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05.03.2013

17:30 Uhr

Nach US-Steuerurteil

Schweizer Bankhaus Wegelin macht dicht

Diese Verurteilung setzt ein Zeichen: Die älteste Schweizer Bank Wegelin ist in den USA wegen Steuervergehen bestraft worden - und muss nun dichtmachen. Es ist ein Ende mit Ansage. Doch das Institut hat auch vorgesorgt.

Der Schriftzug des Bankhauses Wegelin am Hauptsitz in der Schweiz. dpa

Der Schriftzug des Bankhauses Wegelin am Hauptsitz in der Schweiz.

New YorkNach 272 Jahren ist Schluss beim ältesten Schweizer Geldhaus: Eine Verurteilung in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung besiegelt das Ende der Privatbank Wegelin & Co.. „In Kürze wird der Bankbetrieb eingestellt, und die verbleibenden Aufgaben werden von einer Zweckgesellschaft weitergeführt“, erklärte das Institut aus St. Gallen am Dienstag.

Der New Yorker Richter Jed Rakoff hatte am späten Montag (Ortszeit) sein Urteil gesprochen. Eine Überraschung war es nicht: Die Bank muss mit insgesamt 74 Millionen Dollar (57 Mio Euro) dafür büßen, dass sie ihren Kunden dabei geholfen hatte, mehr als 1,2 Milliarden Dollar vor dem amerikanischen Fiskus zu verstecken. Wegelin hatte sich Anfang Januar schuldig bekannt und den jetzt abgesegneten Deal mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt.

Es sei das erste Mal, dass eine ausländische Bank wegen eines solchen Falles in den USA verurteilt worden sei, teilte die Bundesstaatsanwaltschaft von Manhattan mit. „Wegelin hat einen hohen Preis gezahlt“, erklärte der leitende Staatsanwalt Preet Bharara.

Allerdings lebt der weitaus größte Teil von Wegelin weiter, wenn auch unter anderem Namen und mit einem neuen Besitzer: Das Traditionshaus hatte aus Furcht vor einer existenzbedrohenden Strafe schon vor einem Jahr sein unkritisches Geschäft verkauft. Die meisten Mitarbeiter und die Privatkunden außerhalb der USA wechselten in die Notenstein Privatbank, die von der Raiffeisen Schweiz übernommen wurde. Notenstein verwaltet nach eigenen Angaben mit 700 Leuten Vermögen über 21 Milliarden Franken (17 Mrd Euro).

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Die US-Justiz macht seit Jahren verstärkt Jagd auf Steuersünder und hat sich dabei vor allem auf Schweizer Banken eingeschossen. Die UBS musste 2009 in einem Vergleich 780 Millionen Dollar berappen und sollte Tausende Kundendaten preisgeben. Es gab in diesem Fall jedoch keine Verurteilung wie bei Wegelin. Auch andere Institute wie die Credit Suisse oder die Privatbank Julius Bär sind in das Visier der Ermittler geraten. Unter dem Druck der US-Regierung hat die Schweiz ihr Bankgeheimnis durchlöchert.

Wegelin hat nach Ansicht der US-Ankläger von 2002 bis 2011 wohlhabenden Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen, indem die Bank Konten eröffnet habe, die für die US-Behörden unsichtbar gewesen seien. Dieses Prozedere sei auch weitergegangen, als erste Berichte über Ermittlungen der US-Behörden gegen die UBS im Jahr 2008 aufgetaucht seien, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die Wegelin-Zahlung von 74 Millionen Dollar setzt sich zusammen aus einer Strafe, Schadenersatz für entgangene Steuereinnahmen sowie der Abschöpfung erzielter Gewinne. 16 Millionen Dollar wurden von der US-Justiz bereits eingezogen, Wegelin muss noch 58 Millionen Dollar überweisen. „Die Kosten des Vergleichs werden aus eigens für Rechtsrisiken bereitgestellten Mitteln beglichen“, erklärte das Geldhaus. „Damit endet auch die 1741 begründete Tradition der Privatbank Wegelin & Co..“

Von

dpa

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