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20.12.2012

06:34 Uhr

Nach Milliarden-Strafe

USA klagen zwei Ex-UBS-Händler wegen Verschwörung an

Im Libor-Skandal ist seit Mittwoch klar, dass die UBS eine Milliarden-Geldstrafe zahlen muss. Jetzt geht es auch ehemaligen Händlern an den Kragen. Allerdings müssen die beiden erst an die USA ausgeliefert werden.

Im Libor-Skandal hat die US-Justiz Anklage gegen zwei ehemalige Händler der UBS erhoben. Reuters

Im Libor-Skandal hat die US-Justiz Anklage gegen zwei ehemalige Händler der UBS erhoben.

WashingtonNach einer Milliarden-Strafe gegen die UBS nehmen die amerikanischen Justizbehörden zwei frühere leitende Händler der Schweizer Großbank ins Visier. Nur Stunden nachdem UBS wegen ihrer Verwicklung in den Skandal um den Referenzzinses Libor eine Geldbuße von 1,4 Milliarden Franken berappen musste, leitete das US-Justizministerium am Mittwoch ein Strafverfahren gegen Tom H. und Roger D. ein.

In einer bei einem US-Bezirksgericht in New York eingereichten Anklageschrift wird den beiden Männern Verschwörung vorgeworfen. H. wird zusätzlich des Betrugs und der Preisabsprache mit dem Ziel der Libor-Manipulation im Zusammenhang mit Aktivitäten bei einer weiteren Bank beschuldigt.

Milliardenstrafe im Libor-Skandal: UBS zahlte sogar Schmiergelder

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Die Schweizer UBS muss für ihre Rolle im Libor-Skandal mit der zweithöchsten Geldstrafe der Banken-Geschichte büßen. Die Ermittlungsergebnisse zeichnen ein geradezu erschütterndes Bild vom Kontrollsystem des Instituts.

Die US-Behörden bemühten sich nun um die Auslieferung der beiden Männer, sagte Lanny Breuer vom US-Justizministerium. Die Behörde gehe davon aus, dass der eine sich in Großbritannien befinde und der andere sich in der Schweiz aufhalte.

Nach Angaben von mit der Sache vertrauten Personen war einer der Männer vor einigen Tagen zusammen mit zwei bei einem unabhängigen Makler beschäftigten Händlern in London von der Polizei festgenommen und befragt worden. Die drei Männer wurden später gegen Kaution freigelassen.

“Lassen Sie sich nicht täuschen. Den UBS-Händlern ging es bei der Manipulation des Libor darum, reich zu werden”, sagte Staatsanwalt Lanny Breuer bei einer Pressekonferenz in der US- Hauptstadt Washington.

Die nun erhobenen Anklagen sind die ersten, die das US- Justizministerium gegen Einzelpersonen anstrengt, die angeblich Libor-Sätze und andere Benchmarks sowohl in Europa als auch in Japan manipuliert haben sollen.

Die UBS hatte sich in dieser Woche im Libor-Fall mit Aufsichtsbehörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz auf Zahlung von insgesamt etwa 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) an Geldstrafen und Gewinnherausgaben geeinigt. Die Summe ist mehr als dreimal so hoch wie jene, die die britische Bank Barclays Plc in der Angelegenheit zahlte.

In Großbritannien wird UBS eine Geldbuße von 160 Mio. Pfund an die FSA zahlen - und in der Schweiz 59 Mio. Franken an die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, was einer Herausgabe des geschätzten Gewinns entspricht. An das US-Justizministerium und die Terminmarktaufsicht CFTC geht eine Buße von 1,2 Mrd. Dollar. Zudem wird sich die japanische Sparte in einem Anklagepunkt des Betrugs durch Missbrauch elektronischer Kommunikationsmittel schuldig bekennen.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Kommentare (5)

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Charly

19.12.2012, 22:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

JerryKraut

20.12.2012, 02:47 Uhr

Meines Wissenskann es dafür in den USA im Extremfall die Todesstrafe geben.

SlingShot

20.12.2012, 05:33 Uhr

'UNO liest Israel wegen Siedlungsbau die Leviten' darf natürlich NICHT kommentiert werden!
Bei der Wahrheit und Meinungen über Israel, des Zentralrates und deren Angehörigen hält jede Meinungsfreiheit auf. Genau bei diesem Punkt setzt auch die Internetzensur in Deutschland ein, die nur ihresgleichen in China findet.

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