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20.06.2012

17:36 Uhr

Nach Gribkowskys Geständnis

Formel-1-Chef Ecclestone fühlt sich völlig frei

„Einen Riesenberg Geld“ habe er von Bernie Ecclestone kassiert, sagt Gerhard Gribkowsky. Genauer: 50 Millionen Dollar. Doch vom Schmiergeld-Geständnis des Ex-BayernLB-Managers fühlt sich der Formel-1-Chef nicht belastet.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone vor dem Münchener Landgericht im November 2011. dpa

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone vor dem Münchener Landgericht im November 2011.

München/DüsseldorfNach dem Geständnis des ehemaligen BayernLB-Managers Gerhard Gribkowsky hat der Anwalt von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Vorwürfe gegen seinen Mandaten zurückgewiesen. Die Hauptverhandlung vor dem Münchner Landgericht sei für das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen Ecclestone nicht bindend, teilte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Sven Thomas am Mittwoch mit.

Ecclestones Verteidigung habe an dem Prozess gegen Gribkowsky nicht teilnehmen und daher auch keinen Einfluss nehmen können. Dies gelte auch „für die Widerlegung der Auffassungen des Gerichts aus jüngster Zeit über angebliche Vereinbarungen zwischen Herrn Dr. Gribkowsky und Herrn Ecclestone“, sagte Thomas.

Zuvor hatte Gribkowsky vor dem Landgericht München ein Geständnis abgelegt und den Formel 1-Chef unter Druck gebracht. Nach acht Monaten Schweigen räumte der einstige Spitzenbanker am Mittwoch ein, 44 Millionen Dollar von Ecclestone erhalten zu haben.

„Einen Riesenberg Geld“, wie Gribkowsky sagte. Er habe das Geld nach jahrelangen Verhandlungen über den Verkauf der Formel 1 aber angenommen. „Für den Kampf hatte ich das Gefühl, Anerkennung verdient zu haben.“ Heute sei ihm klar, dass er Fehler gemacht habe und es sich um Bestechungsgeld gehandelt habe.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Im Gegenzug für das Geständnis kann der 54-Jährige mit einer Haftstrafe von maximal neun Jahren rechnen. Dies hatte der Vorsitzende Richter Peter Noll ihm vor seiner Aussage zugesichert. Er bescheinigte Gribkowskys eine „erfreuliche Klarheit“ seiner Aussage, die bis in den Nachmittag dauerte. Danach machte Gribkowsky einen gelösten Eindruck und verließ das Gericht lächelnd.

Gribkowsky war als Vorstand der BayernLB im Jahr 2006 dafür zuständig, die Beteiligung der Bank an der Formel 1 zu verkaufen, die ihr als Pfand für die Kirch-Pleite zugefallen war. Dabei hatte der Banker immer wieder mit Ecclestone zu tun, ohne den in der Formel 1 nichts laufe. „Sie kommen an gar nichts ran, wenn er nicht will“, sagte Gribkowsky.

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Ecclestone kamen die Verkaufsabsichten der BayernLB damals ganz recht: Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm Banken als Besitzer der Formel 1 nicht in den Kram passten. Gribkowsky erzählte den Richtern, Ecclestone habe ihn zum Verkauf gedrängt. „Wenn Du mir hilfst, die Formel 1 zu verkaufen, dann beschäftige ich Dich als Berater“, habe Ecclestone ihm gesagt. Kurz darauf präsentierte Ecclestone ihm seinen Wunschkäufer: Den britischen Finanzinvestor CVC, der die Formel 1-Mehrheit schließlich kaufte und bis heute besitzt.

Kommentare (8)

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Verantwortung

20.06.2012, 18:08 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

Account gelöscht!

20.06.2012, 18:53 Uhr

Danke für die Verwendung des Plurals bei "Haken", denn Gribkowsky sollte nicht allein bleiben...

Account gelöscht!

20.06.2012, 19:46 Uhr

Solche Typen bewegen sich in Europa auf Vorstandsebene oder als Manager im Sport.
Wer meint, Korruption sei die Domäne von Griechen, Russen und anderen fernen Ländern, irrt sich gehörig.

Bayern LB hatte sich einen tollen Vorstand ausgesucht und West-LB ist gleich pleite gegangen. Armes Deutschland, was mag da wohl noch alles ruhen?

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