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21.05.2014

16:31 Uhr

Nach Milliardenbußen

Credit Suisse prüft Verkleinerung des US-Geschäfts

Am Dienstag hat die Credit Suisse einer Milliardenstrafe in den USA zugestimmt – nun überlegt sie, sich aus dem Land teilweise zurückzuziehen. Die Risiken von Rechtskosten müssten berücksichtigt werden.

Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, betonte, trotz der hohen Strafe in den USA keine personellen Konsequenzen ziehen zu wollen. dpa

Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, betonte, trotz der hohen Strafe in den USA keine personellen Konsequenzen ziehen zu wollen.

ZürichNach der Rekordstrafe wegen Geschäften mit amerikanischen Steuerhinterziehern denkt die Schweizer Großbank Credit Suisse über eine Verkleinerung ihrer US-Aktivitäten nach. „Ich habe bereits angeordnet, dass wir diese Frage sehr genau prüfen“, sagte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner der „Neuen Zürcher Zeitung“ (Mittwoch). „Wir müssen die Risiken von hohen Rechtskosten berücksichtigen.“ Im Blick habe die Bank dabei vor allem das Investmentbanking.

Die Credit Suisse (CS) hatte sich am Dienstag schuldig bekannt, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben und einer Strafzahlung von 2,6 Milliarden Dollar in den USA zugestimmt. Es ist die höchste jemals in einem Steuerverfahren in den USA verhängte Buße. Im Gegenzug kann die CS ihre Banklizenz in dem Land behalten.

„Die Idee ist, rascher zu einer etwa gleichmäßigen Kapitalverteilung für die Vermögensverwaltung und das Investmentbanking zu kommen“, sagte Rohner. Für die Schweizer Banken sind große Teile des Kapitalmarktgeschäfts sehr teuer, weil sie seit der Finanzkrise besonders strenge Kapitalvorgaben von den Schweizer Behörden haben.

Rohner betonte, trotz der hohen Strafe in den USA keine personellen Konsequenzen ziehen zu wollen. Damit stärkte er dem seit 2007 amtierenden Vorstandschef Brady Dougan den Rücken. Auch für sich selbst schloss Rohner einen schnellen Abschied aus.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Die teure Beilegung des Steuerstreits habe dem Tagesgeschäft kaum geschadet, sagte er. „Wir haben von den Kunden viel Zuspruch bekommen und bisher kaum negative Reaktionen erhalten. Bei den Gegenparteien im Interbankengeschäft gab es keine besonderen Vorkommnisse.“

Die Bank wolle auch Steuerfälle in Europa klären. „Wir nehmen keine unversteuerten Gelder an, und für die Altlasten braucht es eine gute Regelung“, erklärte Rohner. Die Bank trenne sich von Kunden, die innerhalb einer gewissen Frist keinen Nachweis für ihre Gelder vorlegen könnten. Das gelte für alle Länder in der EU.

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