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09.09.2014

14:01 Uhr

Nach Korruptionsvorwürfen

Westlotto will Kungelei künftig verhindern

VonLukas Bay

Jahrelang vermittelte ein Westlotto-Referatsleiter die Millionengewinner an die Privatbank Merck Finck. Eine interne Untersuchung der Vorgänge hat nun Konsequenzen. Die Gewinnerbetreuung wird umgebaut.

Jackpot mit Folgen: Westlotto will die Gewinnerbetreuung umbauen. dpa

Jackpot mit Folgen: Westlotto will die Gewinnerbetreuung umbauen.

DüsseldorfGeteiltes Glück ist doppeltes Glück. Besonders wenn Lotteriegewinner nach Anlagemöglichkeiten für ihren Millionengewinn suchen. Denn dann profitiert auch die beratende Bank. Umso schwerer wogen die Vorwürfe im April 2014: Ein Referatsleiter von Westlotto aus Münster in Westfalen soll über Jahre lukrative Kunden an die Privatbank Merck Finck vermittelt haben. Als Gegenleistung soll er mit teuren Fußballtickets und anderen Prämien geschmiert worden sein.

Der Skandal zog so weite Kreise, dass im Zuge der betriebsinternen Untersuchung einer beauftragten Kanzlei gleich zwei Beteiligte ihren Posten räumen mussten: neben dem Westlotto-Referatsleiter wurde auch ein Merck-Finck Direktor beurlaubt. Nun hat das Unternehmen den Abschlussbericht zu den Unregelmäßigkeiten vorgelegt.

Tatsächlich konnten nicht alle Vorwürfe gegen den beschuldigten Regionaldirektor entkräftet werden. „Durch die Annahme von Einladungen hat der frühere langjährige Gewinnerberater gegen die internen Regelungen zur Annahme von Zuwendungen verstoßen“, heißt es in dem Bericht. Die Lotterie kooperiere vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft, um die Vorgänge aufzuklären.

Bis 2013 sei es Praxis der Lotterie gewesen, den Gewinnern die Eröffnung eines Kontos bei Merck Finck nahezulegen. Entstanden war diese Praxis aus der Tradition der Lotterie: Bis 2002 habe man die Kontoeröffnung bei der damaligen Muttergesellschaft von Westlotto, der Westdeutschen Landesbank Girozentrale AÖR (WestLB), empfohlen. Diese sei schließlich an die Privatbank verkauft worden, und auch das Personal wechselte einfach nur den Arbeitgeber. Die Empfehlungen seien darum erst im Juni 2013 auf Weisung der Geschäftsführung eingestellt worden.

Man habe allerdings keine Hinweise darauf finden können, dass für diese Empfehlungen Provisionen gezahlt worden seien, schreibt die beauftragte Kanzlei in ihrem Abschlussbericht – weder an Mitarbeiter noch an das Unternehmen. Zudem seien die Westlotto-Mitarbeiter nicht in die Anlageberatung der Privatbank involviert gewesen.

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Künftig will die Lotterie die Gewinner darum nur noch in den eigenen Räumlichkeiten und nach dem Vier-Augen-Prinzip beraten. Für die Gewinnerbetreuung seien von sofort an immer mehrere Mitarbeiter zuständig. Zudem soll die Kanzlei, die auch die internen Untersuchungen geleitet hatte, nun auch ein neues Compliance-Konzept für Westlotto erstellen.

Für die Untersuchung hatten die Anwälte in rund vier Monaten eine Vielzahl von Interviews geführt sowie über 57.000 E-Mails und weitere schriftliche Unterlagen zur Gewinnerbetreuung ausgewertet.

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