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04.06.2014

15:50 Uhr

Nach Streit mit Bund

HRE-Chefin wirft überraschend hin

Paukenschlag bei der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate: Nach gut vier Jahren tritt Manuela Better als Chefin zurück. Sie verlässt das Institut in einer kritischen Phase. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bund.

Nach Streit

Better verlässt Hypo Real Estate

Nach Streit: Better verlässt Hypo Real Estate

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FrankfurtDie Chefin der in der Krise verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), Manuela Better, tritt nach gut vier Jahren von ihrem Posten zurück. Better habe um die Entbindung von ihren Pflichten mit sofortiger Wirkung gebeten, die Aufsichtsräte hätten dem mit Bedauern entsprochen, teilte das Institut am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Hintergrund ist ein Zerwürfnis mit dem Bund. Wer Betters Nachfolge antritt, blieb zunächst offen. Dies werde „zu gegebener Zeit“ entschieden, erklärte die Bank. Wichtigste Aufgabe ist die anstehende Reprivatisierung des HRE-Nachfolgers Pfandbriefbank Pbb. Sie muss auf Drängen der EU bis Ende nächsten Jahres verkauft oder an die Börse gebracht werden. Der Startschuss soll in Kürze fallen.

Abgang kommt überraschend

Der Rücktritt Betters kommt überraschend. Erst am Vortag hatte die Deutsche Pfandbriefbank Pbb, das Nachfolgeinstitut der HRE, in dem der gesunde Teil des HRE-Geschäfts aufging, einen deutlichen Gewinnsprung für das erste Quartal bekanntgegeben. Die Bank muss mit ihren gewerblichen Immobilienfinanzierungen und Darlehen an die öffentliche Hand zwar noch deutlich rentabler werden, um Investoren anzulocken.

Doch das ist nicht der Grund dafür, dass sich Better jetzt zurückzieht – auch als Vorstandschefin bei der Deutschen Pfandbriefbank. „Nach der Entscheidung der FMSA gegen den ausverhandelten Verkauf der Depfa und für die von mir nicht präferierte Abwicklung der Depfa unter der FMS Wertmanagement habe ich keine Basis mehr für die Ausübung meiner Mandate gesehen“, begründete sie ihren Schritt.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Der Bund hatte unlängst den Verkauf des deutsch-irischen Staatsfinanzierers Depfa platzen lassen, der ebenfalls zur HRE gehört und seit der Krise kein Neugeschäft mehr macht. Das Verfahren sollte nach dem Willen von Better eigentlich eine Blaupause für den anstehenden Verkauf des Schwesterinstituts Pbb sein.

Doch die Bundesregierung entschied sich in letzter Minute gegen den Verkauf an einen Finanzinvestor und für die Eigenabwicklung in der staatlichen „Bad Bank“ FMS Wertmanagement, in der bereits milliardenschwere Schrottpapiere des einstigen Dax-Konzerns aus München lagern.

Kommentare (5)

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04.06.2014, 09:59 Uhr

Die Politik des billigen Geldes wird wohl weitergehen,
wenn man annimmt, dass die verantwortlichen Entscheider gegen den Verkauf der HRE-Töchter über Insider-Wissen gut informiert sind. Dies ist ja die einzige Garantie dafür, mit langfristig laufenden Schrottpapieren gutes Geld verdienen zu können. Bisher hoffte man wohl, die potentiellen Käufer spekulieren auf diese Möglichkeit. Die Gewissheit darüber verhindert nun wohlmöglich den Verkauf.

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04.06.2014, 10:10 Uhr

Die Frau spricht ein sehr einfaches Englisch, aber dies sehr souverän.

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04.06.2014, 10:20 Uhr

Da sind bei der HRE sicher noch ne Menge Leichen im Keller!!

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