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27.03.2017

09:31 Uhr

Nach Milliarden-Panne

Verwaltungsrat rüffelt Staatsbank KfW

Nach der Überweisungspanne über sechs Milliarden Euro erhält die Staatsbank KfW Kritik aus dem Verwaltungsrat: Sicherungssysteme müssten „bei dieser Größenordnung“ früher greifen. Die IT gilt schon länger als mangelhaft.

Die staatliche Förderbank KfW wurde 1948 gegründet als Kreditanstalt für Wiederaufbau. dpa

Förderbank KfW

Die staatliche Förderbank KfW wurde 1948 gegründet als Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Frankfurt/DüsseldorfDie Überweisungspanne der KfW wird nun auch aus dem Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank kritisiert. „Bei dieser Größenordnung müssen interne Sicherungssysteme früher und umfassender greifen“, sagte Eckhardt Rehberg, Mitglied des Gremiums und haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, dem Handelsblatt.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die KfW im Februar versehentlich rund sechs Milliarden Euro an vier Banken überwiesen hat. Die Förderbank bestätigte, dass es zu einem Systemfehler in einer Zahlungsverkehrs-Software gekommen sei, durch den Beträge quasi in einer Dauerschleife mehrfach an die Institute überwiesen wurden. Ein Schaden sei der Bank aber nicht entstanden. „Die zu viel gezahlten Beträge wurden seitens der Banken unmittelbar zurücküberwiesen“, erklärte die KfW. Schuld sei ein Konfigurationsfehler eines erfahrenen Programmierers bei Arbeiten am Zahlungsverkehrssystem Swift.

Auch das gilt in Finanzkreisen als ungewöhnlich, weil Änderungen an Bankensoftware eigentlich außerhalb des laufenden Betriebs vorgenommen und erst einmal getestet werden. Peinlich für die Staatsbank: Ihre IT gilt seit längerem als Schwachpunkt. So stießen die Experten der deutschen Finanzaufsicht Bafin auf zahlreiche Mängel, im Fachjargon „Feststellungen“ genannt, als sie die KfW vergangenes Jahr unter die Lupe nahmen. Vor allem Probleme bei der IT sollen die Aufseher beunruhigen, wie Recherchen des Handelsblatts kürzlich ergaben. Die Folge: Die Bafin prüft, anzuordnen, dass die Bank mehr Eigenkapital vorhält.

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Die staatliche Förderbank KfW hat fälschlicherweise rund sechs Milliarden Euro an diverse Banken überwiesen. Die Bundesbank musste sie wohl darauf hinweisen. Es war nicht die erste Panne dieser Art bei der KfW.

Die KfW kämpft seit längerem mit dem Umbau ihrer IT. 2014 musste IT-Chefin Edeltraud Leibrock gehen, weil die Kosten dafür aus dem Ruder gelaufen waren. Die Staatsbank ist darüber hinaus ein gebranntes Kind, was Fehlüberweisungen betrifft. Sie hatte in der Finanzkrise Schlagzeilen gemacht, weil sie noch 320 Millionen Euro an Lehman Brothers überwiesen hatte, obwohl die US-Investmentbank an dem Tag bereits Insolvenz angemeldet hatte. Niemand hatte die Zahlung trotz der Neuigkeiten gestoppt. Die Bild-Zeitung hatte die KfW daraufhin als „Deutschlands dümmste Bank“ tituliert. Das Geld floss in die Insolvenzmasse, die KfW blieb am Ende auf einem Schaden von rund 100 Millionen Euro sitzen.

Die KfW betonte im Nachgang der neuerlichen Panne, „sofort eine detaillierte interne und externe Ursachenaufklärung eingeleitet“ zu haben. Die Ergebnisse würden den Gremien, also dem Verwaltungsrat, vorgestellt, sagte ein Sprecher der Bank. Man habe Maßnahmen eingeleitet, „dass sich das nicht noch einmal wiederholt“.

Kommentare (1)

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Herr Michael Müller

27.03.2017, 11:10 Uhr

"Staatsbank" eben. Da passiert so etwas schon einmal, vielleicht auch zwei- oder mehrmals. Verglichen mit den Staatsprojekten BER und Elbphilharmonie ist dieses Mal ja kein Schaden entstanden. Und verglichen mit den 22.000.000.000,00 Euro Steuerverschwendungen (Bund der Steuerzahler!), den Target-Salden die NIEMALS (!) ausgeglichen werden, der Pensionswelle, der Familiennachzugswelle, ... ist das mit der KfW ja wirjklich nicht so schlimm...

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