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22.09.2011

13:16 Uhr

Nach Milliarden-Skandal

Grübel kämpft für sein UBS-Geschäftsmodell

UBS-Chef Oswald Grübel muss um sein Geschäftsmodell der „integrierten Bank“ kämpfen. Die Kombination aus Vermögensverwaltung und Investmentbanking ist durchaus umstritten.

UBS-Chef Oswald Grübel. Reuters

UBS-Chef Oswald Grübel.

ZürichNach dem Milliarden-Handelsskandal kämpft UBS -Chef Oswald Grübel um sein Geschäftsmodell einer „integrierten Bank“. Schon als Chef beim Lokalrivalen Credit Suisse hatte der Manager auf eine Kombination aus Vermögensverwaltung und Investmentbanking gesetzt, weil sie mehr Erträge und höhere Gewinne bringe als das Wealth Management alleine. Dieses Modell verteidigte Grübel auch auf der Tagung des UBS-Verwaltungsrates in Singapur. „Diese Botschaft hat Grübel unaufhörlich verbreitet“, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Donnerstag zu Reuters in Singapur.

„Ein einzelner Unfall wird nicht dazu führen, dass UBS das Investmentbanking jetzt schnell verkauft“, sagte ein Insider. Substanzielle Verkleinerungen der Sparte - auf die Geschäfte, die es für die Vermögensverwaltung braucht - seien aber nicht ausgeschlossen. Eigenhandel mit möglicherweise sehr riskanten Derivaten und ein breit aufgestelltes Zinsengeschäft gehören dann nicht mehr dazu.

Spannungen unter Europas Banken und die Folgen

Warum ist das Vertrauen unter den Banken beschädigt?

Dies hat mehrere Gründe und geht letztlich auf die Finanzkrise zurück. Wegen massiver Verluste infolge der 2008 geplatzten Immobilienblase in den USA sind die Banken ohnehin angeschlagen, einige große Institute wären ohne staatliche Hilfe sogar pleite gegangen. Dies erklärt, warum die aktuelle Staatsschuldenkrise eine abermalige Bedrohung für die Banken darstellt: Da Kreditinstitute neben dem Steuerzahler die Hauptfinanzierer von Staaten darstellen, sind auch sie von möglichen Zahlungsausfällen etwa in Griechenland betroffen. Dies lastet auf dem Vertrauen der Institute untereinander.

Woran wird der Vertrauensverlust deutlich?

Ein wichtiges Maß für das Misstrauen der Banken untereinander ist das Geschäft mit der Europäischen Zentralbank (EZB), über das sich die Institute refinanzieren. Eine Möglichkeit besteht darin, sich bei der EZB sehr kurzfristig frisches Geld zu besorgen oder überschüssige Mittel dort anzulegen. Diese eintägigen „Über-Nacht-Geschäfte“ nehmen die Banken normalerweise kaum in Anspruch, da die Konditionen ungünstig sind. So verlangt die EZB für eintägige Ausleihungen derzeit einen Zins von 2,25 Prozent. Für eintägige Einlagen zahlt sie hingegen nur 0,75 Prozent. Im direkten Handel zwischen den Banken - auf dem sogenannten Interbanken- oder Geldmarkt - sind die Konditionen für gewöhnlich deutlich günstiger.

Wie hoch genau ist das Misstrauen der Banken untereinander?

Derzeit misstrauen sich die Banken ungewöhnlich stark, jedoch bei weitem nicht so sehr wie zu Zeiten der Lehmann-Pleite 2008 oder der ersten Zuspitzung der Griechenland-Krise 2010. Seinerzeit war der direkte Kredithandel zwischen den Banken faktisch nicht mehr vorhanden - die EZB musste einspringen und die Institute mit Liquidität versorgen. Damals lag beispielsweise das Niveau der eintägigen Bankeinlagen bei der EZB bei zeitweise 385 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise im Jahr 2007 betrugen die Einlagen im Durchschnitt gerade einmal 500 Millionen Euro, also rund 0,1 Prozent des Spitzenwerts in der Krise. Aktuell liegt das Niveau der Bankeinlagen bei rund 120 Milliarden Euro, Mitte September lagen sie aber schon einmal bei knapp 200 Milliarden Euro.

Ist das Misstrauen auf Europa begrenzt?

Nein, auch Banken außerhalb des Euroraums misstrauen europäischen Instituten immer mehr. Deutlich wird dies daran, dass etwa US-Banken und Geldmarktfonds immer weniger bereit sind, europäischen Instituten Geld zu leihen. Auch hier muss die EZB einspringen: So bietet sie seit längerem wöchentliche Refinanzierungsgeschäfte in Dollar an, damit die europäischen Banken ihre Geschäfte in den USA weiterführen können. Unlängst hat die EZB sogar zusätzliche Geschäfte mit einer längeren Laufzeit von drei Monaten aufgelegt. Damit will sie die Planungssicherheit der Institute erhöhen.

Welche Probleme ergeben sich aus dieser Situation?

Die größte Gefahr ist ähnlich wie in der Finanzkrise, dass nämlich letztlich das gesamte Bankensystem ins Wanken geraten könnte. Sollte etwa Griechenland pleite gehen, müssten die betroffenen Institute einen erheblichen Teil ihrer griechischen Staatsanleihen abschreiben. Experten gehen zwar davon aus, dass dies für die meisten großen Banken noch verkraftbar wäre. Viel schlimmer aber wären ähnliche Konstellationen in anderen Euro-Ländern. Würden nach Griechenland auch andere Staaten ihre Schulden nicht mehr bedienen können, würde das europäische Bankensystem vermutlich an den Rand des Abgrunds gedrängt werden. Der IWF veranschlagt die gesamten Bankrisiken, die aus der europäischen Schuldenkrise resultieren, auf 300 Milliarden Euro.

Grübel ist offenbar zuversichtlich, dass er im Verwaltungsrat Zustimmung zu seinen Plänen finden wird. Schließlich hatte der schon früher erkennen lassen, dass das Investmentbanking zurückgefahren werden könnte. Der Lokalrivale Credit Suisse ist mit dem von Grübel eingeführten Modell zufrieden. Im zweiten Quartal habe das einen Zusatzertrag von gut einer Milliarde Franken gebracht, hieß es im CS-Geschäftsbericht. Auch die Deutsche Bank ist als integrierter Konzern vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gekommen.

Kommentare (2)

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donolli

22.09.2011, 13:59 Uhr

Einen Ex-Händler als VV ist gleich den Bock zum Gärtner machen. Die Schwetzer wären gut beraten, wenn Sie aulsländischen Niederlassungen in den USA und Europa schliessen und back to the roods! Bankgeheimnis wieder klar und konsistent. Was wollen die Amis dann machen die Schweiz bombardieren oder die EU einmarschieren?! Steinbrück hat doch eine Meise! Die Schweiz war und sollte immmer ein Hort für alle sein (Gut oder Böse)!

Account gelöscht!

22.09.2011, 14:09 Uhr

Eas auch immer geschehen mag, mit Grübel an der Spitze, hat die UBS einen mehr als fähigen Mann, den sie nicht einfach aufgeben wird. Man heuert nicht einen Käpten an, um ihn bein ersten Unwetter über Bord zu werfen. Im Kontrollsystem ist ein Fehlerherd, und den gilt es zu beheben. Mein Vertrauen hat die UBS früher und auch jetzt, ob da ein paar alte Multimiliardäre aus Angst, ein paar dutzend Milliarden weniger verdienen zu können (ohne zu arbeiten) abspringen, kann die UBS vertragen. WEITER SO

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