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01.12.2011

12:20 Uhr

Nach Handelsskandal

UBS holt alten Risikochef zurück

Die Risikochefin der UBS, Maureen Miskovic, verlässt die Schweizer Großbank. Nach dem Handelsskandal in London wird sie durch ihren Vorgänger Philip Lofts ersetzt, zuletzt Chef der UBS Group Americas.

Philip Lofts kehrt wieder an seinen alten Posten zurück. dpa

Philip Lofts kehrt wieder an seinen alten Posten zurück.

ZürichGut zwei Monate nach dem Handelsskandal in London hat die Schweizer Großbank UBS ihre oberste Risiko-Kontrolleurin abgelöst. Maureen Miskovic, die bisher als Group Chief Risk Officer tätig war, werde die Bank verlassen, teilte die UBS am Donnerstag mit. Ihr Nachfolger wird Philip Lofts. Lofts war bereits von November 2008 bis Dezember 2010 Risiko-Chef der UBS gewesen und war danach für das Amerika-Geschäft zuständig.

Dass Miskovic nach knapp einjähriger Amtszeit aus der Bank ausscheide, habe nichts mit dem Handelsskandal in London zu tun, erklärte ein UBS-Sprecher. „Da gibt es keinen Zusammenhang“, sagte er. In einem Reutes vorliegenden internen Memo an die Mitarbeiter hob Konzernchef Sergio Ermotti die breite Kompetenz und die ausgeprägten Führungsqualitäten von Lofts hervor. Miskovic war am Jahresanfang vom US-Finanzdienstleister State Street zu UBS gekommen.

Fehlgeschlagene Spekulationsgeschäfte eines Londoner Händlers hatten der UBS einen Verlust von 1,85 Milliarden Franken (1,45 Milliarden Euro) eingebrockt. Ende September trat Konzernchef Oswald Grübel deshalb zurück und Europa-Chef Ermotti übernahm das Steuer bei der größten Schweizer Bank.

Muss ihre Tasche packen: Maureen Miskovic. Reuters

Muss ihre Tasche packen: Maureen Miskovic.

Ermottis damalige Rivalen um den UBS-Chefposten, Ulrich Körner und Robert McCann, erhalten zusätzliche Befugnisse. Körner übernimmt Ermottis alte Stelle als Europa-Chef zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion als Group Chief Operating Officer (COO). Nachfolger von Loft in den USA wird Robert McCann, ebenfalls zusätzlich zu seiner Funktion als Chef des amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäfts.

Wie es genau zu dem Verlust in London gekommen war, ist noch nicht klar. Die Londoner Polizei und die Bankenaufsicht in der Schweiz und in Großbritannien untersuchen den Fall noch. Auch UBS selbst leitete eine eigene Untersuchung ein.

Der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli, auf dessen Transaktionen die Verluste nach Angaben der UBS zurückgehen, sitzt wegen Verdacht auf Betrug und Urkundenfälschung in Untersuchungshaft. Er äußerte sich bisher bei mehreren Gerichtstermine nicht konkret zu den Vorwürfen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Marketingziel-Verdunkelung

01.12.2011, 09:50 Uhr

Die UBS hat keinerlei Interesse, den Adoboli-Vorgang aufzuklären. So bleibt es bei der Moritat vom bösen Händler, um Produktfehler bei synthetischen ETFs zu kaschieren:
Adobolis Aufgabe war es, Anbieter Synthetischer ETFs mit Derivaten zu versorgen
Solche Derivate nutzen Anbieter / Konstrukteure synthetischer ETFs dazu, den von Anlegern gewünschten Indizes (theoretisch)
deckungsgleich zu folgen. Dies, ohne die realen Indexbestandteile zu erwerben.
Hintergrund ist, dass bei klassischen ETFs, die nach Erwerb der Indexbestandteile einem Index tatsächlich 1:1 folgen, für Anbieter nur noch geringe Vergütungen anfallen.
Durch die Verwässerung mit "Füllderivaten", die Indexbestandteile nur simulieren, werden dem Anleger bei synthetischen ETFs Risiken untergeschoben. Diese werden ins Kleingedruckte verdrängt und verniedlicht. Vor allem aber werden sie dem Anleger nicht vergütet und erzeugen so Prämien für die Anbieter.
Die Schummelei ist (insbesondere nach der Abwanderung der Anleger aus den spesenverwöhnten, aktiv gemanagten Fonds) der neue Ertragshoffnungsträger der Finanzbranche.
Ob Goldman Sachs, ob Citigroup, ob BNP Paribas - alle verstärken massiv ihre Delta One-Bastel-Teams.
Nun ist im Adobolifall das Derivaterisiko nicht erst beim Kunden, sondern schon auf Anbieterebene, bei der Konstruktion des synthetischen ETFs, detoniert. Fatal aus Marketingsicht.
P.S.
Adobolis Folge-Fehler bestand im Versuch, den Schaden zu verbergen. Sein Versuch, den Primärschaden auszugleichen, scheiterte kostspielig

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