Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2016

10:22 Uhr

Nach Verlust-Bilanz

Credit Suisse-Aktie geht auf Talfahrt

VonHolger Alich

Die Bilanz der Credit Suisse sieht tiefrot aus. Fast drei Milliarden Euro muss die Schweizer Bank nach dem Umbau des neuen Chefs, Tidjane Thiam, abschreiben. Vor allem das Investmentbanking macht Probleme.

Der Umbau durch den neuen  Chef Tidjane Thiam hat Spuren in der Bilanz der Bank hinterlassen. dpa

Credit Suisse

Der Umbau durch den neuen Chef Tidjane Thiam hat Spuren in der Bilanz der Bank hinterlassen.

Zürich Die Zahlen der Credit Suisse haben die Befürchtungen der Analysten übertroffen. Dass die zweitgrößte Bank der Schweiz einen Milliardenverlust wegen der Abschreibung auf die Investmentbank ausweisen würde, hatten Analysten erwartet. Doch niemand hat damit gerechnet, dass sogar Teile der Vermögensverwaltung im vierten Quartal rote Zahlen schreiben. Als Reaktion verschärft Tidjane Thiam, der neue CEO der Bank, den Sparplan: 4000 weitere Jobs werden gestrichen. Das soll die Kosten um weitere 500 Millionen Franken senken.
Im Gesamtjahr weist Credit Suisse einen Netto-Verlust von knapp drei Milliarden Franken aus, im Vorjahr hatte die Bank noch 1,9 Milliarden Franken verdient. Im vierten Quartal beläuft sich der Netto-Verlust auf 5,8 Milliarden Franken (Vorjahr: plus 691 Millionen Franken). Analysten hatten nur mit rund vier Milliarden Franken Netto-Verlust gerechnet. Selbst bereinigt um die zahlreichen Sonderposten weist Credit Suisse noch einen Verlust von 400 Millionen Franken aus. Hier hatten Analysten mit einen Gewinn gerechnet. Entsprechend enttäuscht reagierten auch die Anleger. Zur Börseneröffnung rutschte die Credit Suisse-Aktie gut zehn Prozent tiefer.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

„Kitchen sinking“ nennen die Angelsachsen die Übung, wenn ein neuer CEO alle möglichen Altlasten in der Bilanz aufräumt, und dies noch seinem Vorgänger anzulasten. Tidjane Thiam, der seit Sommer die Geschicke der Bank leitet, war hier besonders gründlich.
Größter Sonderposten war die erwartete Abschreibung auf die im Jahr 2000 zugekaufte Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette. Auf den gesamten Goodwill von über sechs Milliarden Franken schrieb Thiam 3,8 Milliarden ab. Hinzu kommen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten (821 Millionen Franken im Gesamtjahr) und die Kosten für den Konzernumbau (355 Millionen).
Doch auch operativ lief es bei Credit Suisse im vierten Quartal schlecht. Die Vermögensverwaltung, die nun in drei Regionalsparten Schweiz, International und Asien verpackt ist, weist zum Teil rote Zahlen aus. Die Sparte International Wealth Management verliert vor Steuern im vierten Quartal 20 Millionen Franken; im Vorjahresquartal verdiente sie noch 423 Millionen.
Knallrot mit 617 Millionen Franken Verlust auch das Vorsteuerergebnis der Asien-Gesellschaft, deren Geschäft indes zum großen Teil Investmentbanking umfasst. Laut Geschäftsbericht ist hier auch der Vorsteuerergebnis des Private-Banking-Teils im Jahresvergleich der Quartale um 30 Prozent rückläufig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×