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26.06.2013

22:15 Uhr

Nach Witzen über EU-Hilfe

Irischen Bankern droht ein Nachspiel

Die Witze irischer Banker über die EU-Hilfen könnten dazu führen, dass Irland einzelne Manager für ihr Verhalten bestraft. Der Verdacht besteht, dass diese falsche Angaben machten, um sich mehr Geld zu sichern.

Irische Banker haben sich abfällig über die EU- und IWF-Helfen geäußert, was nun ein Nachspiel haben könnte. dpa

Irische Banker haben sich abfällig über die EU- und IWF-Helfen geäußert, was nun ein Nachspiel haben könnte.

DublinIrischen Bankern droht nach der Veröffentlichung entlarvender Telefonmitschnitte von Gesprächen während der Rettung ihrer Institute durch die EU ein Nachspiel. Die irische Notenbank erklärte am Mittwoch, sie prüfe, ob Vorschriften verletzt worden seien. Zudem könnte Irland Regierungskreisen zufolge nun doch einzelne Manager für ihr Verhalten im Jahr 2008 zur Rechenschaft ziehen. Im Raum steht der Verdacht, dass Bank-Manager die Notenbank in die Irre führten, um sich von den Rettungshilfen von EU und IWF möglichst viel für ihr Institut zu sichern. Irische Medien hatten zuvor das Zitat "Neuer Tag, neue Milliarde" des damaligen Anglo-Irish-Chefs David Drumm aus den Mitschnitten veröffentlicht. Ein anderer Banker sang demnach am Telefon: "Deutschland, Deutschland über alles." Deutschland war größter EU-Geldgeber bei den Hilfen. EU und IWF hatten Irland mit 85 Milliarden Euro von der Pleite bewahrt.

Geheime Telefon-Mitschnitte: Irische Pleitebanker lästern über Deutschland

Geheime Telefon-Mitschnitte

Irische Pleitebanker lästern über Deutschland

Nach ihrer Verstaatlichung und Liquidierung erregt die Pleitebank Anglo Irish noch einmal die Gemüter der Iren. Telefonate werden öffentlich, die die ganze Verachtung der Banker gegenüber Politik und Kunden zeigen.

Die Kapitalspritzen für die inzwischen abgewickelte Anglo Irish Bank sowie zwei weitere Institute kosteten die irischen Steuerzahler rund 30 Milliarden Euro und machten das ehemalige Boom-Land der Euro-Zone zum Bittsteller. Der damit verbundene Sparkurs des Landes zwang vielen der 4,6 Millionen Iren Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auf.

Eine 2011 gescheiterte Volksbefragung, die dem Parlament mehr Befugnisse bringen sollte, könnte zudem wiederholt werden, sagte ein Regierungsvertreter. Im Schatten der Präsidentenwahl 2011 war das Referendum nur halbherzig vorbereitet worden. Eine Wiederholung könnte in der Zustimmung der meisten Iren enden, die über die jetzt bekanntgewordenen Banker-Gespräche entrüstet sind.

Von

rtr

Kommentare (12)

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fdik

26.06.2013, 23:27 Uhr

Und wo gibt es das Nachspiel für Standard & Poors? Siehe den Artikel heute im Rolling Stone:

http://www.rollingstone.com/politics/news/the-last-mystery-of-the-financial-crisis-20130619

Zusammenfassung und Übersetzung:

http://blog.fdik.org/2013-06/s1372255862

Der Hund ist ja noch dicker.

Revisor

27.06.2013, 00:45 Uhr

"dass Irland einzelne Manager für ihr Verhalten bestraft"

Der David Drumm (einer dieser beiden kriminellen Schwachmaten)ist doch in die USA ausgewandert.

Wird der dann ausgeliefert???

Hier wäre mal endlich ein valides Handlungsfeld für unsere neue Bankenaufsicht bei der GS-Draghi-EZB...

Ludwig500

27.06.2013, 00:57 Uhr

Das sind in der Tat zwei dicke Hunde. Andererseits, ist es nicht schon lange klar, dass sich de facto völlig unproduktive Banker auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung die Taschen voll machen? Aber moment, wenn unsere Volksvertreter dass fast einstimmig alternativlos richtig finden muss die Frage erlaubt sein, von wem wir mehr betrogen werden. Von denen, die ihre Möglichkeiten nutzen, oder denen, die diese Möglichkeiten auch noch fördern statt sie zu unterbinden. Wenn man Bankern Geld hinterherwirft, soll man sich wundern, dass die ihr Glück kaum fassen können und es nehmen, oder soll man nicht lieber die Werfer an den Baum hängen? Vor allem weil sie nicht ihr eigenes nehmen sondern das, was die Bevölkerung erst noch erwirtschaften muss!

So, jetzt gehe ich ins Bett. Sonst rege ich mich auf und schreibe Sachen, die im Raster diverser Spionagefilterprogramme hängen.

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