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24.11.2011

11:22 Uhr

Nach Schrumpfkur

Wirtschaft fürchtet neue Kreditklemme

VonHolger Alich, Michael Maisch

Die höheren Eigenkapitalforderung der Politik bergen Risiken für die Bankhäuser. Wo sie frisches Geld beschaffen sollen, weiß niemand. Es droht eine Kreditklemme. Flugzeugbauer Airbus warnt - Zulieferer sind in Gefahr.

Das Frankfurter Finanzviertel: Die Geldhäuser stehen vor großen Herausforderungen. dpa

Das Frankfurter Finanzviertel: Die Geldhäuser stehen vor großen Herausforderungen.

Zürich/London/FrankfurtEigentlich hatten die EU-Politiker nur Gutes im Sinn, als sie den Banken befahlen, bis zum kommenden Sommer ihre Kapitalpuffer im Schnellverfahren massiv aufzustocken. Ursprünglich sahen die neuen, unter dem Stichwort Basel III bekannten Eigenkapitalvorschriften eine Übergangsfrist bis 2019 vor, doch jetzt müssen die Institute bereits im Juli 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent vorweisen, um gegen die Schocks der Euro-Krise gewappnet zu sein.

Doch wo soll das Kapital herkommen? Sollte sich die Schuldenkrise nicht schnell entspannen, werde es den meisten Instituten schwerfallen, die Lücke mit eigenen Gewinnen aufzufüllen, warnen die Analysten der britischen Bank Barclays. Gleichzeitig ist das Misstrauen der Investoren gegenüber der Finanzbranche so groß, dass viele Institute keine Chance sehen, neues Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Wenn der Staat nicht wieder einspringen soll, bleibt den Banken nur eine Chance: Sie müssen ihre Bilanzen radikal kürzen.

Doch diese Notoperation könnte äußerst schädliche Nebenwirkungen haben. Experten warnen vor einer Kreditklemme in Europa. Außerdem könnte ein großer Teil der Risiken, die aus den Bilanzen der Institute verschwinden, ins Zwielicht der Schattenbanken abwandern.

Tatsächlich warnen bereits die ersten Unternehmen vor einer beginnenden Kreditklemme. Der europäische Flugzeugbauer Airbus etwa ist mit Blick auf seine kleinen Zulieferer besorgt über die Kreditbewilligungen der Banken. „Die momentane Kreditvergabepraxis der Banken ist bedenklich“, sagte Airbus-Chef Thomas Enders der „Börsen-Zeitung“. Einige Banken scheuten Flugzeugfinanzierungen, doch viele kleine Zulieferer seien finanziell nicht so robust aufgestellt. „Der Ausfall nur eines von ihnen kann Einfluss auf unsere ganze Produktionslinie haben“, erklärte der Manager. Airbus will daher „neue Finanzierungsquellen“ erschließen. Dabei hat die EADS-Tochter vor allem die Kapitalmärkte in China und Japan im Blick.

Die Barclays-Experten gehen davon aus, dass die Geldhäuser im schlimmsten Fall ihre Bilanzen kollektiv um bis zu drei Billionen Euro kürzen müssen, das entspräche zehn Prozent aller europäischen Bankaktiva. Selbst im besten Fall, wenn ein großer Teil des Kapitalbedarfs durch eigene Gewinne gedeckt werden könnte, müssten die Institute noch 500 Milliarden Euro aus ihren Büchern bekommen. Deshalb fürchtet Barclays-Volkswirt Julian Callow eine Kreditklemme in Europa, die die ohnehin fragile Konjunktur weiter schwächen würde: „Es ist wahrscheinlich, dass sich das Kreditangebot in der Euro-Zone, vor allem in den südeuropäischen Ländern verknappt“, warnt Callow.

Kommentare (12)

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puk

24.11.2011, 11:30 Uhr

Aha! die Subventionshaie versammeln sich schon wieder, um dem Staat neue Schirme abzupressen. Man kann sich nur noch an den Kopf fassen, bei soviel Verantwortungslosigkeit.

sterbende_demokratie

24.11.2011, 11:58 Uhr

Liebe Wirtschaft was möchtest Du denn, bist Du schon wieder klamm? Vielleicht weil Du den bösen Arbeitnehmern wieder eine "unverschämt hohe" Lohnerhöhung gerade noch unterhalb der Teuerungsrate einräumen musstest?....

Verstehe, Es dürstet dich mal wieder nach ein paar netten Subventionsgeldern auf Staatsgeldern.

Ironie aus*

Immer die alte Leier, in ein paar Monaten kommt dann zusätzlich wieder der Ruf der Wirtschaft nach Kurzarbeit.
Hauptsache die "wahren Profiteure" des Euro können es sich auf Kosten von Staat und Arbeitnehmer gemütlich machen!

Interessierter

24.11.2011, 12:03 Uhr

Wer der Wirtschaftsexperten, Konsernlenkern, Spitzenmanagern und Ökonomen erklärt mir hier völlig partei- und ideologiefrei und wirklich schlüssig, warum es keine Rückkehr zur Deutschen Mark und der EWG geben kann?
Ich würde es gerne verstehen, da es mir persönlich zu DM-Zeiten wesentlich besser ging, vielen Dank.

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