-Zentrale.

Die niederländische ING-Gruppe will mehr Kosten einsparen. Reuters

Die niederländische ING-Gruppe will mehr Kosten einsparen.

AmsterdamDie niederländische Finanzgruppe ING sucht nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal 2013 nach weiteren Einsparmöglichkeiten. Die Kosten müssten noch einmal unter die Lupe genommen werden, sagte Finanzchef Patrick Flynn am Mittwoch. Es müsse geklärt werden, ob sie in ihrer Größe noch angemessen seien. Kürzungen könnte es unter anderem in der Zentrale geben.

Wegen Problemen in Japan fiel der Quartalsüberschuss um 39 Prozent auf 788 Millionen Euro. In Asien musste das Unternehmen einen Verlust von 98 Millionen Euro verkraften, was vor allem auf negative Derivate-Effekte zurückgeht und den höheren Marktschwankungen in Japan geschuldet war. ING schnitt damit deutlich schlechter als erwartet ab. Denn von Reuters befragte Analysten hatten mit 944 Millionen Euro Nettogewinn gerechnet.

An der Börse verteuerten sich ING-Aktien dennoch um fast fünf Prozent auf 8,22 Euro. Das ist das höchste Kursniveau seit 2011. Hier spiegeln sich die Markterwartungen für weitere Verkäufe und sinkende Kosten wider.

ING war einst Vorreiter für das kombinierte Modell aus Banken und Versicherungen. Dieser Ansatz hat aber nicht wie gewünscht funktioniert. In der Finanzkrise war ING auf Staatshilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro angewiesen. Mittlerweile stoßen die Niederländer weite Teile ihrer Aktivitäten ab. ING soll künftig nur noch eine auf Europa fokussierte Bank sein. In Deutschland ist der Konzern mit der erfolgreichen Direktbank ING-Diba vertreten.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

ING bekräftigte, das europäische Versicherungsgeschäft im nächsten Jahr abstoßen zu wollen. Über die verschiedenen Optionen - etwa ein Börsengang oder ein Verkauf - will das Management Mitte September informieren. Die europäische Versicherungssparte wies einen Vorsteuergewinn von 182 Millionen Euro aus, nachdem im Jahr zuvor noch ein Verlust von 110 Millionen zu Buche gestanden hatte.

ING hat mit Verkäufen insgesamt schon 23 Milliarden Euro eingenommen. So wurde zum Beispiel die US-Versicherungseinheit in New York an die Börse gebracht. Das brachte 1,3 Milliarden Dollar ein. Die amerikanische Online-Bank ING Direct ging für fast neun Milliarden Dollar an den US-Konzern Capital One.

Von

rtr

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